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Trends 2017 : Chatbot: Ein Roboter mit Gesprächsbedarf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einige der Digital-Trends des kommenden Jahres.

von
erstellt am 30.Dez.2016 | 18:08 Uhr

Eier, Karotten und Hühnchen, was lässt sich daraus wohl zaubern? „Hausgemachte Hühnchen-Nudeln“, schlägt der Rezept-Bot „Dinner Ideas“ im Zwiegespräch via Facebook-Messenger vor. Dazu braucht es aber noch Nudeln, Zwiebeln, Sellerie und diverse Gewürze, wenn man sich an das Rezept halten möchte. Der zweite Vorschlag des Programms offenbart, dass der Bot noch ein bisschen pauken muss: Zucchini mit Erbsen, Crème fraîche, Pesto und Parmesan-Käse. „Lazy Girl’s Zucchini Spaghetti“ heißt das Gericht. Dabei ist es nichts für faule Mädchen – den Einkauf erspart der digitale Helfer nämlich nicht. „Noch hat die Technologie für viele Anbieter und Nutzer Experimentiercharakter“, sagt May-Lena Bork, Digitalexpertin der Standortinitiative nextMedia.Hamburg. „Wir sind an einem Punkt, an dem es bereits gut funktioniert, aber noch nicht ganz reibungslos. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird das schon ganz anders sein.“ Tippfehler, Abkürzungen – das muss ein Chat-Bot erst lernen zu deuten.

Während hierzulande noch viel nachzuholen sei, sei man in Asien und den USA deutlich weiter, so Bork. Dort sitzen die großen Tech-Konzerne, die mit der Technologie experimentieren und die Entwicklung vorantreiben. Facebook zum Beispiel öffnet seinen Messenger nicht nur für automatisierte Chat-Programme aus der eigenen Entwicklerstube, sondern inzwischen auch für Drittanbieter. Es werde spannend sein zu sehen, wie sich soziale Netzwerke künftig entwickelten, sagt Bork: weg von der Timeline hin zum Messenger. „Die Nutzer ziehen sich immer mehr in geschlossene Chats beziehungsweise in Messenger zurück“, erklärt Bork. „In der Timeline findet viel statt, was nicht interessiert, der Kontakt im Messenger ist viel persönlicher und kann individueller auf die jeweilige Person zugeschnitten werden.“

Immer mehr Unternehmen lassen Service-Bots einfache Kundenanfragen beantworten. „Wiederkehrende Themen und Anfragen können die meisten Chatbots schon gut beantworten“, sagt Bork. Immer mehr Bots werden auch für die deutsche Sprache fit gemacht. Und auch Start-ups, die Bots entwickeln und die Technologie verkaufen wollen, sprießen inzwischen auch hierzulande aus dem Boden – auch im Norden: Mit dem Chatbot „Emma“, der über den Facebook Messenger seinen Gesprächspartnern beim Online-Shopping hilft, haben sich zwei ehemalige Kieler Studenten im Jahr 2015 selbstständig gemacht.

Doch in den Alltag der Nutzer scheinen die digitalen Helfer noch nicht vorgedrungen: Laut einer Umfrage von nextMedia.Hamburg hatten drei Viertel der Internetnutzer bislang noch keinen Kontakt zu einem Chatbot – glauben sie zumindest. „Noch können Nutzer dies meist unterscheiden, und die Chatbots sind im Messenger auch entsprechend gekennzeichnet“, sagt Bork. „Das wird aber zunehmend schwieriger.“ Und für diesen Fall brauche es Regeln: Muss für den Nutzer erkennbar sein, ob er mit einem Computerprogramm oder einem Menschen kommuniziert? „Die Unternehmen sollten ein Interesse daran haben, das transparent zu machen“, sagt Bork. Insbesondere dann, wenn ein Bot noch fehleranfällig sei, könne er ein schlechtes Licht auf die Seriosität des Unternehmens werfen. Und auch das Vertrauen der Kunden solle nicht aufs Spiel gesetzt werden, wenn vorgegaukelt werde, dass am anderen Ende ein Mensch sitzt.

Doch im Zweifel brauche es irgendwann rechtliche Regelungen. „Die Möglichkeit, sich an einen menschlichen Kontakt wenden zu können, bleibt weiter wichtig“, sagt Bork. „Es gibt immer Fälle, die das erste Mal auftauchen“, ein Bot könne dann nicht antworten, weil er nie gelernt habe wie. Für Anwendungsbereiche wie Seelsorge zum Beispiel sei ein Bot schwer vorstellbar, sagt Bork, auch wenn laut der Umfrage immerhin sechs Prozent der befragten Internetnutzer erklärten, unangenehme Themen unpersönlicher und damit in einer gefühlten Anonymität klären zu können. „Das sehe ich extrem kritisch“, sagt Bork, doch im Falle einer Krise könne ein Bot bei der Suche nach Anlaufstellen gute Dienste leisten. Bis zu einem gewissen Punkt könne man einem Computer zwar sogar Empathie antrainieren, indem er passend formuliert zu antworten lernt, „er wird aber nie gleichwertig zu menschlichem Kontakt sein“.

Weitere Netzwelt-Themen für das Jahr 2017

Musik-Streaming
Vernetzte Lautsprecher verdrängen die klassischen Musik-Anlagen. Der Grund: Immer mehr Nutzer holen sich die Musik nicht mehr von CDs, sondern von Streaming-Diensten wie Spotify, Apple Music oder Napster. Das öffnete die Tür für neue Herausforderer, die klassischen Hifi-Anbietern Konkurrenz machen. Inzwischen geraten aber auch die jungen Anbieter selbst unter Druck, weil Google und Amazon vernetzte Lautsprecher zur Steuerung des vernetzten Heims etablieren wollen.

Smart Home
 Das vernetzte Zuhause wird mit immer mehr Geräten mit Internet-Anschluss zur Realität. Den Anfang machten smarte Lampen, Heizungen und Steckdosen, inzwischen wird alles mögliche vom Kühlschrank bis zum Wassersensor im Pool vernetzt. Ein Problem bleibt oft die Kommunikation zwischen der  Technik verschiedener Anbieter – einheitliche Standards wie in anderen Elektro-Bereichen gibt es nicht. Zudem legten Hacker-Angriffe gravierende Sicherheitsprobleme vor allem bei günstigen Geräten offen.

Virtuelle Realität
Im Jahr 2016 kamen diverse Brillen  auf den Markt, mit denen Nutzer in digitale Welten eintauchen können.  Doch sie blieben bislang ein Nischenprodukt, das meist für Spiele genutzt wird.  Angebote wie die virtuelle Wohnungsbesichtigung oder ein Blick ins Hotel bei der Urlaubsbuchung blieben bisher eine Vision. Der hohe Preis der meisten Geräte bleibt eine Einstiegshürde.

Mit dpa

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