Versteigerung in Hamburg : Diese persönlichen Gegenstände von Helmut Schmidt kommen unter den Hammer

Seiner letzten Liebe, Ruth Loah, machte der Altkanzler viele Geschenke. Ein Teil davon wird am Samstag in Hamburg versteigert.

shz.de von
28. September 2017, 13:41 Uhr

Hamburg | Es sind kleine Bruchstücke der Weltgeschichte: Diesen Samstag kommen in Hamburg erneut persönliche Gegenstände von Altkanzler Helmut Schmidt (1918-2015) unter den Hammer. Zum zweiten Mal versteigert das Aktionshaus Stahl persönliche Gegenstände aus dem Nachlass von Schmidts letzter Lebensgefährtin Ruth Loah. Der Katalog umfasst 41 Objekte – von der edlen Goldmedaille über eine kostbare Uhr bis hin zur Schatulle für Zigaretten und Feuerzeug des passionierten Rauchers Schmidt.

Waren es bei der ersten Auktion im April dieses Jahres noch Gemälde und Skulpturen, die Schmidt seiner Lebensgefährtin im Laufe der Jahre schenkte, sind es am Samstag vor allem Schmuckgegenstände, auf die geboten werden kann. Für Auktionator Michael Kerle stehen die Objekte der ersten Auktion in nichts nach. „Das sind kunsthandwerklich interessante Objekte. Aber das ganze wird noch überstrahlt von dieser Provenienz und historischen Bedeutung“, sagt er am Donnerstag gegenüber shz.de.

Wer war Ruth Loah?

Ruth Loah wurde am 27. September 1933 in Hannover als Tochter eines Facharbeiters geboren. Später arbeitete sie in Hamburg für Schmidt schon während dessen Zeit als Innensenator als Sekretärin. Sie half dem SPD-Politiker unter anderem bei Buchprojekten. Später betreute Loah Schmidts Privatarchiv und arbeitete auch für ihn bei der Wochenzeitung „Die Zeit“. Am 23. Februar 2017 erlitt Ruth Loah im Alter von 83 Jahren einen Herzschlag und starb.

In welcher Beziehung stand sie zu Helmut Schmidt?

Ruth Loah gilt als letzte Liebe des Altkanzlers. Helmut Schmidt hatte sich 2012 – zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau Loki – öffentlich zu der Beziehung mit Ruth Loah bekannt. Bereits zuvor war sie Jahrzehntelang seine enge Vertraute. Wie wichtig die damals neue Lebensgefährtin für Schmidt war, brachte der Hamburger anlässlich seines 95. Geburtstags zum Ausdruck: „Ohne Ruth wäre ich heute nicht mehr da.“

 

Vor allem Geschenke von Politikern und wichtigen Persönlichkeiten finden sich in dem Katalog. „Das sind Gegenstände, die Helmut Schmidt über Jahrzehnte Ruth Loah oder ihren Familienmitgliedern schenkte“, so Kerle. Er betont, dass die Auktion öffentlich ist und dass die Startgebote teilweise bewusst niedrig angesetzt seien, um möglichst viele Menschen anzusprechen: „Das ist gelebte Demokratie. Helmut Schmidt hätte das bestimmt gefallen.“

Diese Gegenstände kommen am Samstag unter den Hammer:

Auktionshaus Stahl

In den USA gefertigte Medaille „Bicentinnial Visit“: Die 24-karätige Gelbgold-Medaille wurde zur Zweihundertjahrfeier der Vereinigten Staaten von Amerika gefertigt und Helmut Schmidt zu diesem Anlass 1976 in Philadelphia überreicht, berichtet Michael Kerle. Die Medaille ziert auf der einen Seite ein Proträt des Altkanzlers und auf der anderen Seite eine Abbildung der Liberty Bell. Die Glocke wurde geläutet, als die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung in Philadelphia am 8. Juli 1776 erstmals verlesen wurde. Für Kerle dokumentiert die Medaille neben der Bedeutung der Deutsch-Amerikanischen Beziehungen auch die Bedeutung der Person Helmut Schmidt. Aufruf: 3500 Euro.

Auktionshaus Stahl

Vergoldete Silberschatulle mit Monogramm von Elisabeth II.:  Auch hierbei handelt es sich um ein Geschenk von Weltrang. Die englische Königin Elisabeth II. soll diese Schatulle Helmut Schmidt persönlich überreicht haben. Das Auktionshaus vermutet, dass dies bei einem Besuch in Deutschland im Jahr 1978 geschah. „Das ist eine tolle und sehr interessante Silberarbeit“, sagt Michael Kerle. Angefertigt wurde sie vom Hofjuwelier des englischen Königshauses, Gerald Benney. Aufruf: 3500 Euro.

Auktionshaus Stahl
 

WMF-Schatulle mit persönlichen Raucherutensilien: Etwas profaner, dafür aber nicht weniger interessant ist Schmidts Schatulle für seine Zigaretten, sein Feuerzeug und eine Schnupfdose. Sie wurde ihm 1972 in seiner Zeit als Verteidigungsminister von der Association of U.S. Army geschenkt, wie eine Widmung bezeugt. „Diese Schatulle wurde von Schmidt bis zu seinem Tod benutzt. Aufruf: 250 Euro.

Auktionshaus Stahl

Vergoldete Silber-Schatulle mit Stadtansicht von Jajce: Diese mit Vergoldungen verzierte Silberschatulle stammt vom ehemaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Tito. Im Jahr 1974 hatte der diktatorische Staatschef die Schatulle persönlich an Schmidt überreicht.

Von Links nach rechts: Willy Brandt, Leonid Breschnew, Hannelore Schmidt, Helmut Schmidt und der stellvertetende sowjetische Ministerpräsident Nikolai Alexandrowitsch Tichonow.
dpa

Von Links nach rechts: Willy Brandt, Leonid Breschnew, Hannelore Schmidt, Helmut Schmidt und der stellvertetende sowjetische Ministerpräsident Nikolai Alexandrowitsch Tichonow.

Sie ist auch auf einer historischen Fotografie aus dem Jahr 1978 dokumentiert. Es zeigt den damaligen sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew zu Gast im Haus von Loki und Helmut Schmidt in Hamburg-Langenhorn. Auf dem Tisch ist die Schatulle zu erkennen. Aufruf: 2500 Euro.

Auktionshaus Stahl

Atmos Tischuhr: „Diese Uhr wird mit Luftdruck betrieben“, erklärt Auktionator Kerle. 1976 soll der Hamburger Unternehmen Kurt Körber Helmut Schmidt diese Uhr geschenkt haben. Hergestellt wurde sie von der Schweizer Uhrenmanufaktur Jaeger-LeCoultre. Auf der Widmungsplakette steht: „Diese Uhr soll für Helmut u. Hannelore Schmidt in den nächsten Jahren im Bundeskanzleramt nur gute Stunden anzeigen KAK 29. September 1976“ Aufruf: 1200 Euro.

Auktionshaus Stahl
 

Mounton Rothschild 1918: Nicht nur Schmuck wird am Samstag versteigert. Auch für diesen seltenen Sammler-Wein aus dem Geburtsjahr Helmut Schmidts wird ein Käufer gesucht. Nach Angaben des Auktionshauses Stahl wurde die – aus konservatorischen Gründen umgekorgte – Flasche Helmut Schmidt zu dessen sechzigstem oder siebzigstem Geburtstag geschenkt. „Es war ein runder Geburtstag“, so Kerle. „Ob man den Wein noch trinken kann, können wir leider nicht sagen. Das muss der Käufer ergründen.“ Aufruf: 500 Euro.

Auktionshaus Stahl

Erstfassung des Aufsatzes „Jugend in der Nazizeit“: 1992 gaben Loki und Helmut Schmidt mit vier weiteren Weggefährten den Sammelband „Kindheit und Jugend unter Hilter“ heraus. Dieses 76-seitige Typoskript übersandte Helmut Schmidt als Entwurf zur Durchsicht an Ruth Loah. Aufruf: 400 Euro.

Weitere Gegenstände sind online im Katalog des Auktionshauses Stahl einsehbar (Hier klicken). Die Auktion ist öffentlich und beginnt um 11 Uhr. Laut Zeitplan beginnt die Versteigerung der Gegenstände aus dem Nachlass der Familie Loah um 13 Uhr.
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen