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Plädoyers gegen mutmaßliche Brandstifter : Darum geht es im Prozess um Brandanschlag auf die Hamburger „Mopo“

vom

Vier junge Männer sind angeklagt. Sie haben zu Prozessbeginn Teilgeständnisse abgelegt.

shz.de von
erstellt am 09.Jul.2017 | 19:18 Uhr

Hamburg | Am Montag ab 9.30 Uhr werden die Plädoyers gegen vier junge Männer wegen versuchter Brandstiftung. Den Angeklagten wird vorgeworfen, aus Verärgerung über Mohammed-Karikaturen im Januar 2015 Brandsätze auf eine Schule und und das Gebäude der „Hamburger Morgenpost“ geworfen zu haben. Der Prozess findet vor einer Großen Strafkammer am Landgericht statt, die Anklage lautet auf versuchte schwere Brandstiftung. shz.de gibt eine Zusammenfassung.

Die Angeklagten im Alter zwischen 20 und 22 Jahren sollen im Januar 2015 aus Verärgerung über Mohammed-Karikaturen zunächst versucht haben, eine Schule in Hamburg-Altona mit Molotowcocktails in Brand zu setzen. In dem Gebäude habe sich auch die Wohnung des Hausmeisters befunden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Schüler hatten die Karikaturen nach dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ aufgehängt.

In der folgenden Nacht sollen die Angeklagten aus demselben Grund versucht haben, Feuer im Verlagsgebäude der „Mopo“ zu legen. Die Molotowcocktails zündeten in einem Archivraum, die Feuerwehr konnte ein Ausbreiten der Flammen verhindern. Die Zeitung hatte die Karikaturen am 8. Januar 2015 auf der Titelseite gedruckt. Am Vortag hatten in Paris zwei Islamisten zwölf Menschen ermordet, darunter mehrere bekannte Karikaturisten von „Charlie Hebdo“.

Geständnisse zu Prozessbeginn

Zum Auftakt des Prozesses haben die Angeklagten Teilgeständnisse abgelegt. Drei der vier Männer beteuerten jedoch in schriftlichen Erklärungen, die ihre Anwälte am Montag verlasen, dass sie nicht strenggläubig seien und Gewalt im Namen des Islams ablehnten.

Mohammed-Karikaturen, wie sie Schüler nach dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in der Schule aufhängten oder die Zeitung auf ihrer Titelseite nachdruckte, müssten toleriert werden, erklärte ein 22-Jähriger über seine Anwältin vor dem Landgericht.

Laut Anklage sollen die jungen Männer die Taten im Januar 2015 aus Verärgerung über die Karikaturen verübt haben. Zwei von ihnen sollen zunächst vergeblich versucht haben, die Schule mit Molotowcocktails in Brand zu setzen. In dem Gebäude habe sich auch die Wohnung des Hausmeisters befunden. Darum lautet die Anklage auf versuchte schwere Brandstiftung, die nach Erwachsenenstrafrecht mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden kann.

In der folgenden Nacht zum 11. Januar 2015 legten der Staatsanwaltschaft zufolge alle vier Angeklagten Feuer bei der „Mopo“, ebenfalls aus Verärgerung über die Karikaturen. Die Täter warfen einen Gullydeckel, Schottersteine und Molotowcocktails durch Kellerfenster in einen Archivraum. Die Brandsätze zündeten, Aktenregale fingen Feuer. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern. Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als versuchte Brandstiftung, weil das Gebäude selbst nicht in Flammen aufging. Nach Erwachsenenstrafrecht können dafür bis zu zehn Jahre verhängt werden.

Angeklagte sagen, sie sind nicht religiös

Der 22-Jährige erklärte über seine Anwältin: „Mich haben die Mohammed-Karikaturen überhaupt nicht interessiert.“ Er habe allerdings die Berichterstattung der „Mopo“ über den Hamburger Jugendlichen Bilal als ungerecht empfunden. Es sei schlecht über seinen Freund aus Kindertagen geredet worden. Daraus sei die Idee entstanden, sich an der „Mopo“ zu rächen, ließ der 22-Jährige weiter erklären. Nach Informationen des Hamburger Verfassungsschutzes hatte sich Bilal im Frühjahr 2015 dem Islamischen Staat in Syrien/Irak angeschlossen und war später unter ungeklärten Umständen gestorben.

Er selbst sei christlich aufgewachsen, habe sich aber wegen seiner Hautfarbe in der Kirche diskriminiert gefühlt, erklärte der 22-Jährige. Zum Islam sei er konvertiert, weil es dort solche Diskriminierung nicht gebe. Fundamentalist oder gar Salafist sei er deswegen aber nicht. „Ich bin liberal und für Meinungsfreiheit“, beteuerte der junge Mann mit Dreadlocks. An der eigentlichen Tat sei er nicht beteiligt gewesen.

Nach dem Brandanschlag auf das Archiv der Hamburger Morgenpost lagen verbrannte Dokumente vor dem Verlagshaus.
Nach dem Brandanschlag auf das Archiv der Hamburger Morgenpost lagen verbrannte Dokumente vor dem Verlagshaus. Foto: dpa/Archiv
 

Der Anwalt eines anderen, ebenfalls 22 Jahre alten Angeklagten erklärte, die Vorwürfe der Anklage seien zutreffend. Sein Büro habe es aber nicht geschafft, die schriftliche Erklärung seines Mandanten rechtzeitig fertigzustellen.

Ein 20-Jähriger will laut Erklärung seines Verteidigers nur Schmiere gestanden haben, bei beiden Taten. Vorher habe er jeweils viel Wodka getrunken und könne sich darum nicht an alles erinnern. Als Mittäter von einem „Molli“ redeten, habe er gar nicht gewusst, worum es ging. „Ich kannte das Wort gar nicht.“ Auch der Begriff „Mopo“ habe ihm zunächst nichts gesagt. Er mache zurzeit eine Ausbildung zu seinem „Traumberuf“ Maurer und hoffe, dass ihm das Gericht die Chance auf ein ordentliches Leben gebe. Religion habe für ihn nie eine Rolle gespielt, er gehe auch nicht in die Moschee.

Ein 21 Jahre alter Angeklagter, der in der angegriffenen Schule seinen Hauptschulabschluss gemacht hatte, erklärte, auch für ihn habe Religion keinen großen Stellenwert. „Mein Vater und meine Mutter haben mich weltoffen erzogen.“ Dass er nach dem Anschlag auf die „Mopo“ in einem Chat „hahaha“ geschrieben habe, sei nicht ernst gemeint gewesen.

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