Geringfügig Beschäftigte : DGB Hamburg: Zahl der Minijobber in Hamburg nimmt zu

Eine Stellenanzeige für einen Minijob hängt an einem Schaufenster. Die Zahl der Minijobber in Hamburg hat sich seit 2003 um knapp 48 Prozent erhöht.

Eine Stellenanzeige für einen Minijob hängt an einem Schaufenster. Die Zahl der Minijobber in Hamburg hat sich seit 2003 um knapp 48 Prozent erhöht.

DGB-Chefin Katja Karger fordert eine Neuregelung, die den vollen Sozialversicherungsschutz vom ersten Euro an bietet.

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13. April 2018, 07:22 Uhr

Hamburg | Die Zahl der Minijobber in Hamburg hat sich seit 2003 um knapp 48 Prozent auf rund 177 000 Menschen im vergangenen Jahr erhöht. Das geht aus dem erstmals vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Hamburg vorgelegten Minijob-Report für die Hansestadt hervor. Ein Minijob ist bis zu einem Entgelt von 450 Euro von Beiträgen zur Sozialversicherung und von Steuern befreit.

Solche Arbeitnehmer haben keine Ansprüche an die Kranken- und Arbeitslosenversicherung wie Kranken- oder Arbeitslosengeld und erwerben nur geringfügige Rentenansprüche.

Minijobs führen in die Altersarmut, kritisierte Hamburgs DGB-Chefin Katja Karger. Sie fordert unter anderem eine gesetzliche Neuregelung, die den vollen Sozialversicherungsschutz vom ersten Euro an bietet sowie Korrekturen im Steuerrecht. Die meisten Minijobber arbeiten laut DGB im Einzelhandel und in der Gastronomie, gefolgt von Gebäudebetreuung, Garten- und Landschaftsbau, Gesundheitswesen sowie dem Erziehungssektor.

Rund 60 Prozent, die in einem solchen Arbeitsverhältnis tätig sind, haben laut DGB-Bericht kein anderes Einkommen. Das reiche nicht zur eigenständigen Existenzsicherung, mahnte Karger. Zwar sollte Langzeiterwerbslosen und Rückkehrern in den Beruf mit Hilfe von Minijobs der Wiedereinstieg erleichtert werden, aber: „Minijobs sind Sackgassen und keine Brücken: Meist arbeiten die so Beschäftigten immer wieder in Minijobs“, teilte Karger mit. Der Wechsel in eine reguläre Beschäftigung mit sozialer Absicherung gelinge den wenigsten. Wer dieses Arbeitsverhältnis eingeht, ist dem Report zufolge im klassischen Erwerbsalter von 25 bis 64 Jahren. Sind nach wie vor vor allem Frauen Minijobber, „holen die Männer auf“, schreibt der DGB.

Die Gewerkschaften sind auch alarmiert, weil der Anteil der Akademiker steigt, die auf Minijobs zurückgreifen. Hatten 2003 nur vier Prozent die Fachhochschul- oder Hochschulreife, waren es 2017 zehn Prozent.

Der Minijob als Nebentätigkeit hat sich seit 2003 auf rund 71.329 Beschäftigte nahezu verdreifacht. Dagegen ist die Zahl derjenigen, die ausschließlich mit Minijob-Gehalt auskommen müssen, seit einem Spitzenwert 2014 mit knapp 113.000 Beschäftigten rückläufig und lag 2017 bei 105.569. Dies sei unter anderem auf die Einführung des Mindestlohns zurückzuführen, hieß es.

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