Jahreszahlen : Die Visionen des HVV: Ticketsystem ohne Fahrschein und mehr Barrierefreiheit

Ein Zug der U3 vor der Elbphilharmonie. In den letzten Jahren sind die Fahrkartenpreise in Hamburg stetig gestiegen.

Ein Zug der U3 vor der Elbphilharmonie. In den letzten Jahren sind die Fahrkartenpreise in Hamburg stetig gestiegen.

Der Hamburger Verkehrsverbund hat Pläne für die Zukunft – und trotz Fahrgastzahlenrekord ein Problem mit Schwarzfahrern.

shz.de von
17. April 2018, 17:40 Uhr

Hamburg | Rekord bei Fahrgastzahlen und erneut mehr Einnahmen durch den Fahrkartenverkauf – Nachrichten, die beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV) schon fast Tradition haben.  Im vergangenen Jahr nutzten 780,7 Million Fahrgäste das Angebot des HVV – ein Plus von 1,3 Prozent, wie der HVV am Dienstag mitteilte. Durch diesen Zuwachs und die Tariferhöhungen seien die Einnahmen beim Fahrkartenverkauf um 2,6 Prozent auf 847 Millionen Euro gestiegen. Der Kostendeckungsgrad liege damit bei 73 Prozent. Geschäftsführer Lutz Aigner kündigte für voraussichtlich Dezember eine weitere Preiserhöhung an.

Mit der steigenden Zahl der Fahrgäste wachse auch das Angebot, sagte Geschäftsführer Dietrich Hartmann. Dazu zähle etwa die neue U5, die S4 und der Ausbau der S21 in Richtung Kaltenkirchen. Mit Blick auf die diskutierte Verlängerung der Linie U4 über die Elbe auf den Grasbrook oder nach Wilhelmsburg verwies Hartmann auf die nicht abgeschlossenen städtebaulichen Planungen.

HVV bekommt Schwarzfahrer-Problem nicht in den Griff

Die Quote von ertappten Passagieren ohne Ticket ist 2017 erneut angestiegen, der Wert kletterte von 4,2 auf 4,5 Prozent. Durch die Trittbrettfahrer entgehen dem Hamburger Verkehrsverbund jedes Jahr Einnahmen von mehr als 30 Millionen Euro.

„Wir werden unsere Anstrengungen im Kampf gegen Schwarzfahrer weiter erhöhen“, kündigte Geschäftsführer Lutz Aigner an. Unter anderem wollen die im Verbund zusammengeschlossenen Verkehrsunternehmen ihre Busfahrer anhalten, Fahrscheine beim Einstieg gründlicher zu überprüfen.

Seit 2012 müssen Fahrgäste auf nahezu allen Buslinien vorn einsteigen und ihr Ticket präsentieren. Nach Einführung dieser Pflicht war der Schwarzfahreranteil im HVV um rund ein Drittel auf 2,5 bis drei Prozent gesunken. Dieser Effekt ist nun verpufft. Auch der jährliche Prüfmarathon sowie die Erhöhung des Schwarzfahrer-Strafgeldes von 40 auf 60 Euro (beides seit 2015) haben die Zunahme von Fahrpreisprellern nicht aufgehalten.

Die HVV-Verantwortlichen haben keine rechte Erklärung für die Entwicklung. Es gebe halt immer Menschen, die auf Kosten anderer den ÖPNV nutzen, sagte Aigner. Dabei habe der HVV 2017 einen beträchtlichen Kontrollaufwand getrieben. In 240.000 Prüferstunden und bei 560 Abgangskontrollen an Bahnhöfen wurden 5,5 Millionen Fahrgäste überprüft. Die von der Linkspartei im Bund beantragte Straffreiheit für Schwarzfahrer lehnen die Verantwortlichen des Verbundes entschieden ab. Auch einen Gratis-ÖPNV hält Aigner für unrealistisch und nicht zielführend.

Ticketsystem ohne Fahrschein in Planung

Besserung erhoffen sich die HVV-Manager von noch intensivieren Fahrscheinkontrollen sowie von der schrittweisen Umstellung auf elektronisches Bezahlen, das in diesem Jahr vorangetrieben werde. So stellt der HVV mit verschärftem Tempo Kundenkarten auf elektronische E-Cards um. Zudem beginnt laut Aigner im Sommer der Test für ein revolutionäres Ticketsystem ohne Fahrschein. Beim Verfahren „Check-in/Be-out“ braucht der Passagier nichts als ein Smartphone, mit dem er sich beim Zusteigen anmeldet („Check-in“). Der Ausstieg wird automatisch erfasst („Be-out“). „Das System errechnet immer den günstigsten Preis“, so Aigner. Der Kunde zahlt auch bei mehreren Fahrten immer nur den Tagespreis.

Die Technik ist anspruchsvoll, weshalb zunächst ab Juli drei Anbieter in einem Feldversuch zeigen sollen, was sie draufhaben. Daran nehmen sechs Verkehrsunternehmen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen teil: Hochbahn, S-Bahn, VHH, Regionalbahn Schleswig-Holstein, Metronom sowie KVG Stade. Der Versuch läuft bis Februar 2019 und ist nur für ausgesuchte Testpersonen geöffnet. Anschließend entscheidet der HVV, welcher Dienstleister den Zuschlag erhält. Die flächendeckende Einführung wird nicht vor 2021 abgeschlossen sein.

Barrierefreier Ausbau wird vorangetrieben

Fest steht hingegen: Der HVV will den barrierefreien Ausbau vorantreiben. „Zum 1. Januar 2022 müssen wir vollständig barrierefrei sein“, sagte Hartmann. 2018 soll die S-Bahn Station Harburg einen weiteren Aufzug erhalten, der Ausbau der Stationen Kornweg und Wellingsbüttel folge 2019. Bei der U-Bahn sollen 2018 barrierefrei werden unter anderem die Stationen Hoheluftbrücke, Uhlandstraße, Habichtstraße und Lübeckerstraße.

Aber auch in die Fahrzeuge selbst investiere der HVV. „Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 erhält die S-Bahn acht neue Züge“, sagte Hartmann. Dies sei nötig, weil Busse und Bahnen überlastet seien und die Kapazität nur auf der Schiene erhöht werden könne.

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