Messerangriff : Doppelmord am Jungfernstieg: Innensenator sieht keine Fehler

Hamburgs Polizeipräsident, Ralf Meyer (links) und Innensenator Andy Grote während der Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft.
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Hamburgs Polizeipräsident, Ralf Meyer (links) und Innensenator Andy Grote während der Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft.

Der Hamburger Innenausschuss wies am Dienstagabend Spekulationen über die Tat zurück.

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15. Mai 2018, 21:02 Uhr

Hamburg | Seit dem grausigen Doppelmord im S-Bahnhof  Jungfernstieg am 12. April hält sich ein Gerücht in Hamburg: Der Täter habe seine Ex-Partnerin (34) und die gemeinsame Tochter (1) nicht nur töten, sondern auch köpfen wollen. Im Innenausschuss der Bürgerschaft hat die Staatsanwaltschaft solche Spekulationen über eine Enthauptung des Kleinkindes am Dienstagabend zurückgewiesen.

„Dieser Sachverhalt lag objektiv nicht vor“, sagte Oberstaatsanwalt Lars Mahnke vor den Abgeordneten. Er sei selbst kurz nach der Tat auf dem S-Bahnsteig gewesen, auch die gerichtsmedizinische Untersuchung habe die Trennung von Kopf und Körper bei dem Mädchen nicht bestätigt. Die an sich tödliche Messerverletzung am Hals sei nicht die Todesursache gewesen, sondern eine andere Messerverletzung zuvor.

Die Polizei hatte unmittelbar nach der Tat von einer „sehr, sehr entsetzlichen“ Ausführung gesprochen, der 33-jährige Vater und Ex-Freund der Mutter habe den Hals des Kleinkindes zu einem großen Teil durchschnitten. Der Flüchtling aus Niger hatte sich im Anschluss festnehmen lassen, er sitzt seither in Untersuchungshaft. Der Mann, der 2013 als Flüchtling der Lampedusa-Gruppe nach Hamburg gekommen war, ist laut dem Oberstaatsanwalt „im Wesentlichen“ geständig.

Im Ausschuss begann die politische Aufarbeitung des Geschehens. Die Behördenvertreter konnten dabei nicht alle Fragen zur Vorgeschichte der Bluttat beantworten. So blieb offen, warum Mutter und Tochter an jenem Tag nicht besser vor einem möglichen Angriff des 33-Jährigen geschützt worden waren. Einen Tag vor der Tat hatte ein Familiengericht signalisiert, dass es das vom Vater beantragte Doppel-Sorgerecht für das Mädchen ablehnen werde. Dies gilt als potenzielles Motiv für den Angriff.

Innensenator Andy Grote (SPD) bestätigte, dass die Frau ihren Ex-Partner in den Monaten zuvor zuvor wegen Bedrohung angezeigt habe. Es gab ein Kontaktverbot für den Mann sowie die Auflage, an einem Anti-Agressionstraining teilzunehmen. 

Zugleich habe die Mutter den zuständigen Mitarbeiter des Jugendamtes aber aber auch mitgeteilt, dass der Vater durchaus einen Beitrag zur Erziehung des Kindes leiste. Grote gab zu bedenken: „Im Nachhinein fallen die Hinweise auf Aggressivität natürlich besonders ins Auge.“ Dass die Behörden eien Mitschuld an dem Drama trägt, wies der Innensenator zurück: „Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich keinen offenkundigen Fehler der Behörden benennen.“

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