Von Hamburg nach Flensburg : Das historische Schiff „Feuerland“ wird in der Flensburger Museumswerft restauriert

Die „Feuerland“ wurde mit einem Schwertransporter von Hamburg nach Flensburg manövriert, wo sie mit Hilfe eines Krans abgesetzt wurde.

Die „Feuerland“ wurde mit einem Schwertransporter von Hamburg nach Flensburg manövriert, wo sie mit Hilfe eines Krans abgesetzt wurde.

Das Expeditionsschiff war unter anderem auf den Falkland-Inseln als Inselversorger und Kriegsschiff im Einsatz.

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08. Mai 2018, 13:22 Uhr

Hamburg/Flensburg | Das Expeditionsschiff „Feuerland“ des Forschers Gunther Plüschow (1886-1931) wird in der Flensburger Museumswerft restauriert. Mit einem Schwerlasttransporter ist der gut 90 Jahre alte Forschungskutter in der Nacht zum Dienstag von Hamburg nach Flensburg gebracht worden. Dort wurde umgehend mit den Arbeiten an dem Schiff, dem Wind und Wetter deutlich zugesetzt haben, begonnen.

Die Gesamtkosten werden rund 1,4 Millionen Euro betragen, wie der Vorstandsvorsitzende des Förderkreises Kulturdenkmal Expeditionsschiff „Feuerland“, Jens Fiedler, sagte. Für die Restauration sind etwa zwei Jahre veranschlagt. Die konkrete Zeit hängt unter anderem davon ab, wie schnell die benötigten Spendengelder zusammenkommen.

Ausstellung über die wechselvolle Geschichte der „Feuerland“ geplant

Die Flensburger Museumswerft sei der ideale Partner für das Projekt, sagte Fiedler. Deren Leiter Uwe Kutzner ergänzte, die Werft sei spezialisiert darauf, historische Holzschiffe nachzubauen oder zu restaurieren, die in der Region von Bedeutung waren. „Wir sind überaus glücklich, diesen Auftrag abwickeln zu dürfen.“

Was für ein historisch bedeutendes Schiff in der Werft liegt, sollen Schautafeln den Besuchern erklären. Auch plant das auf der anderen Straßenseite liegende Schifffahrtsmuseum von August an eine Ausstellung über die wechselvolle Geschichte der „Feuerland“.

Ziel: Als Traditionsschiff wieder fahrtauglich gemacht werden

Die „Feuerland“ wurde von Plüschow nach eigenen Plänen 1927 in Büsum gebaut. Es diente ihm als Basis für seine Feuerlandexpedition. Die „Feuerland“ wurde 2001 wiederentdeckt und 2006 nach Deutschland zurückgebracht.

Das eingetragene Kulturdenkmal des Landes Schleswig-Holstein solle als Traditionsschiff wieder in Fahrt gebracht werden, sagte Fiedler.

Wer war Gunther Plüschow?

Plüschow war 1927 mit der „Feuerland“ aus Büsum zu einer Chile- und Argentinien-Expedition aufgebrochen. Plüschow war der Erste, der Patagonien und Kap Hoorn überflog und die Südspitze Südamerikas aus der Luft erkundete. Seine Erlebnisse hielt er in dem Buch „Silberkondor über Feuerland“ und einem gleichnamigen Film fest.

Bekannt geworden war Plüschow zuvor als „Flieger von Tsingtau“.1914 flog er zu Beginn des Ersten Weltkrieges über den deutschen Protektoraten in China Aufklärungseinsätze gegen die gegnerischen Japaner und warf selbst gebastelte Bomben ab. Kurz vor dem Sieg der Japaner flüchtete Plüschow auf abenteuerliche Weise um die halbe Welt nach Deutschland. Er kam 1931 bei einem Flugzeugabsturz in Argentinien ums Leben. Hier wird er noch immer als Held verehrt.

Die Historie der „Feuerland“

Die Geschichte der „Feuerland“ mutet genauso abenteuerlich an wie das Leben des Erstbesitzers. Nachdem Plüschow in Südamerika eingetroffen war, blieb der Kutter aus Geldmangel nur kurz in seinem Besitz.

Als „Penelope“ war das 16 Meter lange Schiff auf den Falkland-Inseln unter anderem als Inselversorger, Viehtransporter, Kriegsschiff und Plattform für Wissenschaftler im Einsatz. Dass es sich bei der „Penelope“ um das Schiff des deutschen Flugpioniers handelte, wurde durch Zufall entdeckt. Seit 2006 ist die „Feuerland“ wieder in Deutschland.

Die „Feuerland“ heute

Erste Restaurierungsbemühungen scheiterten – vielleicht auch, weil das Schiff zunächst in Privatbesitz war und deswegen kaum Spenden flossen. Jetzt gehört die „Feuerland“ einem gemeinnützigen Verein. Es soll als Netzwerkschiff für einen guten Zweck eingesetzt werden und Häfen in aller Welt ansteuern, um dort soziale Projekte anzustoßen. Bis dahin ist aber noch eine Menge zu tun, wie Kutzner sagt.

 
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