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Auf der Walz : Deutschlands Wandergesellen treffen sich in Hamburg

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Es wird ein zünftiges Zusammensein: Mehrere hundert Wandergesellen finden ihren Weg nach Hamburg - und tragen ihre Tradition zur Schau.

Hamburg | Wenn in diesen Tagen bis zu 450 Wandergesellen aus ganz Deutschland das erste Mal seit 1991 zu ihrem alljährlichen Himmelfahrtstreffen wieder nach Hamburg kommen, dann ist Sascha Röckendorf verantwortlich dafür. Der 38-jährige Altgeselle der 1793 gegründeten „Gesellschaft der rechtschaffenen fremden Zimmer- und Schieferdeckergesellen zu Altona“ hat das Treffen organisiert. Am Freitag werden die Gesellen in ihrer zünftigen Montur von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) im Rathaus empfangen. Sie wollen von Altona aus (ca. 9.45 Uhr) in ihrer traditionellen Montur und mit zünftigen Fahnen zu einem Senatsempfang im Hamburger Rathaus (12 Uhr) marschieren.

Die einst beliebte Tradition stand durch ein Verbot der „Schächte“  - Vereinigungen von Handwerkern auf Wanderschaft - der während der NS-Diktatur vor dem Aus. In den Nachkriegsjahren wurde die Walz in Westdeutschland wiederbelebt, in der DDR hingegen verboten.

Die Tradition der Wanderschaft geht mehr als 500 Jahre zurück bis ins späte Mittelalter. Steinmetze waren die ersten, die Kirchen bauten und umhergewandert sind. Der Hauptsitz der Vereinigung ist in Kiel, und sie vertritt weltweit rund 60 Gesellschaften von Maurern, Tischlern, Zimmerleuten und Dachdeckern. „Salopp gesagt sind wir eine Vereinigung Gleichgesinnter. Früher gab es die Zünfte, die alles kontrolliert haben. Als die Zünfte sich aufgelöst haben, entstanden die Vereinigungen“, sagt Röckendorf.

Für das „zünftige Reisen“, auch „Walz“ oder „Tippelei“ genannt, muss man bereit sein, seiner Heimat mindestens drei Jahre und einen Tag und mehr als 50 Kilometer fern zu bleiben. „Außerdem muss man schuldenfrei, kinderlos und ledig sein, sonst darf man sich nicht als freier Mann bezeichnen“, erläutert Röckendorf. Nach der Wanderschaft darf man sich „einheimisch“ melden, sich also ein festes Zuhause suchen, aber offiziell weiter Wandergeselle bleiben. Den Angaben zufolge sind in Deutschland derzeit schätzungsweise rund 80 Wandergesellen, darunter auch Frauen, auf der Walz.

„Es ist die Neugier nach fremden Ländern, die einen treibt. Man kann sich beruflich weiter qualifizieren und sein Wissen erweitern“, sagt Röckendorf. Er war zwischen 2001 und 2004 dreieinhalb Jahre selbst auf der Walz. Im Sommer lassen sich die Wandergesellen auf grünen Wiesen nieder und kampieren unter Bäumen. In anderen Jahreszeiten übernachten sie in Jugendherbergen oder Gasthäusern. „Gearbeitet wird, was anfällt, heutzutage wird aber nach Tariflohn bezahlt.“

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erstellt am 26.Mai.2017 | 07:25 Uhr

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