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„Roap“ in der 02-World : Cro lässt Hamburg beben

vom

Punkt 20 Uhr explodierte der Vorhang in der O2-World. Es blitzte, krachte und der Mann mit Panda-Maske legte los. Stilecht in Sneakern, Tarnjacke und Basketballshirts fegte Cro, bürgerlich Carlo Waibel, über die Bühne.

shz.de von
erstellt am 22.Nov.2014 | 11:08 Uhr

Hamburg | Leuchtende Augen, wo man hinschaute in der O2 World, in der Mehrzahl von jungen Mädchen. Der 24-Jährige Sänger, der seine Mischform aus Rap und Pop passend Raop getauft hat, ist ein deutscher Superstar. Seine Lieder haben den Groove des Underground-Hip-Hop, dennoch sind sie Radio- und TV-tauglich. Na klar, ist der DJ im Hintergrund eine Instanz, dennoch bricht Cro mit einer Band mit Gitarre und Schlagzeug die Grenzen auf. Zudem ist er extrem smart, auch wenn oder gerade weil niemand sein Gesicht sieht. Die Songs heißen „Einmal um die Welt“, „Whatever“, „Easy“ oder „Traum“. Es sind beschwingte, unbeschwerte, sommerliche Hits für junge Herzen, angereichert mit einer kräftigen Portion Kreativität. Cro ist Profi, kein juveniler Dilettant. Er ist auch Mediendesigner und Modemacher, zudem begnadeter Selbstvermarkter, der bei einem kleinen Label unter Vertrag steht und dennoch Megaerfolg hat.

Cros' Themen bewegen sich zwischen Amourösität, jugendlicher Freiheit, Fernweh und Freizeitspaß. „R.I.P. Oz“ - der Hamburger Sprayer war kürzlich gestorben - prangte auf seinem Rücken, dann setzte sich Cro ans Klavier, unter der Maske lugte eine Baseballkappe hervor. Die Horden tobten, Arme bewegten sich über anderthalb Stunden chronisch in der Luft, cool rausgeputzte Girls waren in Scharen der Ohnmacht nahe. Es war der Beginn von Cros' Mellow-Tour, die Konfettikanone kam mit dem Glitzerschießen kaum hinterher. Dass Jan Delay ihn als kommende Rap-Zukunft gehypt hat, muss für dieses in Deutschland immer schwer zu verwurzeln gewesene Genre zwischen Subkultur und Feier-

Mainstream keine qualitative Aussage sein. Auch wenn Cros' Lieder einen hohen Wiedererkennungswert haben, darf ihre Halbwertzeit hinterfragt werden. Es ist auch Musik für den Moment. „(Aha) Und alle anderen Girls wären gern wie du...“, raunte Cro im Hit „Traum“ ins Mikro. Momentan wollen alle Jugendlichen so wie er sein.   

Klasse ist allemal, dass der dünne, sportliche Typ aus Baden-Württemberg derben Gangster-Rap à la Bushido und Sido durch seine leichte, für dieses Genre fast schon liebevolle Art transformiert. Dafür ist die gesamte Palette der Darbietung, vom Gesang bis hin zur Bühnenshow aber eher hip als Hip Hop. Mysteriös hingegen das Rätsel um seine Person. Grund der Maske sei, dass er unerkannt bleiben möchte. Cro lebt wieder bei seinen Eltern, unabhängig zwar, aber sehr geerdet und weg vom Starrummel. Es hätte auch gut eine Eisbär-Maske werden können, erzählt er gerne in Interviews. Den Marketingeffekt der Maskerade kennt der gewiefte MC natürlich auch. So oder so: 12.000 junge Fans flippten 100 Minuten komplett aus.           

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