Hamburger Symphoniker : Den Traum gerade noch erfüllt: Helmut Stuarnigs Auftritt in der Elbphilharmonie

<p>Helmut Stuarnig im Backstagebereich der Elbphilharmonie.</p>

Helmut Stuarnig im Backstagebereich der Elbphilharmonie.

Die Hamburger Symphoniker bespielten vor einem Jahr erstmals die Elbphilharmonie. Mit dabei: Bratschist Helmut Stuarnig.

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10. Januar 2018, 15:49 Uhr

Hamburg | Helmut Stuarnig wurde mit jedem neuen Eröffnungstermin ein wenig unruhiger. Immer wieder verzögerte sich die Bauzeit der Elbphilharmonie. Der Geiger hatte in den vergangenen Jahren und Monaten schon zahlreiche Kollegen in den Ruhestand gehen sehen, denen die Elbphilharmonie als erhoffter Auftrittsort verwehrt wurde. „Die haben es aufgrund der langen Bauzeit verpasst“, sagt der 63-jährige Musiker. Auch seine Pensionierung rückte immer näher. „Es war mein Traum dort einmal zu spielen.“ Und der wurde wahr. Nur wenige Tage nach der Eröffnung des neuen Konzerthauses vor einem Jahr durfte er als Mitglied der Symphoniker Hamburg am 17. Januar 2017 die Aufführung von Beethovens Meisterwerk „Missa solemnis“ spielen. „Das erste Mal war ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.“

Der damalige Chefdirigent Sir Jeffrey Tate brachte die Symphoniker zusammen mit der finnischen Sopranistin Camilla Nylund, der britischen Mezzosopranistin Sarah Connolly, dem Tenor Klaus Florian Vogt, dem italienischen Bass Luca Pisaroni und dem 125-köpfigen Philharmonia Chorus London.

<p>Die Symphoniker Hamburg beim ersten Konzert in der Elbphilharmonie unter der Leitung von Chefdirigent Sir Jeffrey Tate.</p>
J. Konrad Schmidt

Die Symphoniker Hamburg beim ersten Konzert in der Elbphilharmonie unter der Leitung von Chefdirigent Sir Jeffrey Tate.

 

Das Konzert war Teil des dreiwöchigen Eröffnungsfestivals mit Hamburgs Spitzenensembles, Gastorchestern aus Chicago und Wien und prominenten Solisten wie Mitsuko Uchida, Yo-Yo Ma und Thomas Hampson. Allein an den ersten drei Tagen gab es drei Uraufführungen: Das NDR Elbphilharmonie Orchester, das Ensemble Resonanz und das Philharmonische Staatsorchester präsentieren jeweils ein eigens für die Eröffnung komponiertes Werk. Mit dem neuen Musikhaus begann eine neue Ära in Hamburgs Musikgeschichte. Hamburg bekam ein neues Wahrzeichen.

Rundum begeistert von der Elbphilharmonie

Mittlerweile ist Helmut Stuarnig schon ein paar Mal mit den Symphonikern Hamburg in der Elbphilharmonie aufgetreten. Für ihn bleibt es aber nach wie vor ein Erlebnis. „Die Elbphilharmonie muss man einfach erlebt haben“, schwärmt er. „Wenn ich normalerweise spiele, geht meine Musik als Streicher unter den vielen Streichern unter. In der Elbphilharmonie habe ich mich selbst gehört. Das gibt einen ganz besonderen homogenen Klang, transparent und kühl.“

Doch Helmut Stuarnig hat nicht nur lobende Worte für den Konzertsaal, sondern auch für das dahinter. „Der Backstagebereich hat mich damals umgehauen. Mit dem Fahrstuhl geht es in den zwölften Stock, man blickt auf Fenster bis zu den Böden und den Hafen vor den Füßen. Jede Streicher-Gruppe hat sein eigenes Zimmer zum Üben. So etwas gibt es woanders nicht.“

Karrierehöhepunkt 2017

2017 war sein berufliches Jahr, der Höhepunkt seiner Karriere. Neben der ersten Elbphilharmonie-Bespielung war er auch mit den Symphonikern auf Japan-Tour. „Das hatte ich mir gar nicht erhofft“, erzählt er.

Musik war schon immer sein Ventil. Bereits mit acht Jahren hatte der gebürtige Österreicher seine erste Geige. Für die musikalische Karriere entschied er sich, weil es provokativer war „als Arzt zu werden“. Nachdem er am Mozarteum in Salzburg und an der Musikhochschule Wien studiert hatte, zog es ihn nach Konstanz, Moskau und Zürich, bevor er in Hamburg-Rahlstedt sesshaft wurde. Seit 1984 ist Helmut Stuarnig Bratschist bei den Symphonikern Hamburg, bis 2010 war er 25 Jahre lang Solobratschist des Orchesters. 

Helmut Stuarnig ist durch und durch Musiker, es kommt selten vor, dass er einen Tag mal nicht seine Geige bei sich hat. Als Residenzorchester spielen die Symphoniker vorwiegend in der Laiszhalle, ab und an in der Staatsoper und der Elbphilharmonie.

Helmut Stuarnig aber spielt eigentlich überall. Mit seiner Band „Appeltown Washboard Worms“ oder dem Gypsy Swing-Ensemble im Hamburger Umland, immer wieder auch gerne im Duo oder Solo auf der Straße.

Er liebt die Nähe zu seinen Zuhörern. Bis er in eineinhalb Jahren in Rente geht, stehen auch noch einige Auftritte in der Elbphilharmonie an. Schon im Februar ist er wieder mit den Symphonikern in dem neuen Konzerthaus. Dann erklingen Peter Warlock, Edward Elgars und Johannes Brahms – wie immer vor ausverkauftem Haus.

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