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Grasbrook : „Das kann jetzt losgehen“ – Planungen für Hamburgs neuen Stadtteil laufen

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Mit dem Aus für Hamburgs Olympia-Bewerbung schien auch der Kleine Grasbrook als Wohngebiet erledigt. Nun wird er doch bebaut.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2017 | 15:57 Uhr

Hamburg | Inmitten der Stadt Hamburg entsteht ein neues Wohngebiet in Wasserlage samt U- und S-Bahnanschluss: der Kleine Grasbrook. Was nach dem Aus für die Olympia-Bewerbung Ende 2015 für kaum mehr möglich gehalten wurde, geschieht nun doch. Nach rund einem Jahr vertraulicher Verhandlungen hätten sich alle Beteiligten wie die Hafenwirtschaft und Behörden geeinigt, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am Dienstag. „Das kann jetzt losgehen.“

Geplant seien auf einer Fläche von rund 46 Hektar etwa 3000 Wohnungen - davon ein Drittel öffentlich gefördert - für etwa 6000 Menschen, Einkaufsmöglichkeiten, eine Grundschule, Kitas sowie Büros, Gewerberäume und Produktionsstätten für rund 16.000 Beschäftigte. Die Bruttogeschossfläche der angedachten Gebäude habe eine Fläche von rund 880.000 Quadratmetern, was in etwa einem Drittel der gegenüberliegenden Hafencity entspreche.

Entwicklungszeit von 20 Jahren

Der neue Stadtteil „Grasbrook“ mit seinen drei Quartieren „Moldauhafen“, „Freihafen“ und „Hafentor“ soll zudem die Stadtteile Veddel und Wilhelmsburg einbinden und so der Sprung über die Elbe gelingen. Wie die Bebauung aussehen soll, sei noch offen und Teil eines demokratischen Beteiligungsprozesses, sagte Scholz. Für das gesamte Quartier rechne er mit einer Entwicklungszeit von rund 20 Jahren. Der Chef der mit der Entwicklung betrauten städtischen HafenCity Hamburg GmbH, Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, sagte, er rechne mit einem ersten Spatenstich wohl im Jahr 2022/2023.

Die Planungen fußten auf den Überlegungen für die in einem Referendum letztlich abgelehnte Olympiabewerbung 2024, die auf dem Kleinen Grasbrook das Olympische Dorf vorgesehen hatte. „All die Energie ist nicht vergeblich gewesen“, sagte Scholz. Anders als bei den Olympiaplanungen bleibe der größere Teil des Kleinen Grasbrook mit rund 53 Hektar der Hafennutzung vorbehalten. Getrennt werden sollen die Bereiche Wohnen und Hafen etwa durch Bürogebäude.

Tschechien tauscht Hafenfläche

Bereits Anfang August haben der Unternehmensverband Hafen Hamburg, der Industrieverband Hamburg und die Wirtschaftsbehörde einen entsprechenden „Letter of Intent“ zur Nutzung der Flächen des Überseezentrums und der angrenzenden Flächen unterzeichnet, sagte Scholz. Zudem sei bereits im Juni mit Tschechien vereinbart worden, dass die noch von dem Land gemietete Hafenfläche im Bereich des Moldau- und Saalehafens innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einer im Bereich des Kuhwerder Hafens liegenden Fläche getauscht wird. „Unser Ziel ist, dass die wirtschaftliche Tätigkeit nicht beeinträchtigt wird und dass gleichzeitig die Stadtentwicklung (...) stattfinden kann.“

Der Vorsitzende des Unternehmensverbands Hafen Hamburg (UVHH), Gunther Bonz, kommentierte die Vereinbarung mit den Worten: „Der Hafen ist Teil dieser Stadt (...) und wir sind uns unserer Verantwortung für die Stadtentwicklung bewusst.“ Ursprünglich hatte es nach dem Olympia-Aus geheißen, dass eine Bebauung des Kleinen Grasbrook auf absehbare Zeit nicht mehr möglich sei. Zum einen hatte die Hafenwirtschaft einer Verlagerung ihrer Betriebe nur im Fall einer erfolgreichen Olympia-Bewerbung zugestimmt, zum anderen sei das Projekt nur mit Hilfe des Bundes zu stemmen gewesen.

Aktuell gebe es keine Kostenschätzungen, sagte Scholz. Ziel sei jedoch, dass sich das Projekt wie die Hafencity durch den Grundstücksverkauf in etwa trägt. Dass es jetzt dennoch möglich sei, liege unter anderem daran, dass anders als bei Olympia keine teuren zusätzlichen Brücken mehr nötig seien und auch die Verlängerung der U-Bahn nicht mehr an das Datum Olympia 2024 gebunden sei.

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