DAK-Gesundheitsreport : Computersucht: 19.000 Arbeitnehmer in Hamburg spielen zu viel

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Laut Studie spielen 84.000 erwachsene Hamburger in einem „riskanten“ Maße.

Laut Studie spielen 84.000 erwachsene Hamburger in einem „riskanten“ Maße.

Insgesamt 53,5 Prozent aller Beschäftigten zocken. Die Videospielsucht wurde erst 2018 als Krankheit anerkannt.

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12. Juli 2019, 11:40 Uhr

Hamburg | Sie lassen sich krankschreiben, machen blau, kommen zu spät oder spielen einfach während der Arbeit am Computer. Zocken bis der Arzt kommt. Bei 19.000 Arbeitnehmern in Hamburg hat die digitale Sucht laut Gesundheitsreport 2019 der DAK bereits ein krankhaftes Stadium erreicht. Wohl nur die Spitze eines Eisbergs.

Arbeitsleistung und Sozialleben leiden

Denn der DAK Studie zufolge spielen insgesamt 53,5 Prozent aller Beschäftigten, Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren, auf dem Computer. 84.000 erwachsene Hamburger zocken demnach in einem „riskanten“ Maße, also knapp unterhalb des Krankheitslevels. Auch sie torkeln unkonzentriert, abgelenkt und demotiviert an ihrer Umwelt vorbei. Große Arbeitsleistungen oder soziales Engagement sind da kaum zu erwarten.

Videospielsucht ist seit 2018 eine Krankheit

Was krank, riskant oder normal ist, ist immer eine Sache der gesellschaftlichen Bewertung. „Internet Gaming Disorder“ oder Videospielsucht, wie es die DAK übersetzt, wurde erst vor einem Jahr von der WHO als Krankheit definiert und mit dem Code 6C51 in die neue Krankheitstabelle ICD-11 mit aufgenommen.

Doch ob die digitale Spielsucht eine eigenständige Erkrankung ist oder nur Folgeerscheinung von Depressionen oder Angststörungen, bleibe damit unbeantwortet, kritisiert der Psychologe Andy Przybylski von der Universität Oxford. Es bestünde die Gefahr des Missbrauchs solcher Diagnosen, warnte er laut Ärzteblatt.

Weiterlesen: Gesundheitsreport: Mehr psychisch Kranke in SH

Die meisten Krankmeldungen aufgrund von psychischen Störungen

Unter den Diagnosen bei Krankmeldungen liegen in Hamburg weiterhin die psychischen Störungen mit einem Anteil von 18,6 Prozent auf dem Spitzenplatz. Knapp dahinter folgen Krankschreibungen wegen Beschwerden in Muskeln oder Knochen. Die alarmierende Zunahme von psychischen Erkrankungen in den vergangenen Jahren ist der aktuellen DAK-Statistik zufolge bereits seit 2014 zum Erliegen gekommen.  

Weiterlesen: Mehr Kranke als im Landesschnitt

Mit durchschnittlich 2,89 Krankheitstagen pro Arbeitnehmer wegen psychischer Beschwerden wurde 2014 der höchste Stand registriert. In 2018 verzeichnete die DAK nur noch 2,56 Fehltage durchschnittlich wegen Diagnosen dieser Art. Besonders betroffen sind dem Zahlenwerk zufolge Menschen, die an einer Substanzstörung leiden, also zu viel Alkohol trinken, häufig kiffen, Ecstasy-Pillen schlucken oder sich die weißen Linien in die Nase ziehen.

Konsum von illegalen Substanzen

Aber nicht nur seelisch macht sich der hohe Konsum riskanter Substanzen bemerkbar, „Erwerbstätige mit Substanzstörung haben einen mehr als doppelt so hohen Krankenstand“, schreibt die Autoren der Studie. Auch körperliche Krankheiten wurden bei Patienten mit Substanzmissbrauch deutlich häufiger diagnostiziert.

Der gesamte durchschnittliche Krankenstand lag im vergangenem Jahr bei 3,8 Prozent und damit so hoch wie bereits in 2001. Die DAK hat für ihren aktuellen Gesundheitsreport die Daten von rund 75.000 erwerbstätigen Versicherten in Hamburg ausgewertet und in einer Online-Befragung 216 Menschen interviewt.

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