Kult-Maus in der Falle : Das traurige Aus für die Diddl-Maus

Jahrelang galt die Diddl-Maus als Kult. Jetzt werden die Plüschmäuse aus dem Sortiment genommen.
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Jahrelang galt die Diddl-Maus als Kult. Jetzt werden die Plüschmäuse aus dem Sortiment genommen.

Mausetot – die Diddl-Maus: In den 90ern begeisterte sie Mädchen in Scharen, heute will sie niemand mehr, alle Artikel werden aus dem Sortiment genommen. War das Aus schon lange überfällig? Auf Twitter scheiden sich die Geister.

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17. Juni 2014, 15:24 Uhr

Geesthacht | Mit ihr stirbt einer der letzten Hypes aus den 90ern: Die Diddl-Maus, einst der letzte Schrei unter Mädchen im Alter von 5 bis 15, wird nicht mehr vertrieben. Alle Artikel werden aus dem Sortiment genommen. Der Geesthachter Geschenkartikel-Hersteller „Depesche“ nennt als Grund den sinkenden Umsatz mit den Fanartikeln rund um die Maus mit den Riesenfüßen.

Vor rund 20 Jahren war diese Entwicklung unvorstellbar: Sie winkte fröhlich von Tassen, Blöcken und Schulranzen, zierte als Kuscheltier jahrelang die Kinderzimmer und war für die Mädchen einer ganzen Generation das, was heute Filly-Pferde und Prizessin Lillifee sind. Wer keine Diddlblatt-Sammlung hatte, gehörte nicht dazu. Die Diddl-Maus blieb nicht lang allein in ihrem Imperium. Zeichner Thomas Goletz erschuf Freundin Diddlina und den Bären Pimboli. Schon bald pilgerten Fans ins Geesthachter Diddl-Museum und schmetterten Diddl-Songs wie „Komm knuddel mich“ – Medien sprachen von einer Epidemie. 

Noch heute liegt sie als überdimensionierter Liebestöter in so manchem Ehebett, stehen Diddl-Tassen mit farbenfrohen Aufdrucken und Sprüchen wie „Anti-Stress Becher“ auf Bürotischen. Viele der Brieffreundschaften, die vor vielen Jahren in der Anzeigenrubrik des Fanmagazins „Käseblatt“ entstanden, bestehen noch immer und so manch einer schreibt seine Einkaufszettel nach wie vor auf Diddl-Blöcke mit Kitschmotiv.

Doch was Erwachsene aus Nostalgie nicht loslassen können, ist bei der jungen Generation nun überholt. „Was mir unverständlich ist, ist die Entwicklung, dass Diddl bei Kindern und Jugendlichen heute kaum noch eine Rolle spielt“, sagt Kjeld Schiötz, Gründer der Firma Depesche, in einem Gespräch mit der Bergedorfer Zeitung. Kein anderes Produkt der Firma konnte bis heute den Erfolg der Geesthachter Maus übertrumpfen.

Auch auf Twitter ist die Stimmung unter Diddl-Anhängern der ersten Stunde gedrückt:

Kamen hier schmerzliche Erinnerungen an die verflossene Jugendliebe wieder hoch? Bei einigen Herren scheint die Trauer sich in Grenzen zu halten.

Erste Twitter-User wittern bereits das große Geld. Diddl-Relikte sollten nun auf dem Dachboden gebunkert werden.

Wer die Diddlblatt-Ausgrenzung am eigenen Leib erleben musste, reagiert heute mit Hohn und Spott:

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