zur Navigation springen

Einzelhandelsverband Nord : Deutsche in Kauflaune: Gute Beschäftigungslage lässt Kassen klingeln

vom

Während des Weihnachtsgeschäfts wird in SH ein Umsatz von 3,5 Milliarden Euro erwartet. Damit ist das Land Spitzenreiter.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 16:52 Uhr

Hamburg | Manchmal sind Klischees eben doch wahr: Fast 40 Prozent der Männer kaufen ihre Weihnachtsgeschenke auf den letzten Drücker. 37 Prozent der Frauen dagegen erledigen ihre Weihnachtseinkäufe in den ersten beiden Dezember-Wochen, zehn Prozent kaufen Weihnachtsgeschenke sogar das ganze Jahr über. Diese Zahlen hat am Montag der Einzelhandelsverband Nord in Hamburg präsentiert. Ihm gehören 33.000 Einzelhandelsbetriebe mit 260.000 Beschäftigten in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern an.

Die Stimmung ist verhalten optimistisch: Erwartet wird für das aktuelle Weihnachtsgeschäft im November und Dezember ein Umsatz von 7,5 Milliarden Euro in den drei Nordländern insgesamt und ein Umsatzplus von drei Prozent. Das  sind 0,9 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein mit prognostizierten 3,5 Milliarden Euro Umsatz vor Hamburg (2,5 Milliarden) und Mecklenburg-Vorpommern (1,5 Milliarden). Etwa zehn Prozent des Umsatzes entfallen auf den Online-Handel.

Er bleibt mit einem Umsatzplus von zehn Prozent − nicht nur im Weihnachtsgeschäft  − der wichtigste Wachstumstreiber einerseits und ein „Brandbeschleuniger für den Strukturwandel“ andererseits, weil er „den stationären Einzelhandel zunehmend unter Druck setzt“, wie Hauptgeschäftsführer Dierk Böckenholt sagte.

Der Onlinehandel boomt weiterhin

Wie rasant das Online-Geschäft an Bedeutung gewinnt, erläuterte Verbands-Geschäftsführerin Brigitte Nolte anhand einer Umfrage: Demzufolge kaufen Hamburger ihre Weihnachtsgeschenke fast genauso oft online (60 Prozent) wie in einem Einkaufszentrum (66 Prozent) in der Stadt. „Die Bestellung über das Internet ist in drei Jahren von Platz fünf auf Platz zwei gestiegen“, so Nolte. Eine Online-Präsenz sei heutzutage ein „absolutes Muss“. 

Der Handelsverband Nord versuche deshalb, kleine Unternehmen dafür zu sensibilisieren und Hilfestellung etwa in Schulungen zu geben. „Insbesondere kleinere und mittlere Einzelhändler haben zunehmend Schwierigkeiten, sich im globalen Wettbewerb zu behaupten“, warnt Verbandspräsident Andreas Bartmann. Die Digitalisierung erfordere hohe Investitionen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Viele kleinere Händler seien dazu aber nicht in der Lage. Die Aussagekraft der Branchendaten nehme angesichts solcher Probleme ab.

Dennoch: „Im Großen und Ganzen“ schließen die dem Handelsverband angehörigen Händler das Jahr 2017 zufrieden ab, es zeichne sich ein Umsatzplus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahresumsatz in den drei Nordländern ab: Demzufolge beläuft sich der Einzelhandelsumsatz 2017 in Schleswig-Holstein auf voraussichtlich 18,3 Milliarden Euro, in Hamburg auf 13,3 und in Mecklenburg-Vorpommern auf 8,1 Milliarden Euro. Grund für die Steigerungen sei die Kauflaune der Kunden −  verursacht durch die gute Beschäftigungslage und die positive Einkommensentwicklung.

„Ein großes Defizit“ sieht Hauptgeschäftsführer Böckenholt bei der Vermarktung der Stadt Hamburg als Shopping-Destination: „Wir haben es nicht geschafft, die Zuwächse im Tourismus von zehn Prozent in ein entsprechendes Umsatzplus im Einzelhandel umzusetzen“.  Dafür müssten der Tourismusverband wie der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) künftig deutlich mehr Anstrengungen unternehmen. Barbara Glosemeyer

Kommentar: Große Gewinner, kleine Verlierer

Die ordentlichen Zahlen des Einzelhandels täuschen darüber hinweg, dass der Strukturwandel die Branche mehr und mehr entzweit − in große Gewinner und kleine Verlierer. Während die Ketten von der Kauflaune der Verbraucher profitieren, werden die inhabergeführten Geschäfte immer mehr abgehängt. Wie soll sich auch etwa ein kleines Elektrogeschäft gegen einen Global Player wie Saturn behaupten, der die Preise diktiert, ein gigantisches Sortiment bieten kann und  im Online-Handel  omnipräsent ist.

Anders gesagt: Den Kampf darum, bei wem der Verbraucher den Wasserkocher kauft, kann das kleine familiengeführte Geschäft nur verlieren. Es sei denn, es ist um die Ecke und man muss nicht erst nach Hamburg fahren − oder es bietet etwas anderes als die „Großen“.  Spezialisierung ist wahrscheinlich die einzige Chance zu überleben:  mit Produkten, die nicht jeder hat; mit individuellen Lösungen für Kunden und mit unschlagbaren Service und Topqualität. Maßanfertigung statt Masse.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen