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Kampf gegen illegale Autorennen : Cruiser-Szene im Fokus: Hamburger Polizei gründet Soko „Auto-Poser“

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Neun Beamte sollen künftig gegen Autotuner und illegale Rennen vorgehen. Kritik kommt nicht nur aus der Opposition.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2017 | 16:12 Uhr

Hamburg | Klare Kante gegen PS-Protzer: Die Hamburger Polizei stellt eine Spezialeinheit auf, um gegen aggressive Autotuner und illegale Rennen vorzugehen. Die „Arbeitsgruppe Poser“ besteht aus neun Beamten, die in den kommenden Wochen ihre Arbeit aufnehmen werden. Nach Angaben von Polizeipressesprecher Timo Zill sollen die Einsatzschwerpunkte dort liegen, wo sich die Cruiser-Szene mit ihren aufgemotzten Karossen am liebsten trifft, also vor allem rund um die Alster, an der Wandsbeker Chaussee, in Allermöhe, in der City Nord sowie in Harburg. Zill: „Wir wollen illegalen Rennen einen Riegel vorschieben.“ Der Kampf gilt aber auch dem Lärm durch heulende Motoren, quietschende Reifen und röhrende Auspuffanlagen.

Die Polizei hat Extrem-Tuner und Bleifüße schon länger im Blick, ging bisher aber eher punktuell gegen Auswüchse vor. So stellten die Ordnungshüter vor zwei Jahren am Jungfernstieg zwei Messtonnen auf, um Kavalierstarts und Kurzstrecken-Kräftemessen unbelehrbarer Autofanatiker einzudämmen. Tatsächlich ist es dort seither zu keinen derartigen Vorfällen mehr gekommen. In anderen Teilen der Stadt geht der lebensgefährliche Leichtsinn allerdings weiter. Zuletzt war im Oktober 2015 in Jenfeld ein Autoinsasse ums Leben gekommen, als bei einem PS-Duell ein Fahrzeug von der Straße abkam.

Die Beamten der Poser-Soko sollen nach Angaben der Polizei in den kommenden Wochen zusätzlich technisch geschult werden, um ihre Kenntnisse zu Motortuning und anderen technischen Manipulationen zu vertiefen. Das Knowhow soll sie in die Lage versetzen, illegal umgebaute Flitzer schon vor Ort zu beschlagnahmen. Bisher kamen die Tuner häufig mit Mängelanzeigen davon. „Das soll eine Lücke in der bisherigen Polizeiarbeit schließen“, heißt es bei der Polizei.

Allerdings gibt es für die Soko kein zusätzliches Personal, vielmehr werden sechs Beamte vom Verkehrsunfalldienst abgezogen, die drei übrigen aus dem Streifendienst. Kritik an dieser Verschiebung kommt von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Landes-Vize Thomas Jungfer: „Wieder eine Zusatz-Aufgabe für die Polizei, und wieder kommt kein zusätzlicher Beamter. Das kann so nicht ewig weiter gehen.“ Das findet auch die Opposition in der Bürgerschaft. FDP-Innenexperte Carl-Edgar Jarchow spricht von „Soko-Wahnsinn“ und sagt: „Diese rot-grüne Schaufenster-Aktion gegen Auto-Poser geht zulasten der wichtigen alltäglichen Polizeiarbeit.“

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