Elbfischer : Der Öko-Rebell aus Altenwerder: Heinz Oestmann ist tot

Heinz Oestmann hatte in den 1980er und 1990er Jahren bundesweit als robuster Öko-Rebell und standhafter Elbfischer Schlagzeilen gemacht.

Heinz Oestmann hatte in den 1980er und 1990er Jahren bundesweit als robuster Öko-Rebell und standhafter Elbfischer Schlagzeilen gemacht.

Als Rebell wurde er bundesweit bekannt. Er wehrte sich erfolglos gegen die Vernichtung seines Heimatstadtteils Altenwerder.

shz.de von
08. August 2018, 21:25 Uhr

Hamburg | Der „letzte Fischer von Altenwerder“ ist tot. Heinz Oestmann, bekannt geworden durch seinen langen Kampf um das ehemalige Fischerdorf, ist Anfang der Woche im Alter von 68 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg gestorben.

Still war es zuletzt geworden um den Mann, der in den 1980er und 1990er Jahren bundesweit als robuster Öko-Rebell und standhafter Elbfischer Schlagzeilen gemacht hatte. Oestmann war die Kompromisslosigkeit auf zwei Beinen. Mit körperlicher Präsenz und markigen Worten stemmte er sich gegen die Verschmutzung seiner Elbe und die Vernichtung Altenwerders für den gleichnamigen Containerterminal. Wenn nötig auch mit bloßen Händen. So wurde der kräftige Fischer mit dem Lockenkopf und dem Rauschebart zu einer der Symbolfiguren der frühen Öko-Bewegung in Hamburg und darüber hinaus.

 Sein Beruf war ihm in die Wiege gelegt, die Oestmanns betrieben Elbfischerei seit 1740. Mehr als 40 Jahre war Heinz mit seinem Kutter „Nordstern“ rausgefahren, 2013 setzte er sich zur Ruhe.  Es war seine Profession, die ihn zum Kämpfer für eine saubere Umwelt machte. In den 1980er Jahre mussten er und seine Kollegen feststellen, dass die Zahl der gefangene Fische zurückging und dass dazu immer mehr kranke Tiere in den Netzen landeten. Die Ursachen war bald ausgemacht und so kämpfte Heinz Oestmann fortan gegen die großen Umweltsünden und -sünder seiner Zeit: gegen die Abwässer von Dow Chemical in Stade, gegen die Atomkraftwerke an der Unterelbe, gegen die Dünnsäureverklappung in der Nordsee. Ungezählt die Demonstrationen und Blockaden, die Oestmann mit seiner „Nordstern“ anführte. Und er hatte Erfolg. Zufrieden stellte er vor ein paar Jahren fest, dass die Elbe sauberer, die Fische wieder zahlreicher geworden waren.

Mitte der 1980er hatte ihn sein Engagement als Abgeordneter für die Grün-Alternative Liste (GAL) bis in die Hamburgische Bürgerschaft geführt. Das Rathaus erwies sich allerdings schnell als falscher Ort für einen wie ihn – „zu viel Rederei und Lügnerei“, wie er später sagte. Er legte sein Mandat nieder.

Kämpferisch blieb der stets Unbeugsame gleichwohl und trieb den Senat auf seine Weise zur Weißglut. Oestmann harrte mit seiner Familie bald 20 Jahre in Altenwerder aus, obwohl die Stadt die Räumung des Fischerdorfes längst beschlossen hatte. Als einmal ein Rollkommando anrückte, um das Haus des Unbeugsamen unbewohnbar zu machen, setzte Oestmann seine Fäuste ein und blieb.

Erst 1997 räumte er als vorletzter von 3500 Einwohnern das Feld. Die Stadt zahlte ihm eine halbe Million Mark Entschädigung, wovon er und seine Ehefrau sich eine Bleibe und das Restaurant „Oestmann’s Fischerhuus“ in Finkenwerder kauften. Früh Witwer geworden, kümmerte er sich dann um Kutter und Lokal gleichzeitg. 

Nicht ungern empfing der Elb-Rebell Gäste in der heimischen Wohnküche und erinnerte sich an die Kämpfe vergangener Jahre. Zu spüren war dann stets, dass da kein Ideologe erzählte, sondern ein Pragmatiker durch und durch. Nicht jeder Gesprächspartner verstand, dass der späte Heinz Oestmann weder seinem Heimatdorf Altenwerder noch seiner „Nordstern“ eine Träne nachweinte. Sagte er zumindest. Heinz Oestmann soll auf See bestattet werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen