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Hamburg : Demo von Türken und Kurden: Weniger Teilnehmer als erwartet

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Trotz großer Emotionen auf beiden Seiten kann ein Großaufgebot der Hamburger Polizei größere Zwischenfälle verhindern.

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2016 | 20:27 Uhr

Hamburg | Ein Anti-Terror-Protest nationalistischer Türken und eine Gegendemonstration sind am Sonntag in Hamburg weitgehend friedlich verlaufen. Die Polizei verhinderte mit einem Großaufgebot, dass die beiden Gruppen am Dammtorbahnhof aufeinandertrafen. Etwa 300 Türken hatten sich dort nach Angaben der Polizei versammelt. Erwartet worden waren 1000.

Zu der Gegendemonstration hatten linke und kurdische Gruppen aufgerufen. Etwa 1200 Menschen zogen vom Bahnhof Sternschanze zum türkischen Generalkonsulat in der Nähe des Dammtorbahnhofs. Sie bezeichneten die türkischen Demonstranten als „Faschisten“ und bekannten ihre Unterstützung für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK.

Hintergrund: Türken und Kurden in Deutschland

Der seit Jahrzehnten blutig ausgetragene Konflikt um die Kurden in der Türkei wird hin und wieder auch in Deutschland spürbar. So eskalierte etwa Ende März eine von überwiegend nationalistischen Türken organisierte Demonstration in Aschaffenburg, die nach Polizeiangaben von Kurden angegriffen wurde.

Doch wie viele Kurden und Türken leben eigentlich hierzulande? Insgesamt stellen die Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit die größte Ausländergruppe in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden waren Ende 2015 unter den rund 6,8 Millionen Ausländern in Deutschland etwa 1,5 Millionen Türken. Davon leben rund eine halbe Million im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommen Türkischstämmige, die mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben.

Nach Angaben der Kurdischen Gemeinde Deutschland, die sich als Dachverband versteht und ihren Sitz in Gießen hat, leben etwa 1,2 Millionen Menschen kurdischer Abstammung in Deutschland. Darunter sind Zuwanderer aus der Türkei, aber auch aus Syrien, dem Irak und dem Iran. Insgesamt leben Schätzungen zufolge etwa 24 Millionen Kurden über die Länder Türkei, Irak, Iran und Syrien verteilt.

Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK (Partiya Karkeren Kurdistan), die für ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei kämpft, wird von den USA und Europa als Terrororganisation eingestuft. Seit 1993 ist die PKK in Deutschland verboten.

Nach dem offiziellen Ende dieser Demonstration kam es zu kleineren Rangeleien mit der Polizei, bei der eine Beamtin leicht verletzt wurde. Vereinzelt hätten Demonstranten vergeblich versucht, durch den Bahnhof zu der Versammlung der Türken zu gelangen. Als die Demonstranten in Richtung Sternschanze zurückgingen, wurde ein Böller auf ein Polizeipferd geworfen. Der Feuerwerkskörper verfing sich unter dem Sattel und explodierte. Die Reiterin wurde leicht verletzt, wie ein Polizeisprecher sagte. Am Rande des Marsches sei ein weiterer Mensch verletzt worden. Zu Details konnte der Polizeisprecher noch nichts sagen. Später habe es weitere Rangeleien mit Demonstranten aus der linken Szene an der Sternschanze gegeben.

Es sei zu vereinzelten Steinewürfen gegen Polizisten gekommen. Den Beamten nahmen vier Personen vorläufig fest. Laut Polizei müssen sie sich wegen Körperverletzung beziehungsweise Landfriedensbruch verantworten. Beamte der Bundespolizei verhinderten, dass einzelne Personen auf die S-Bahngleise gelangen konnten.

Die meisten der rund 300 türkischen Teilnehmer des „Friedensmarsches“, unter ihnen viele Frauen und Mädchen, hatten sich in Nationalfahnen gehüllt oder schwenkten Fähnchen. Sie hielten Reden in türkischer Sprache, riefen Anti-PKK-Sprechchöre und tanzten zu lauter Musik aus dem Lautsprecherwagen. Die Polizei sprach hier von einem weitgehend friedlichen Verlauf.

Die Versammlung hatte die türkische Gruppe „AYTK“ angemeldet, die auch in anderen Städten wie Köln, Frankfurt und Hannover am Sonntag zu Kundgebungen aufgerufen hatte. Zum Anlass nahm sie die jüngsten Terroranschläge in Ankara und Istanbul. Der „AYTK“ wird von anderen Organisationen, darunter Kurden und Armenier, vorgeworfen, nationalistisch zu sein und der türkischen islamisch-konservativen Regierungspartei AKP nahezustehen. Auch in Köln, wo 5000 Demonstranten erwartet worden waren, kamen nur knapp 400.

In Hamburg waren rund 1300 Beamte aus mehreren Bundesländern und von der Bundespolizei den Angaben zufolge im Einsatz. Vor dem Dammtorbahnhof, in der Sternschanze und vor dem türkischen Generalkonsulat standen auch Wasserwerfer, Räumpanzer und eine Reiterstaffel bereit. Von einem Hubschrauber aus beobachtete die Polizei das Geschehen aus der Luft.

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