Abstieg 2018 : Der HSV muss in die Zweite Liga: Rauchbomben verzögerten Schlusspfiff

Ein Foto mit Symbolkraft. Torwart Julian Pollersbeck (M) kniet auf dem Spielfeld. Der HSV steigt erstmalig ab.
Ein Foto mit Symbolkraft. Torwart Julian Pollersbeck (M) kniet auf dem Spielfeld. Der HSV steigt erstmalig ab.

Da Wolfsburg sich gegen Köln durchsetzte, ist der HSV abgestiegen. Im Stadion gab es Unruhen.

shz.de von
12. Mai 2018, 17:44 Uhr

Hamburg | Rauten auf dem Rasen, Rauten auf den Rängen und Rauten beim Gänsehaut-Empfang: Mit lichterloher Euphorie und demonstrativem Zusammenhalt der Fans ging der HSV in die entscheidende Partie gegen Borussia Mönchengladbach. Doch weil nach nicht mal zwei Minuten Abstiegs-Konkurrent Wolfsburg gegen Köln mit einem Traumstart in Führung ging, gab es gleich in der Anfangsphase den ersten Tiefschlag.

 

Doch die Bringschuld der Hamburger wurde ebenfalls früh erfüllt. Schiedsrichter Felix Brych zeigte zeigte nach Videobeweis auf den Punkt: Handelfmeter. Zakaria hatte nach Ansicht Brychs einen Schuss von Lewis Holtby absichtlich mit der Hand abgewehrt. Aaron Hunt übernahm die ganze Last der Verantwortung und traf zum Jubel der HSV-Fans unter den 57.000 Zuschauern sicher zum 1:0 im Volkspark (11. Spielminute). In der 28. Minute ließ Hunt bei einem Konter jedoch Josip Drmic enteilen, der zum 1:1 einnetzte. Am Ende gewannen die Hamburger mit 2:1 durch ein Tor von Lewis Holtby (63.) und machten die letzten Europapokal-Hoffnungen der Fohlen zunichte.

<p>Die Fans gaben vor dem Spiel alles, leider schlug die Stimmung um.</p>
dpa

Die Fans gaben vor dem Spiel alles, leider schlug die Stimmung um.

 

Dass es nicht mehr reichen würde, hatte sich bereits vor der Schlussphase abgezeichnet. In der 71. Minute gingen die Wölfe durch Robin Knoche mit 3:1 in Führung, zuvor hatte Origi bereits auf 2:1 gestellt (54.) Am Ende erhöhte Brekalo in der Nachspielzeit auf 4:1. Der einzige Hamburger Strohhalm wäre ein Kölner Sieg gewesen. Nach 55 Jahren verabschiedet sich der Hamburger SV somit nach einer Reihe verkorkster Saisons aus der Fußball-Bundesliga.

Kurz vor dem Ende ließen einige Anhänger Pyrotechnik zünden und steckten Pappen an. Hundertschaften der Polizei kamen auf das Feld, auch um einen möglichen Platzsturm zu verhindern. Die überwiegende Mehrheit der Fans rief: „Wir sind Hamburger, und ihr nicht.“ und „Holt sie raus!“. Die Spieler beide Teams standen gemeinsam auf dem Platz. Nach einer Unterbrechung von einer guten Viertelstunde beendete Schiedsrichter Felix Brych dann auch offiziell.

Bis zu den Ausschreitungen hatte die meisten HSV-Fans ihre Mannschaft für eine erneut starke Leistung gefeiert. Doch der Saisonendspurt unter Trainer Christian Titz mit nun 13 Punkten in acht Spielen kam zu spät. Schon vor der Partie gegen Gladbach hatten tausende Anhänger das Team mit Jubel am Stadion empfangen. Mit einem Spalier erwarteten sie den Mannschaftsbus, um den Profis ihre Unterstützung zu signalisieren und ihnen Mut zuzusprechen. „Niemals 2. Liga“, schallte es.

Der HSV blieb trotz des Sieges Vorletzter und ist damit der zweite Direktabsteiger. Die Tore für die Gastgeber erzielten Aaron Hunt per Elfmeter (11. Minute) und Lewis Holtby (63.). Für die Gäste traf Josip Drmic (18.). HSV-Stürmer Bobby Wood musste mit Gelb-Rot in der 71. Minute vom Platz. Die Gladbacher wurden Tabellenneunter und verpassten die Qualifikation für die Europa League. Ihre Trauer hielt sich im Vergleich zu der der Gastgebern aber in Grenzen. Freiburg siegt 2:0 und rettete sich aus eigener Kraft.

Wenigstens ein Mutmacher bleibt dem HSV: Der Neuaufbau in der 2. Liga erfolgt unter dem Kommando von Trainer Titz. Der 47-Jährige soll demnächst einen über zwei Jahre laufenden Anschlussvertrag unterschreiben und sein Team schnell in die Eliteliga zurückführen. Doch erst einmal muss sich der HSV auf eine empfindliche Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) einstellen.

Rückblick auf die Abstiegssaison:

28. Oktober 2017: Drei Monate und acht sieglose Punktspiele später folgt die große Ernüchterung: Die Mannschaft ist mittlerweile Tabellen-16. - der Abstiegskampf hat den HSV wieder.26. November 2017: Die Hoffnung auf bessere Zeiten erhalten durch die überzeugenden Heimsiege gegen Stuttgart (3:1) und Hoffenheim (3:0) neue Nahrung. Der HSV rückt immerhin auf Rang 15 vor.

21. Januar 2018: Trainer Markus Gisdol wird nach der 0:2-Heimpleite gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln freigestellt. Einen Tag später stellt der Tabellen-17. Bernd Hollerbach als Nachfolger vor.

18. Februar 2018: Bernd Hoffmann wird als Nachfolger von Jens Meier zum neuen Präsidenten des HSV e. V. gewählt. Dadurch gehört der frühere Vorstandsvorsitzende automatisch dem Aufsichtsrat an.

8. März 2018: Der HSV-Aufsichtsrat um den neuen Vorsitzenden Hoffmann stellt Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt frei. Vorstand Frank Wettstein übernimmt die Geschäfte.12. März 2018: Nach sieben weiteren sieglosen Partien wird Hollerbach schon wieder beurlaubt. Neuer Hoffnungsträger auf der Trainerbank ist der bisherige U21-Erfolgscoach Christian Titz.

18. März 2018: Mittelfeldspieler Walace streikt, will nicht in die Innenverteidigung. Da er das Berlin-Spiel auch nicht von der Tribüne aus verfolgt, wird Walace degradiert und muss in der U 21 trainieren.18. März 2018: Der HSV verliert trotz einer guten ersten Halbzeit auch unter Neu-Trainer Titz sein Heimspiel gegen Hertha BSC (1:2). Der 1. FC Köln zieht an den Hamburgern vorbei. Der HSV ist Letzter.

26. März 2018: Die geplante Walace-Rückholaktion zu den Profis entfällt. Denn der Brasilianer reist nach Mailand und postet Bilder, statt zu trainieren. Folge: Walace bleibt bis Saisonende bei der U21.07. April 2018: Nach 15 Spielen ohne Dreier gelingt im dritten Match unter Titz gegen Schalke (3:2) wieder ein Sieg. Der HSV hat fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und hofft als 17. wieder.

05. Mai 2018: Titz setzt auf den Nachwuchs und eine neue Spielidee - mit Erfolg: Nach zwei weiteren Siegen ist der Anschluss da, die Fans stehen wieder hinter ihrem Team.

12. Mai 2018: Das 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach reicht nicht. Im Fernduell verteidigt der VfL Wolfsburg den Relegationsrang. Der Endspurt unter Titz kam zu spät. Nach 55 Jahren ist für den HSV in der Bundesliga Schluss. Immerhin: Titz darf als Coach den Neuaufbau angehen - für die schnelle Rückkehr in die Bundesliga.

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