Hamburg : City-Hof-Streit: Unesco schickt Experten

<p>Die vier Hochhäuser des City-Hofs sind seit mehreren Wochen geräumt. Zum Schutz vor Vandalismus hat die Stadt Fenster und Türen in den unteren Geschossen mit Spanplatten vernageln lassen.</p>

Die vier Hochhäuser des City-Hofs sind seit mehreren Wochen geräumt. Zum Schutz vor Vandalismus hat die Stadt Fenster und Türen in den unteren Geschossen mit Spanplatten vernageln lassen.

Die Stadt will die vier Hochhäuser abreißen lassen, Denkmalfreunde wehren sich.

shz.de von
06. August 2018, 19:08 Uhr

Hamburg | Im Streit um den geplanten Abriss des City Hofs am Hamburger Hauptbahnhof naht die Entscheidung: Am 30. August kommt eine Expertenkommission im Auftrag der Unesco nach Hamburg, um mögliche negative Folgen für das benachbarte Weltkulturerbe Kontorhausviertel zu prüfen. Laut Kulturbehördensprecherin Anja Bornhöft wollen die Experten der Beratungsorganisation Icomos International sich ein Bild davon machen, „inwieweit das City-Hof-Gebäude zum außergewöhnlichen universellen Wert der Hamburger Welterbestätte Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus beiträgt“.

Die vier Hochhausscheiben des City Hofs aus den 1950er Jahren gehörten nicht zum Ensemble des einzigen Hamburger Weltkulturerbes selbst, liegen aber in dessen Pufferzone.

Stadt will Hochhäuser abreißen lassen

Die Hansestadt will den City Hof trotz Denkmalschutzes dem Erdboden gleichmachen lassen und hat das städtische Grundstück an das Bauunternehmen Aug. Prien verkauft. Dieses plant auf dem Areal in unmittelbarer Nähe zu Chilehaus und Meßberghof einen Neubau in Form eines kompakten Backsteinriegels. Mittlerweile sind die Hochhäuser geräumt, über den Abrissantrag hat die Kulturbehörde noch nicht entschieden. 

Gegen die Pläne laufen Denkmalfreunde seit Jahren Sturm. Sie pochen auf den Denkmalschutz und sehen den in die Jahre gekommenen Büro-Komplex als unwiederbringliches architektonisches Erbe der Nachkriegsarchitektur. Der rot-grüne Senat gibt sich gleichwohl unbeirrt. Der jetzige Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte die Gebäude noch als Finanzsenator als „Schrottimmobilie“ bezeichnet. Das Eingreifen der Unesco ist nun die womöglich letzte Chance für die Befürworter eines Erhalts. 

Ob ein Abriss der Nachkriegsbauten die Bedeutung des benachbarten Welterbes schmälern würde, ist umstritten. Ein Gutachten der Kulturbehörde sieht keine negative Folgen für den  universellen Wert des Kontorhausviertels. Dieser Einschätzung hat Icomos aus der Entfernung  widersprochen, weshalb der Senat deren Vertreter zum Vor-Ort-Termin eingeladen hat.

Anhörung hinter verschlossenen Türen

Nach Angaben der Behördensprecherin wird die Beraterkommission am 30. August die Örtlichkeit in der Innenstadt begehen, mit Vertretern der Fachbehörden zusammenkommen und in einer Anhörung die Argumente von Abrissgegnern und der Bürgerschaftsfraktionen zur Kenntnis nehmen. All das geschieht hinter verschlossenen Türen, Öffentlichkeit und Medien sind nicht zugelassen. 

Im Anschluss an die eintägige Hamburg-Visite erstellt Icomos ein eigenes Gutachten für das Unesco-Welterbezentrum. „Wir gehen von einem positiven Ergebnis für die Stadt aus“, sagt Anja Bornhöft. Was aber, wenn es anders käme? Die Sprecherin: „Die Entscheidung, was als nächstes geschieht, liegt dann bei der Unesco.“ 

Der Fall erinnert an den Streit um den Bau der Waldschlösschenbrücke über die Elbe, an dessen Ende die Unesco dem Dresdner Elbtal 2009 den Welterbetitel entzogen hatte

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