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Unterbringung in der Hamburger City : Die Hamburger Messehallen als Flüchtlingsunterkunterkunft

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hamburg ergreift angesichts der hohen Flüchtlingszahl jede Chance zur Unterbringung. 800 Menschen leben zurzeit da, wo sonst die Hanseboot oder die Internorga stattfinden.

Hamburg | Es ist Montagmittag, die Sonne scheint auf die Glasfront am Eingang B6 der Messehallen, mit 13.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche die größte Fläche der Messe. Zirka zehn Personen sitzen gelangweilt auf den Treppen, einer von ihnen ist Merzog. Er ist 24 Jahre alt und Muslimbruder aus Ägypten. Die war bis 2013 noch Regierungspartei, wurde dann aber unter Androhung drastischer Strafen verboten. Er ist vor fünf Tagen über Ungarn nach Deutschland gekommen und wartet nun ebenso wie Jane (28) aus Syrien auf politisches Asyl.

Zurzeit leben in den Hallen, wo sonst die Bootsmesse Hanseboot stattfindet oder die Internorga Neuestes aus dem Hotel- und Gastronomiebereich präsentiert, 800 Personen. Sie kommen aus den Balkanländern, Syrien, Libyen oder Eritrea. Viele flohen aus Kriegsgebieten und haben Hoffnung, auf Dauer bleiben zu können.

Der 30-jährige Mustafa hat strapaziöse Wochen hinter sich. Er ist aus Syrien und über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn schließlich in Deutschland gelandet. Nun fühle er sich immerhin sicher. Mustafa musste auf der Flucht sein spärliches Hab und Gut über Bord werfen, um nicht als Flüchtling identifiziert zu werden. Nun steht er in Hamburg vor den Messehallen, ein roter Rucksack beinhaltet seine einzigen Habseligkeiten, die er sich hier zugelegt hat: Zahnbürste, Duschgel, eine Flasche Wasser und Wechselzeug. In den streng bewachten Messehallen stehen Feldbetten, dreimal am Tag gibt es etwas zu essen. Sein Cousin Hazem ist schon seit vier Monaten in der Stadt und wohnt in einem Hotel. „In Syrien werden sogar Jugendliche in den Krieg geschickt“, berichtet der 16-Jährige, der ohne Eltern gekommen ist. Nun will er schnell Deutsch lernen und hofft, irgendwann in Deutschland studieren zu können.

„Uns geht es darum, den Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bieten zu können“, sagte der Sprecher der Innenbehörde, Frank Reschreiter zur neuesten Unterbringung mitten in der City, die allerdings nur zeitlich befristet bis Ende September möglich sei. Händeringend sucht die Stadt nun nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten. Momentan verfügt Hamburg über 87 Standorte mit insgesamt 22.769 Plätzen für geflüchtete Menschen, 6800 weitere Plätze sollen bis zum Jahresende eingerichtet werden.

Innensenator Neumann entgegnete in einem Interview mit der „Welt“ der Kritik von Flüchtlingsinitiativen bezüglich Containerdörfern: „Natürlich wäre es schöner, wenn nur 120 Flüchtlinge in einer Erstaufnahme lebten. Hier kommen aber jeden Tag 200 bis 300 Menschen neu an.“ Die aktuellen Zahlen seien kein kurzfristiges Hoch, sondern eine dauerhafte Herausforderung, „die uns vermutlich die nächsten zehn Jahre beschäftigen wird“.

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erstellt am 11.Aug.2015 | 08:01 Uhr

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