Wegen Gleisbauarbeiten : Chaos am Hamburger Hauptbahnhof: Politik macht der Bahn Dampf

112 Jahre alt ist der Hamburger Hauptbahnhof mittlerweile. Das Fahrgastaufkommen steigt, doch Bahnsteige und Treppen sind so eng wie eh und je.
Bahnsteige und Treppen sind dieser Tage so eng wie eh und je.

Derzeit fahren die Linien S3 und S31 zwischen Wilhelmsburg und Harburg nicht. Das sorgt für volle Züge und Bahnsteige.

von
08. August 2018, 16:43 Uhr

Hamburg | Eng ist es am Hamburger Hauptbahnhof eigentlich immer. Doch was sich seit Anfang August im Nadelöhr des norddeutschen Bahnverkehrs abgespielt hat, übertraf selbst das übliche Gedränge um einiges. Nicht nur Tausenden Bahnpendlern aus dem Süden, auch SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf platzte der Kragen. Er twitterte erbost: „Wünsche jedem hoch bezahlten HVV- oder S-Bahn-Manager das mal persönlich zu erleben. Das wird aufgearbeitet, und zwar konsequent. Das verspreche ich.“

 

In den vergangenen Tagen waren Bahnsteige proppenvoll, angesichts der Enge und der Hitze beklagten sich viele Reisende über unzumutbare Zustände. Zeitweise sperrten Bahn und Bundespolizei Treppenaufgänge und schickten zusätzliches Personal an die Gleise, um die Ordnung wiederherzustellen.

Auslöser sind Gleisbauarbeiten an der S-Bahnstrecke Richtung Harburg. Seit gut einer Woche fahren keine Züge der Linien S3 und S31 zwischen Wilhelmsburg und Harburg Rathaus, weshalb Einpendler aus Richtung Harburg/Stade umsteigen müssen. Wegen des langwierigen Bus-Ersatzverkehrs bevorzugen viele Passagiere dabei Fernzüge sowie die Vorortlinie Metronom.

In der Folge waren viele dieser Bahnen überfüllt und verspätet, an den überlasteten Bahnsteigen im Hauptbahnhof ging es weder vor noch zurück. Zusätzlich erschwert wurde die Lage durch viele Urlaubsreisende und Tagestouristen sowie die am Mittwoch beendete Sperrung der Bahnsteigkante an Gleis 11. 

Die Metronom-Eisenbahngesellschaft hat das Baustellenmanagement der Bahn unverhohlen kritisiert: „Wir haben unsere Bedenken zu dieser Planung geäußert“, sagte Metronom-Sprecher Björn Pamperin. Die DB Netz sei darauf aber nicht eingegangen. Die Metronombetreiber fordert für die Zukunft eine engere Abstimmung über Bauarbeiten der Bahn.

Die Bahn will mögliche Fehler bei der Baustellenplanung nicht ausschließen und hat sich bei den Fahrgästen entschuldigt. Die Häufung von Bauarbeiten in den Sommerferien geschehe allerdings bewusst, weil dann weniger Pendler unterwegs seien. Eine Sprecherin sagte: „Wir werden die Situation im Nachgang aufarbeiten.“ Das erwartet auch Kienscherf. Er will die Verantwortlichen von Bahn und S-Bahn auf die Vorfälle ansprechen, um für die Zukunft bessere Lösungen zu finden.

Am kommenden Wochenende wird sich die Situation auf der S3 nochmals verschärfen, da die Strecke zwischen Hammerbrook und Wilhelmsburg nur eingleisig befahrbar sein wird. Die Bahn verlängert den Schienenersatzverkehr deshalb bis Hammerbrook. Die Gleisbauarbeiten sollen noch bis zum Mittwoch nächster Woche dauern. 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen