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Helferin aus Kiel : Dalai Lama in Hamburg: „Ich verehre ihn“

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Wenn am kommenden Wochenende der Dalai Lama zu Besuch nach Hamburg kommt, helfen rund 360 Ehrenamtliche bei der Organisation der Veranstaltungen. Auch die Kielerin Doris Seydel ist dabei – aus Dankbarkeit.

Kiel/Hamburg | Es wird sein sechster Besuch in Hamburg auf Einladung des Tibetischen Zentrums – vom 23. bis 26. August kommt der Dalai Lama in die Hansestadt, um unter anderem im Congress Centrum (CCH) Vorträge zu halten. Im Mittelpunkt der Reden des 79-jährigen Friedensnobelpreisträgers und geistigen Oberhauptes der Tibeter werden laut Programm menschliche Werte wie Gewaltlosigkeit, Toleranz, Mitgefühl und Vergebung stehen.

Die Veranstalter erwarten mehr als 20.000 Besucher. Damit dieses Großereignis samt aller logistischen Herausforderungen reibungslos verläuft, arbeiten insgesamt 360 ehrenamtliche Helfer in verschiedenen Bereichen wie Einlass, Besucherservice, Garderobe, Saalaufsicht und Kartenverkauf. Für letztere Aufgabe wird in einigen Tagen auch die Kielerin Doris Seydel zuständig sein. „Ich habe in meinem Leben eine Menge durch den Buddhismus bekommen, und ich bin froh, wenn ich etwas zurückgeben kann“, sagt die 46-Jährige. Per Info-Mail der Veranstalter habe sie vom Besuch des Dalai Lamas erfahren – und sich als Freiwillige gemeldet. Es sei natürlich nur ein kleiner Beitrag.

Ihre erste Berührung mit dem Buddhismus liegt weit zurück. „Ich habe vor 20 Jahren eine sehr eindrückliche Erfahrung gemacht“, erzählt Doris Seydel. „In einer persönlichen Krisensituation erkannte ich, dass ich das Blatt wenden kann, dass der menschliche Geist alle Möglichkeiten hat, und dass nicht nur das Universum unendlich verschachtelt und vernetzt ist, sondern auch im menschlichen Geist alles miteinander zusammenhängt.“ Aufgrund ihres eigenen Hintergrundes hielt sie das Erlebnis zunächst für eine christliche Erfahrung. „Ich habe lange Jahre gebraucht, um – begleitet von vielen Gesprächen – meinen sehr individuellen Weg zu beschreiten.“ Der speist sich aus unterschiedlichen Einflüssen. So widmete sich Doris Seydel unter anderem zusammen mit Freunden der buddhistischen Puja, einem Ehrerbietungsritual, vergleichbar mit einer christlichen Andacht. Über zehn Jahre eignete sie sich Kenntnisse über eine spezielle Meditation mit Namen „Unity in Duality“ an, ein tibetischer Ansatz, unabhängig von Religionszugehörigkeiten.

Die studierte Agraringenieurin beschäftigte sich zudem viel mit Umweltpädagogik. In Projekten mit Grundschulklassen pflanzten die Kinder mit ihr Bäume und bauten Nisthilfen, um in diesem Bereich positive Beiträge zu leisten. „Mir geht es darum, wegzukommen von dem Gedanken, dass wir von der Natur im Denken und im Handeln getrennt sind“, sagt Doris Seydel. „Wir sind eins mit der Natur, und was immer wir anrichten, fällt auf uns zurück, das tun wir uns selbst an.“

Den Dalai Lama verehre sie, weil er die über alle Religionen hinaus gültigen ethischen Werte vertrete. „Es tut gut und ist toll, wenn jemand so von Liebe und Mitgefühl sprechen kann, und dem Hass auf der Welt entgegentritt. Das mache den Dalai Lama sehr wertvoll. „Ich sehe im Buddhismus eine große Chance für die Menschheit, es lässt sich viel daraus lernen – gerade auch hinsichtlich der bestehenden Konflikte in der Welt.“

Für sich persönlich versteht Doris Seydel den Buddhismus so, dass er bei jedem Menschen anders ansetzt. Bei ihr sei er eher Erfahrung über die Praxis und nur wenig über die Theorie. „Man muss bei sich selbst anfangen. Was ich tue, versuche ich aus mir selbst heraus und tiefer emotionaler Verbundenheit zu tun. Das ist leichter gesagt als getan.“ Eine Schlüsselerkenntnis habe sie gewonnen: „Bevor man anderen Menschen helfen kann, muss man erst einmal selbst glücklich werden.“

Die buddhistischen Werte im Alltag zu leben sei schwierig, sehr komplex, erfordere Disziplin. Es gehe darum, das Herz zu öffnen, narzisstische Tendenzen, Eitelkeit und Egoismus zu überwinden. „Es dauert, bis das im Leben funktioniert.“ Viele Menschen verstünden den Buddhismus nur als ein oberflächliches Konzept, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen – „aber darunter brodelt es“. Man müsse durch diesen Prozess durch und sei sein Leben lang immer auf dem Weg. „Ich habe eindrückliche Erfahrungen machen können und mache sie noch.“ Es gebe so viele buddhistische Richtungen und Strömungen, „aber mir geht es um die Essenz“.

Nach einer Einweisung in ihre Aufgabe am kommenden Donnerstag wird Doris Seydel Freitag an der Kasse stehen. In ihrer freien Zeit am Wochenende besucht sie die Veranstaltungen „Menschliche Werte leben“ und „Den Geist zähmen“. „Ich empfinde die Teilnahme als sehr sinnstiftend und bereichernd. Ich hoffe etwas davon in meinen Alltag mitzunehmen, was mir auf meinem Weg hilft.“ Natürlich sei letztlich immer sie selbst gefragt, alles müsse aus ihr selbst heraus kommen. „Aber es sind oftmals kleine Sätze, kleine Hilfen, die bleiben.“

Informationen zum Programm und Karten unter www.dalailama-hamburg.de

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erstellt am 17.Aug.2014 | 18:44 Uhr

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