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Billig-Offensive am Flughafen Fuhlsbüttel : Diese Ziele will Ryanair bald von Hamburg aus anfliegen

vom
Aus der Onlineredaktion

Lübeck ist Vergangenheit, Hamburg soll ausgebaut werden: Die irische Fluggesellschaft setzt auf die Hansestadt.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2015 | 14:03 Uhr

Hamburg | Europas größte Billigfluglinie setzt verstärkt auf Hamburg. Der irische Anbieter Ryanair will die Zahl seiner Ziele ab Fuhlsbüttel mittelfristig von zwei auf rund 25 steigern, so hat es Airline-Chef Michael O'Leary jetzt angekündigt. „Hamburg ist ein wichtiger Bestandteil unserer Expansionsstrategie in Deutschland“, sagte der umtriebige Unternehmer nach Gesprächen mit der Flughafenleitung in der Hansestadt.

Mit mehr als 80 Millionen Fluggästen jährlich ist der Low-Cost-Carrier zwar europaweit die Nummer eins, in Deutschland liegt der Marktanteil allerdings bei lediglich fünf Prozent. O'Leary will den Wert nun mit einer breit angelegten Offensive in den kommenden Jahren auf 20 Prozent ausbauen. Gelingen soll dies mit einem grundsätzlichen Strategiewechsel. Hatte Ryanair bislang in Deutschland fast ausschließlich auf kleineren Flughäfen gesetzt, nimmt die Fluggesellschaft nun die größeren Airports ins Visier. So wird die Airline im Oktober in Berlin-Schönefeld eine zusätzliche Basis mit fest stationierten Maschinen eröffnen.

Auch den Standort Hamburg hatten die Manager von der grünen Insel lange Zeit überhaupt nicht auf dem Zettel. Stattdessen machten die Iren Bremen zu ihrer Norddeutschland-Basis und flogen zudem ab 14 Jahre lang ab Lübeck. Nun allerdings soll die Elbmetropole mit einem deutlich ausgeweiteten Angebot den Expansionsbemühungen im Norden der Republik den entscheidenden Schub geben.

Erst seit Oktober 2014 heben die Jets mit der Harfe am Leitwerk überhaupt aus Hamburg ab, zunächst als Reaktion auf die wirtschaftlichen Probleme von Lübeck-Blankensee. Bisher geht es von der Elbe nach Lissabon und nach Porto. Und das offensichtlich mit so großem Erfolg, dass Ryanair ab dem Sommerflugplan 2016 in einem ersten Schritt fünf neue Destinationen in spanische Urlaubsregionen anbietet. Ab Ende März starten die Flieger von Fuhlsbüttel aus nach Madrid und Barcelona (jeweils täglich), Palma de Mallorca (5 mal pro Woche) sowie Alicante und Malaga (beide je dreimal wöchentlich).

Auf 35 Abflüge pro Woche wollen die Iren dann kommen. O'Leary rechnet mit 500.000 Passagieren jährlich, binnen zwei Jahren werde sich diese Zahl sogar auf eine Million Passagiere verdoppeln; zudem verspricht er Hamburg 500 zusätzliche indirekte Jobs. Und der PR-bewusste Ire will mehr. Längerfristig könne er sich auch innerdeutsche Verbindungen von Hamburg aus vorstellen, etwa nach Berlin, das von der Hansestadt aus seit Jahren nicht angeflogen wird.

Die Attacke gilt vor allem den Konkurrenten Germanwings und Air Berlin, die das Günstig-Segment ab Hamburg bisher dominieren. Für die Fuhlsbüttler Airport-Manager um Geschäftsführer Michael Eggenschwiler ist das Ryanair-Bekenntnis eine weitere Erfolgsmeldung im Bereich der Billgflieger. Die Iren sind der inzwischen fünfte große Anbieter tatsächlicher oder vermeintlicher Schnäppchen-Flüge. Unter anderem hatten sich zuletzt EasyJet und Germanwings in Fuhlsbüttel engagiert, die Konkurrenten Vueling und Norwegian ihr Angebot deutlich ausgebaut. Vor allem der Boom bei den Low-Cost-Carriern bescherte Hamburg zuletzt deutlich steigende Passagierzahlen. Für das erste Halbjahr dieses Jahres vermeldete Fuhlsbüttel ein Plus bei den Fluggästen um 7,5 Prozent, am Jahresende soll ein Passagierrekord von mehr als 15 Millionen stehen.

Das stößt in der Stadt und im Umland allerdings nicht nur auf Begeisterung. Und so reagierten lärmgeplagte Anwohner des Airports auch entsetzt auf die Offensive des nächsten Anbieters. Martin Mosel, Sprecher der Bürgerinitiative Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW), kritisierte: „Das ist eine volle Breitseite gegen die Bemühungen um Fluglärmschutz.“

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