Hamburg Boberger Niederung : Dioxin Fund: Grenzwerte um das 700-fache überschritten

Ein mit einem Schutzanzug bekleideter Mitarbeiter einer von der Umweltbehörde beauftragten Spezialfirma nimmt eine Bodenprobe in der Boberger Niederung.

Ein mit einem Schutzanzug bekleideter Mitarbeiter einer von der Umweltbehörde beauftragten Spezialfirma nimmt eine Bodenprobe in der Boberger Niederung.

Nach dem Hamburger Boehringer-Skandal wird im Boden der Boberger Niederung wieder ein extrem hoher Dioxin-Wert gemessen.

shz.de von
08. November 2018, 14:38 Uhr

Hamburg | Beim Dioxin-Fund in der Boberger Niederung im Osten Hamburgs ist ein extrem hoher Wert des hochgiftigen Stoffes gemessen worden – der an den Skandal um die Chemiefirma Boehringer in den 80er Jahren erinnern lässt.

Der für Flächen wie das Naturschutzgebiet vorgesehene Grenzwert von einem Mikrogramm pro Kilo werde um das 700-fache überschritten, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Donnerstag. Das sei der höchste jemals außerhalb des früheren Boehringer-Werksgeländes in Hamburg gemessene Wert. Da bislang nur das Ergebnis einer einzelnen Messung vorliege, sei noch nicht klar, ob es sich um eine punktuelle oder großflächige Belastung handele.

Die technisch wie zeitlich aufwendige Auswertung weiterer Proben müsse abgewartet werden. „Erst im Januar wissen wir, wie groß die betroffene Fläche ist“, sagte der Senator. Unabhängig davon handele es sich angesichts „des sehr, sehr hohen Werts“ aber schon jetzt um ein „schweres Umweltvergehen“.

Vier Hektar großes Gebiet abgesperrt

Ein vier Hektar großes Gebiet rund um den Fundort ist seit Mitte Oktober abgesperrt. Da Dioxin besonders gefährlich ist, wenn es mit der Nahrung in den Körper gelangt, wurden auch Pilze und Beeren sowie Fische aus zwei am Fundort gelegenen Teichen untersucht. Das Angeln ist bis auf weiteres untersagt. Am kommenden Dienstag sollen die Anwohner bei einer Veranstaltung in der Schule Mümmelmannsberg über die Lage informiert werden.

Der chemische „Fingerabdruck“ zeige, dass es sich bei dem Dioxin höchstwahrscheinlich um Rückstände aus der Pflanzenschutzmittelproduktion handele, sagte Kerstan. In dieser Zusammensetzung sei es nach bisherigem Kenntnisstand in Hamburg nur im wenige Kilometer entfernt gelegenen Moorfleeter Werk des Chemieunternehmens Boehringer angefallen. „Wie es in die Boberger Niederung gekommen ist, wissen wir nicht.“

Die Probe sei im Rahmen regelmäßiger Bodenuntersuchungen eher zufällig an genau diesem Punkt genommen worden. „Es gab bislang keinerlei Verdacht, dass da eine Altlast liegen könnte“, sagte Kerstan. Luftaufnahmen von 1962 deuteten aber darauf hin, dass dort Industrieabfälle illegal entsorgt worden seien.

Dioxin-Altlasten der Firma Boehringer Ingelheim

Die Wasserschutzpolizei habe Anzeige gegen unbekannt erstattet. Die Staatsanwaltschaft ermittele wegen schwerer Umweltvergehen. Seine Behörde habe auch die Firma Boehringer Ingelheim schriftlich von dem Vorgang in Kenntnis gesetzt. „Weiter sind wir bisher aber noch nicht“, meinte der Senator.

Mitte der 1980er Jahre hatte der Dioxin-Skandal um die Firma Boehringer Hamburg geschockt. Weil das Dioxin auf dem Werksgelände in Moorfleet nicht beseitigt werden konnte, musste die betroffene Fläche über viele Jahre aufwendig versiegelt werden. Das Gelände gilt auch heute noch als eine der bekanntesten Dioxin-Altlasten in Deutschland.

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