Temperatur, Luftdruck, Windrichtung : Die „Wettermacher" vom Hamburger Airport

Monitore mit Karten und Daten prägen den Arbeitsplatz von Flugwetterberater Hans-Hinrich Fitschen und seinen Kollegen in der Luftfahrberatungszentrale.

Monitore mit Karten und Daten prägen den Arbeitsplatz von Flugwetterberater Hans-Hinrich Fitschen und seinen Kollegen in der Luftfahrberatungszentrale.

Die Mitarbeiter des DWD sorgen dafür, dass aktuelle Daten gesammelt und treffsichere Prognosen gegeben werden können.

shz.de von
08. August 2018, 19:07 Uhr

Hamburg | Ein kleines, zweistöckiges Haus, nur 250 Meter vom Kreuz der beiden Start- und Landebahnen am Hamburger Flughafen entfernt, ist die wichtigste Quelle für die Wetterdaten. Es sieht aus wie ein kleiner Tower und ist vollgestopft mit technischen Anlagen. Hier, in der Flugwetterwarte, ist der Arbeitsplatz von Jörn Gronemann und seinen elf Kolleginnen und Kollegen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Rund um die Uhr wird im Schichtbetrieb gearbeitet, nachts und in den Tagesrandstunden ist nur eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter tätig. Und wenn nachts kein Flugbetrieb mehr stattfindet, dann sagen sich ringsum buchstäblich Hasen und ein Fuchs gute Nacht – Natur pur. Nur gegenüber ist dann die Beleuchtung der Flughafenterminals zu erkennen und ganz in der Ferne flimmern die Lichter der Stadt.

Ob in der Nacht oder am Tage: Es ist ein geradezu idealer Standort, um das Wettergeschehen zu verfolgen. Zahlreiche Geräte stehen als Hilfsmittel zur Verfügung. „Ob Temperatur  oder Luftdruck, Windrichtung oder Windgeschwindigkeit – alles wird hier exakt aufgezeichnet“, sagt Jörn Gronemann, der Leiter der Flugwetterwarte. Mehr noch: In einem kleinen Labor im Erdgeschoss befindet sich sogar eine Radioaktivitätsmessstelle. Hier wird unter anderem die Luft auf Radiaktivität mit Hilfe von Filtern gemessen.

Komplizierte Messgeräte in der Umgebung der Flugwetterwarte helfen Jörn Gronemann und seinen Kollegen bei der Erfassung der Daten und den Vorhersagen.
Wolfgang Duveneck

Komplizierte Messgeräte in der Umgebung der Flugwetterwarte helfen Jörn Gronemann und seinen Kollegen bei der Erfassung der Daten und den Vorhersagen.

Technik, Erfahrung und Genauigkeit

Aber nicht nur die Technik hilft. Vor allem die Erfahrung des „Wettermacher"-Teams ist gefragt. Zum Beispiel, wenn es um die Sichtweiten geht oder bestimmte Wolkenbildungen auf die Entstehung eines Gewitters hindeuten. Ihre Meldungen geben die Wetterbeobachter halbstündlich – bei besonderen Änderungen auch häufiger –weiter. „Genauigkeit ist gefragt“, betont Jörn Gronemann. „Denn die Ergebnisse fließen in unseren Großrechner ein.“

Immer mehr jedoch wird auch bei der Flugwetterbeobachtung die Arbeit automatisiert. Voraussichtlich von 2022 an werden überall in Deutschland die Messgeräte vollständig die Arbeit der Wetterbeobachter übernehmen. Die Beamten sollen dann nach den Plänen der Behörde in andere Arbeitsbereiche wechseln.

Luftfahrberatungszentrale wertet die Daten aus

Unverzichtbar aber wird auch dann die Luftfahrberatungszentrale (LBZ) in der vierten Etage des Flughafen-Terminals 2 sein. Dort laufen die Drähte zusammen – hier werden die einlaufenden Wetterdaten gesammelt und ausgewertet. „Piloten, Fluggesellschaften, Flughäfen und Flugsicherung sind unsere Hauptkunden“, erläutert Jennifer Doerkopf, die Leiterin des 16-köpfigen LBZ-Teams. Auch Eurocontrol und verschiedene andere Behörden wie die Polizei sowie Rettungsflieger und Hubschrauberdienste, die zu Windparks und Bohrinseln fliegen, profitieren von dem Service der Meteorologen.

„Sie alle müssen rechtzeitig informiert werden, wenn besondere Wetterverhältnisse zu erwarten sind – zum Beispiel Sturm und Gewitter“, so Jennifer Doerkopf. Zu den vielseitigen Dienstleistungen gehört ein „Terminal Area Forecast“ (TAF), der alle sechs Stunden herausgegeben wird und eine Vorhersage für bis zu 30 Stunden in einem Umkreis von acht Kilometern für den Flughafen enthält.

Nicht nur das Wetter in und um Hamburg und den Airport beschäftigt das DWD-Team. Betreut werden zusätzlich die internationalen Flughäfen Hannover und Bremen sowie die Regionalflughäfen Kiel, Lübeck, Finkenwerder, Braunschweig/Wolfsburg und Sylt.              

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