zur Navigation springen

EX-HSH-Chef Nonnenmacher : „Dr. No“ erwartet sein Urteil

vom

Der ehemalige Vorstandschef der HSH-Nordbank ist für viele die ideale Projektionsfläche für all die Wut, die sich während der Finanzkrise aufgestaut hat. Am Mittwoch werden in Hamburg die Plädoyers im Prozess gegen ihn und die fünf andere ehemalige Bankmanager gehalten.

Hamburg | Er ist im Laufe der Finanzkrise zum Sinnbild des bösen Bankers avanciert: der ehemalige Vorstandschef der HSH-Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher. Die Presse hat dem Mann mit dem zurückgekämmten Haar den Spitznamen „Dr. No“ verpasst. Wegen Bilanzfälschung und Untreue in besonders schwerem Fall steht er derzeit mit fünf anderen ehemalige Bankmanagern der Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein vor dem Hamburger Landgericht. Nach zehn Monaten steuert der Prozess jetzt auf sein Ende zu. Am Mittwoch soll die Staatsanwaltschaft im Hamburger Landgericht ihr Plädoyer halten, anschließend sind die Verteidiger an der Reihe. Alle Angeklagten haben die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Ihnen drohen Strafen bis zu zehn Jahren Haft. Ihre Anwälte wollen dagegen Freisprüche erwirken.

Die Ex-HSH-Manager sollen der Bank 2007 bei einem komplexen Kreditgeschäft, das unter dem Namen „Omega 55“ bekanntgeworden ist, einen Schaden von 158 Millionen Euro zugefügt haben.  „Omega 55“ war der Name eine Zweckgesellschaft mit der französischen Großbank BNP Paribas. Dabei ging es zum einen um Imobilienkredite in Höhe von zwei Milliarden Euro, für die die HSH 160 Millionen Euro Eigenkapital hätte vorhalten müssen. Indem sie die Kredite auf die BNP übertrug und eine Prämie zahlte, konnte sie sich von dieser Pflicht befreien und ihre Bilanz entlasten. Allerdings: Von vorneherein war diese Transaktion befristet und sollte ein Jahr später gekündigt werden. Die Ermittler vermuten, dass die Bilanz 2007 für den 2008 geplanten Börsengang frisiert werden sollten und sprechen von Bilanzfälschung.

Zum anderen ging es bei „Omega 55“ aber auch noch um eine Art Wertpapierportfolio im Wert von 820 Millionen Euro, das die BNP in die Zweckgemeinschaft einbringen sollte. Für knapp die Hälfte davon musste die HSH das Risiko übernehmen. Allerdings stellte sich später heraus, dass sich in dem Portfolio Papiere befanden, die BNP gerne loswerden wollte - wie etwa Zertifikate der US-Bank Lehmanbrothers. Das bedeutete letztlich einen Verlust von 145 Millionen Euro für die HSH.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet Untreue in einem besonders schweren Fall. Auf der Grundlage ihrer Unterlagen hätte der damalige Vorstand die Chancen und Risiken des „Omega 55“-Geschäfts gar nicht abwägen können.

Nonnenmacher erklärt sich nach wie vor für unschuldig: „Einen möglichen Schaden für die Bank habe ich nicht ansatzweise erkennen können, auch nicht erkannt und schon gar nicht billigend in Kauf genommen“, sagte er am 19. Mai im Gerichtssaal. Schon im September 2013 hatte er darauf verwiesen, als damaliger Finanzchef nicht für „Omega 55“ zuständig gewesen zu sein. Der Prozessverlauf stimme ihn zudem positiv, dass am Ende seine Unschuld bekannt würde. „Die bisherige Beweiserhebung hat nach meinem Verständnis bestätigt, dass ich persönlich weder in die Vorbereitung, Ausgestaltung, Umsetzung noch die Überwachung der Transaktion eingebunden war“, sagte Nonnenmacher.

Weder externe Wirtschaftsprüfer noch die Bundesbank hätten ihm gegenüber die Entlastungswirkung des Geschäfts für die Bilanz der Bank infrage gestellt. „Omega 55“ sei ein Mosaikstein gewesen, dessen Erfolg oder Misserfolg niemals existenzbedrohend für die Bank hätte werden können, ergänzte der Manager.

Im Jahr 2008 stürzte die die HSH Nordbank in Folge der Finanzkrise in Milliardenverluste. Die Bank konnte nur durch Kapitalspritzen der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein vorm Zusammenbruch gerettet worden. Sie sind mit 85,5 Prozent am Institut beteiligt. Auch heute noch stützen die Länder die HSH Nordbank mit Sicherheiten, so genannten Ländergarantien, in Höhe von zehn Milliarden Euro. Davon muss die Bank, wie sie im April mitteilte, ab 2019 300 Millionen Euro mehr in Anspruch nehmen, als bisher geplant: Durch die Krise der Schifffahrt benötige sie jetzt 1,6 Milliarden Euro.

 

zur Startseite

von
erstellt am 19.Mai.2014 | 16:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen