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Der „Bahnhof in der Walachei“ : Diebsteich: Hier soll Hamburgs neuer Fernbahnhof entstehen

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Großstadtschick statt 08/15-Bahnhof, da ist Hamburg sich sicher. 2023 soll der neue Bahnhof fertig sein und Altona ablösen. Doch es gibt auch Kritik.

Hamburg | Die „Hundehütte“ ist vom Tisch: Der neue Fernbahnhof in Hamburg-Diebsteich soll nun doch ein ansprechendes Äußeres erhalten und die unwirtliche Umgebung erheblich aufgewertet werden. Weil die Deutsche Bahn nur einen schlichten Zweckbau bezahlen will, übernimmt die Stadt Hamburg selbst Gestaltung und Finanzierung des ersten Bahnhofsneubaus seit einem halben Jahrhundert im Stadtstaat. Diebsteich soll ab 2023 den Fernbahnhof Altona ersetzen, der Wohnungen weicht.

Dazu zieht die Bahn rund zwei Kilometer nach Norden und baut die bisherige S-Bahnstation in Diebsteich zum Fernbahnhof aus. Dort soll es sechs Gleise für Fern- und Regionalbahnen Richtung Pinneberg, Itzehoe, Kiel und Sylt geben, dazu zwei Gleise für die S3 (Pinneberg-Neugraben) und die A1 (Eidelstedt-Hauptbahnhof). Die Deutsche Bahn wollte die vier Bahnsteige mit einfachen Überdachungen versehen und ein funktionales Empfangsgebäude davor setzen. Die Pläne sorgten für Entsetzen, Oberbaudirektor Jörn Walter sprach von „Hundehütten-Architektur“, der Bezirk Altona verbat sich eine „08/15“-Variante.

Am Mittwoch haben Bahn und Stadt nun eine Absichtserklärung mit neuer Aufgabenverteilung veröffentlicht. Demnach übernimmt das Staatsunternehmen nur den Bau der Gleise, Bahnsteige, Personenunterführung und Treppen; die Kosten sind unbekannt, Beobachter rechnen mit 200 bis 300 Millionen Euro. Die Stadt wiederum verantwortet die gesamte Immobilienentwicklung und kauft von der Post AG angrenzende Grundstücke. Für das Empfangsgebäude sowie für einen „hochwertigen Vorplatz“ ist es ein städtebaulicher Wettbewerb vorgesehen. An dem Projekt sollen sich private Investoren beteiligen können. Über den finanziellen Aufwand wurde nichts bekannt.

„Wir sichern eine gute städtebauliche Lösung“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD). Am Diebsteich werde eine architektonische Lösung geschaffen, die dem neuen Bahnhof gerecht werde und einen Impuls für eine attraktive Entwicklung des Umfelds biete. Oberbaudirektor Walter atmete auf: „Ich bin froh, dass sich Stadt und Deutsche Bahn aufeinander zubewegt haben und die Möglichkeit für einen attraktiven Bahnhof geschaffen ist.“ Der Bahnhof wird barrierefrei, alle Bahnsteige sind stufenlos über Aufzüge erreichbar. Architektonisches Vorbild ist der Bahnhof Berlin-Spandau, für den die Hamburger Architekten von Gerkan und Marg eine mehr als 400 Meter lange Glas-Stahl-Konstruktion schufen.

Zugleich mehren sich in Hamburg aber Stimmen, den Bahnhofsumzug abzublasen. In der Bürgerschaftsdebatte zum Thema warnte die Linken-Abgeordnete Heike Sudmann gestern davor, den Standort Altona aufzugeben. Anders als dort gebe es in Diebsteich weder mehrere S-Bahnlinien noch einen Busbahnhof. Sudmann: „Sie setzen da einen Bahnhof in die Walachei.“

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erstellt am 02.Mär.2016 | 18:16 Uhr

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