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Hamburger Institut Ökopol : Das heimliche Verschwinden der deutschen Schrottautos

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wohin viele der schrottreifen Fahrzeuge aus Deutschland verschwinden, weiß keiner so genau. Experten kritisieren illegale Exporte. Ein Hamburger Institut soll nun Licht ins Dunkel bringen.

Hamburg | Für die Bundesregierung ist es ein Rätsel: Rund 1,38 Millionen Fahrzeuge werden in Deutschland im Jahr stillgelegt. Doch wo diese schrottreifen Fahrzeuge bleiben, ist den Behörden meist unklar. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Demnach ist „der Verbleib der in Deutschland endgültig stillgelegten Pkw statistisch derzeit nicht vollständig belegbar.“

Die Folge: Rohstoffe und giftige Substanzen werden illegal exportiert und entsorgt. Sie landen in afrikanischen Ländern oder auf irgendwelchen Hinterhöfen. Genaueres ist nicht bekannt. Allein über den Hamburger Hafen sollen jeden Monat Hunderte vermeintliche Gebrauchtwagen verschifft werden.

Wie gering das Wissen der Behörden ist, zeigt ein Blick in die offiziellen Statistiken. So listet die Behörde Eurostat 1.778.593 Altfahrzeuge im Jahr 2009 für Deutschland auf. Diese Zahl deckt aber noch nicht einmal den Wert der in jenem Jahr ausgezahlten 1,93 Millionen Abwrackprämien. Dabei muss das Material von Altautos in Deutschland seit 2006 als Teil einer Quotenregelung zu 80 Prozent recycelt werden. Seit 2015 gilt ein Wert von 95 Prozent. Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass diese Quoten in Deutschland „bislang kontinuierlich eingehalten“ werden. Doch das gilt nur für jene Fahrzeuge, die statistisch erfasst werden. Auch im Vergleich zu anderen Ländern sind die deutschen Zahlen auffällig. Obwohl es in der Bundesrepublik vergleichbar viele Fahrzeuge pro Einwohner gibt wie in Italien und Frankreich, weisen diese mit Ausnahme von 2009 doppelt und dreimal so viele Altautos in ihren Statistiken aus.

Berlin hat daher jetzt ein Forschungsvorhaben initiiert. Das Hamburger Institut Ökopol soll klären, wohin die Autos nach ihrem Ableben verschwinden. „Für das Forschungsvorhaben stehen Gesamtmittel von 173.508 Euro zur Verfügung“, sagt eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums. „Es kann nicht angehen, dass Deutschland das Umweltproblem der Entsorgung von Altfahrzeugen weiter exportiert“, kritisiert Peter Meiwald von der Bundestagsfraktion der Grünen.

Möglich wird dieser Schrott-Export, weil die Fahrzeuge als vorübergehend stillgelegt gelten. Ob sie anschließend aber wieder in Betrieb genommen werden, wird nicht überprüft. Mit dem Export von Altfahrzeugen gingen wertvolle Ressourcen verloren, so Meiwald. „Eine weitestgehende Wiederverwendung der Altautobestandteile ist also nicht nur für den Umweltschutz gut, sondern bremst auch unseren Ressourcenhunger.“ Und das nicht zu knapp. Durchschnittlich sind in jedem Auto eine Tonne Stahl, Kunststoffe und verschiedene Spezialmetalle verbaut.

Das Öko-Institut spricht sich dafür aus, Autobesitzer verstärkt in die Pflicht zu nehmen. Statt das Auto nur abzumelden, sollten Autobesitzer Belege erbringen müssen, dass das Fahrzeug ordnungsgemäß verkauft oder verschrottet wurde.

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erstellt am 07.Apr.2015 | 20:00 Uhr

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