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Kritik am TV-Programm : DGB Nord fordert mehr Arbeitswelt statt Krimi im Fernsehen

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Statt Krimis satt im Fernsehen will der DGB im Norden einen Kamera-Schwenk: auf die Arbeitswelt. Sie gäbe genug Stoff für unterhaltsame wie spannende Serien her, meint DGB-Chef Polkaehn. Und er schwelgt in Erinnerungen.

Hamburg | Der Deutsche Gewerkschaftsbund im Norden fordert von den Machern des TV-Programms, mehr von der Arbeitswelt im Fernsehen zu zeigen. „Selbst das Osterprogramm kommt nicht ohne Gewalt-Quote aus. Die Inflation an Thrillern, Krimi-Serien und Formaten, die in der Pathologie spielen, muss auch irgendwann mal zu Reaktionen führen, bei den Zuschauern und bei den Programm-Machern“, sagte der DGB-Bezirksvorsitzende Uwe Polkaehn. Die Lebenswirklichkeit bestehe schließlich nicht nur aus Mord und Totschlag. Der DGB Nord ist beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) über den Rundfunkrat mit an der Kontrolle des Senders beteiligt.

„Die Menschen verbringen täglich viele Stunden im Betrieb, und da erleben sie auch viel - von Teamgeist über Unternehmerwillkür, von Lohnkämpfen bis zum Flirt. Warum bekommen also nicht mehr Serien eine Chance, die in einer Fabrik, in einem Büro, in der Werbeagentur oder Vorstandsetage, im Supermarkt oder in der Feierabendkneipe spielen?“, fragte sich der Arbeitnehmervertreter. „Wir sollten also die Drehbuchschreiber ermuntern, mehr auf die Beschäftigten und ihre Betriebsräte zuzugehen, da gibt es Stoff für mehr als nur eine gute Serie.“

Börsensendungen im Fernsehen seien stark auf Marktinteressen fixiert. Wenn dort die Fragen der Arbeitswelt nicht integriert würden, müsse diese eben umso mehr an anderer Stelle geschehen, meinte der DGB-Bezirkschef. Das müsse dann überhaupt nicht immer bierernst dargestellt sein.

Er warte noch auf den Nachfolger von „Acht Stunden sind kein Tag“ von Rainer Werner Fassbinder Anfang der 70er Jahre um die beruflichen und privaten Probleme von Werkzeugmachern sowie von „Ekel Alfred“. In der Serie „Ein Herz und eine Seele“ um den Spießer Alfred Tetzlaff, ebenfalls aus den 70er Jahren (Wolfgang Menge), prallten Ansichten des Kleinbürgertums auf progressive Vorstellungen der 68er-Generation. „Und auch Gaby Köster als Supermarktkassiererin Rita Kruse (RTL) hat Anfang der 2000-Jahre gezeigt, dass man erfolgreiche satirische Formate durchaus in der Arbeitswelt ansiedeln kann“, erinnerte Polkaehn.

Auf ein entsprechendes Schreiben an die ARD-Intendantin Prof. Karola Wille habe ihm diese für die Anregungen und Hinweise gedankt und unter anderem auf die Wirtschafts- und Verbrauchersendungen in der ARD verwiesen, ergänzte der Bezirksvorsitzende. Er sei gespannt auf die Fortsetzung dieses Dialogs mit den Programmgestaltern.

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erstellt am 21.Mär.2016 | 08:27 Uhr

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