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Ehe für alle : Die ersten 15 gleichgeschlechtlichen Paare heiraten im Hamburg

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Der Bundestag hat im Frühjahr den Weg für die Ehe für alle freigemacht. Seit Sonntag können sie nun offiziell heiraten.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2017 | 17:40 Uhr

Hamburg | Es war ein historischer Tag, der nach dem offiziellen Akt einen feierlichen Ausklang im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses fand. So ist gestern das Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts in Kraft getreten. Gleich 15 Paare gaben sich in der Hansestadt bei der standesamtlichen Heirat ihr „Ja-Wort“. Dass  es nun fast die vollständige rechtliche Gleichstellung von Homo- und Heteroehen gibt, ist auch Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe der Protagonisten um Anerkennung und erforderte das Überwinden vieler juristischer Hürden.

Nun wurden sieben Männer- und acht Frauenpaaren getraut. Fünf davon bestimmt, zehn ausgelost. Das erste amtlich eingetragene Ehepaar in Deutschland überhaupt, waren Holger Riemenschneider und Dieter Juppe. Sie konnten ihren Ehevertrag bereits auf 0:00 Uhr datieren. Grund war, dass sie vor zwei Monaten auch schon nach US-amerikanischem Recht auf Hawaii geheiratet hatten. 19 persönliche Hochzeitsgäste von ihnen freuten sich mit. Er fühle sich „super“, sagte Riemenschneider, 50 Jahre. Er und sein ein Jahr älterer Mann sind seit 13 Jahren ein Paar, „vor allem beim Erbrecht und der Versorgung im Krankheitsfall“ versprächen sie sich nun Vorteile. So ist die Ende Juli im Bundestag beschlossene „Ehe für alle“ vor allem in rechtlichen Fragen von Belang. Nun kommen vor allem auch noch Erleichterungen im Steuerrecht, Ehegattensplitting und Adoptivrecht hinzu.

Hamburg schon 1999 Vorreiter

Für einige von ihnen war es bereits die dritte Eheschließung. Bereits 1999 hat Hamburg als erstes Bundesland eine Möglichkeit für Paare geschaffen, ihrer Beziehung zumindest  als Lebenspartnerschaft im Standesamt eintragen zu lassen, ein eher symbolischer Akt also. Im Jahr 2001 trat das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft, das im Laufe der Jahre nur durch Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes gleichgeschlechtlichen Paaren weitere Rechte einräumte.

Auch für Undine und Marion Eggers ist es die gemeinsame dritte Eheschließung. Die Steuerberaterin und die Architektin sind seit 1999 ein Paar. „Ich darf jetzt rechtlich sagen: ,Das ist meine Ehefrau'“, freut sich Undine Eggers. Ihre Ehefrau ergänzt: „Es ist eine andere Form der Aufrichtigkeit.“ Vor allem die nicht austragende Mutter hätte aber immer noch Nachteile im Adoptionsrecht, bedauerten sie. Sie freuen sich allerdings sehr über die große Schar an Nichten und Neffen.

Die Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank leitete den anschließenden feierlich-zeremoniellen Akt, bei der die 15 Paare in einem tollen symbolträchtigen Bild über den Flur des altehrwürdigen Saals gingen. Vorne weg die beiden Ältesten, Alfred Kaine (89) und John Günther (81). Beide sind seit 56 Jahren ein Paar. Fegebank erzählte ihre bewegende Lebensgeschichte, von Diskriminierungen, Bedrohungen und Kämpfen mit den Familien. Bis 1994 gab es noch den „Schwulen-Paragrafen 175“, der Männerliebe gesetzlich unter Strafe stellte. Fegebank sagte nun zum neuen Gesetz: „Ab heute ist es nicht entscheidend, wen man liebt, sondern dass man liebt.“

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