LNG-Powerpacs : Dicke Luft im Hafen: Hamburg testet sauberen Strom für Containerschiffe

Ein LNG-Powerpac soll künftig beispielsweise Containerschiffe während des Aufenthalts im Hafen mit sauberer Energie versorgen.

Ein LNG-Powerpac soll künftig beispielsweise Containerschiffe während des Aufenthalts im Hafen mit sauberer Energie versorgen.

Schluss mit stinkenden Hilfsdieseln: Die mobilen Minikraftwerke, erzeugen an Bord des Schiffes Strom aus Flüssigerdgas.

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08. Juni 2018, 07:12 Uhr

Hamburg | Die dicken Pötte können auch anders: Im Hamburger Hafen hat der erste Test für eine umweltfreundlichere Stromversorgung von Containerfrachtern begonnen. Seit Mai setzt die HHLA am Burchardkai auf Schiffen von Hapag-Lloyd sogenannte Powerpacs ein – mobile Minikraftwerke, die an Bord Strom aus Flüssigerdgas (LNG) erzeugen. Während der Liegezeit der Großschiffe können die Hilfsdiesel somit ausgeschaltet bleiben. Die Stadt will mit der weltweit vorbildlichen Technik die teils dramatisch schlechte Luftqualität im Hafen verbessern.

LNG gilt als umweltfreundlich, weil der Ausstoß von Stickoxiden fast vollständig vermieden wird und auch weniger Treibhausgase entstehen.

Die Entlastung für die Umwelt ist beträchtlich, wie aus der Senatsantwort auf eine Grünen-Anfrage hervorgeht. Demnach schicken die Kraftpakete den Ausstoß aller Abgasarten auf Talfahrt: Die Menge an Stickoxiden verringert sich demnach um 80 Prozent, bei Schwefeloxiden sind es 100 und bei Feinstaub 99 Prozent. Auch liegen die CO2-Emissionen zehn bis 15 Prozent unter den Werten bei Schiffsdiesel.

Die Powerpacs hat das Hamburger Unternehmen Becker Marine Systems entwickelt. Getestet werden zwei Prototypen, der Pilotversuch wird von der Bundesregierung finanziell gefördert. Jede Einheit hat die Größe zweier 40-Fuß-Container, in denen sich ein LNG-Tank sowie ein 1,5-Megawatt-Generator verbergen. Nach Festmachen eines Schiffes wird der Doppelcontainer an Deck gehievt und ans Bordnetz angeschlossen.

Die ersten Tests seien erfolgreich verlaufen, hieß es. In einem Fall hätten die LNG-Einheiten bereits für einige Minuten den Energiebedarf eines 19.000-TEU-Riesen vollständig gedeckt. Weitere Erprobungen sollen in den kommenden Wochen folgen. Wie weit der Weg für eine regelhafte Ausstattung der Hamburger Containerterminals mit der Powerpac-Technologie noch ist, bleibt vorerst unklar. Laut Senatsantwort haben die Terminalbetreiber noch nicht entschieden, wo und in welchem Umfang sie die saubere Stromerzeugung einsetzen wollen. Näheres dazu könnte die HHLA-Vorstandschefin Angela Titzrath bei der Hauptversammlung am kommenden Dienstag mitteilen.

Die Luftverschmutzung durch Frachter während des Hafenaufenthalts gilt als eine Schwachstelle Hamburger Umweltpolitik. Während die Stadt im vergangenen Jahr am Cruise-Terminal Altona eine feste Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe in Betrieb genommen hat, ist Vergleichbares für den Containerbetrieb nicht in Sicht. Dabei sind von jährlich knapp 10.000 Seeschiffen im Hafen nur 160 Kreuzfahrer.

Im Koalitionsvertrag haben die Grünen durchgesetzt, die umweltfreundliche Alternative auf Containerfrachter auszuweiten. Fraktionschef Anjes Tjarks: „Wir wollen den Hafen zum Vorreiter für Nachhaltigkeit und innovative, klimafreundliche Technologien machen.“

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