Verwirrung in Hamburg : Corny Littmann ist gegen die Elb-Seilbahn

Sein Zitat wurde aus dem Zusammenhang gerissen. In einem offenen Brief spricht Littmann sich gegen den Bau der Elb-Seilbahn aus.
Sein Zitat wurde aus dem Zusammenhang gerissen. In einem offenen Brief spricht Littmann sich gegen den Bau der Elb-Seilbahn aus.

Er galt als prominenter Vertreter der Initiative für die Elb-Seilbahn. Nun zeigt sich Theaterleiter Corny Littmann in einem offenen Brief verwundert – er wird im Bürgerentscheid dagegen stimmen.

Avatar_shz von
31. Juli 2014, 10:22 Uhr

Hamburg | In einem Info-Prospekt der Ja-zur-Seilbahn-Initiative wird Corny Littmann, Chef des Hamburger Schmidt-Theaters, als einer der prominenten Befürworter des geplanten Großprojekts am Hamburger Hafen zitiert. „Was ich an der Argumentation der Seilbahngegner überhaupt nicht verstehen kann, ist deren Hauptargument, es würden mehr Touristen nach St. Pauli kommen“, ist dort unter seinem Namen zu lesen. Wie die Hamburger Morgenpost am Mittwoch berichtet, stimmt das nicht so ganz: In einem offenen Brief an die Initiative zeigt Littmann sich verwundert. Weder habe er der Verwendung von Bild und Zitat zugestimmt, noch werde er beim Bürgerentscheid für den Bau einer Elb-Seilbahn stimmen.

Corny Littmanns offener Brief im Wortlaut: „Mit einigem Erstaunen habe ich zur Kenntnis genommen, dass ich in Ihren Publikationen (Internet & Print) und in der Hamburger Tagespresse mit Foto und Zitat als einer der prominenten Hamburger Unterstützer Ihres Seilbahnprojekts erwähnt werde. Ich kann mich nicht erinnern, Ihnen dieses Zitat oder ein Foto zur Veröffentlichung und zur Unterstützung Ihrer Initiative zur Verfügung gestellt zu haben.

Wohl habe ich verschiedentlich in der Vergangenheit Pressevertretern auf Anfrage meine Meinung mitgeteilt. So scheint das von Ihnen verwendete Zitat entstanden zu sein. Sehr wohl aber habe ich explizit die Teilnahme an Ihrer Pressekonferenz letzte Woche abgelehnt. Nicht nur diese Tatsache, sondern auch meine von Ihnen zitierte Stellungnahme sind Beleg für meine skeptische Haltung Ihrem Projekt gegenüber. Scheinbar ist in dieser Phase des Bürgerentscheids nur ein ,Ja' oder ,Nein' möglich, differenzierte Meinungen sind nicht (mehr) gefragt.

Genau diese vertrete ich aber: Ich kann mir durchaus ein attraktives Seilbahnprojekt für Hamburg vorstellen. Die von Ihnen vorgeschlagene kurze Fahrtstrecke halte ich gelinde gesagt für unzureichend und Augenwischerei, geht es doch in erster Linie um eine zusätzliche Attraktion für den Besuch zweier Musicaltheater, die ohne Zweifel für das touristische Hamburg eine große Bedeutung haben. Warum sonst auch sollte Stage Entertainment diese Seilbahn betreiben?

Ich bin zu wenig in die Planungen eines Seilbahnprojekts involviert, um beurteilen zu können, ob der Sprung über die Elbe mit Anbindung an das Gartenschaugelände in Wilhelmsburg wirklich ernsthaft geprüft worden ist. Eine solche „große“ Lösung hätte sofort meine Unterstützung und wäre um einiges attraktiver.

Mein zweites grundsätzliches Bedenken richtet sich gegen die alleinige private Betreiberschaft. Ein neues, umweltfreundliches und dazu noch touristisch attraktives Verkehrsmittel gehört nach meiner Meinung in die Hände des Hamburger Verkehrsverbundes, die HADAG-Schiffe nach Finkenwerder sind hierfür ein gutes Beispiel.

So sehr ich also prinzipiell die Idee einer Seilbahn befürworte, so skeptisch bin ich aus den genannten Gründen gegenüber Ihrem Projekt. Deshalb werde ich beim Bürgerentscheid mit ,Nein' stimmen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen