Nach Methadon-Tod : Chantal-Prozess: Urteil verschoben

Die beiden Angeklagten im Prozess wegen fahrlässiger Tötung im Landgericht in Hamburg, zwischen ihnen steht der Anwalt des Angeklagten, Udo Jacob. Knapp zwei Jahre nach dem Tod der elfjährigen Chantal durch eine Methadon-Tablette müssen sich die Pflegeeltern vor dem Hamburger Landgericht verantworten.
Die beiden Angeklagten im Prozess wegen fahrlässiger Tötung im Landgericht in Hamburg, zwischen ihnen steht der Anwalt des Angeklagten, Udo Jacob. Knapp zwei Jahre nach dem Tod der elfjährigen Chantal durch eine Methadon-Tablette müssen sich die Pflegeeltern vor dem Hamburger Landgericht verantworten.

Überraschung im Chantal-Prozess: Unmittelbar vor der Urteilsverkündung hat der Anwalt des Pflegevaters neue Beweisanträge gestellt. Jetzt kann ein Urteil frühestens Anfang Februar fallen.

shz.de von
25. Januar 2015, 12:36 Uhr

Im Prozess um den Methadon-Tod der elfjährigen Chantal hat das Hamburger Landgericht die für Montag geplante Urteilsverkündung verschoben. Es seien neue Anträge der Verteidigung der Pflegeeltern eingegangen, über die zunächst beraten und entschieden werden müsse, teilte das Gericht mit.

Es seien neue Verhandlungstermine für den 5. und 13. Februar angesetzt worden. Es sei aber möglich, dass das Urteil bereits am 5. Februar gesprochen werde. Zum Inhalt der am Montag eingegangenen Anträge der Verteidiger machte das Gerichts keine Angaben.

Für den 54 Jahre alten Pflegevater hat die Staatsanwaltschaft eine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen fahrlässiger Tötung und Vernachlässigung der Fürsorgepflicht gefordert. Die 50-jährige Pflegemutter soll nach Willen der Anklage zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt werden. Die Verteidiger haben einen Freispruch für die Pflegeeltern gefordert.

Chantal war am 16. Januar 2012 an einer Methadon-Überdosis gestorben. Das Mädchen soll in der Wohnung seiner drogenabhängigen Pflegeeltern in Hamburg-Wilhelmsburg Zugang zu der Heroin-Ersatzdroge Methadon bekommen haben.

Der 54-Jährige hatte Chantal, die sich am Vorabend erbrochen hatte, sich selbst überlassen. Er war am nächsten Tag zur Arbeit gegangen - ohne den Notarzt zu verständigen oder zumindest seine Lebensgefährtin zu informieren. Die hatte den vorherigen Tag sowie die Nacht außer Haus verbracht. Am Nachmittag des 16. Januars 2012 fand die Pflegemutter das Mädchen bewusstlos und mit blauen Lippen im Bett.

Chantal starb kurz darauf an den Folgen einer Methadonvergiftung in der Klink Altona. Rechtsmediziner Klaus Püschel bestätigte im Prozess, dass die Elfjährige „mit Sicherheit“ überlebt hätte, wenn der Pflegevater Chantal wachgehalten oder den Arzt gerufen hätte.

Der Staatsanwalt warf den drogenabhängigen Pflegeeltern vor, die Heroinersatzdroge Methadon offen in der Wohnung gelagert zu haben. Die Verteidigung sprach von einem Unfall.

Seit Dezember vergangenen Jahres müssen sich die Angeklagten vor Gericht verantworten. Im Prozess kam es immer wieder zu widersprüchlichen Zeugenaussagen: Bekannte der Familie erzählten, dass Chantal in einfachen, aber tadellosen Verhältnissen gelebt habe. Polizisten beschrieben hingegen „extreme Zustände“ in der Wohnung.

Dem Jugendamt wurden schwere Fehler vorgeworfen. Die Leiterin des Jugendamtes und der Chef des Bezirksamtes Hamburg-Mitte räumten ihre Posten.

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