Nach Methadon-Tod : Chantal-Prozess in Hamburg: Anklage fordert Haftstrafe für Pflegevater

Vor genau drei Jahren starb das elfjährige Mädchen an einer Methadon-Vergiftung. Der Staatsanwalt sagt: „Es war eine sehr schwere Straftat“.

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16. Januar 2015, 08:28 Uhr

Hamburg | Im Hamburger Prozess um den Methadon-Tod der elfjährigen Chantal hat der Staatsanwalt zwei Jahre und sechs Monate Haft für den Pflegevater wegen fahrlässiger Tötung gefordert. „Es war kein bedauernswerter Unfall, sondern eine sehr schwere Straftat“, sagte Staatsanwalt Florian Kirstein am Freitag vor dem Landgericht.

Die ebenfalls angeklagte Pflegemutter soll nach dem Willen der Anklage wegen Vernachlässigung des Kindes eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten erhalten.

Das Urteil wird in der kommenden Woche erwartet. Die Verhandlung am Freitag sollte am Nachmittag mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt werden.

Chantal war vor genau drei Jahren, am 16. Januar 2012, an einer Methadon-Überdosis gestorben. Das Mädchen soll in der Wohnung im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg über seine drogenabhängigen Pflegeeltern Zugang zu der Heroin-Ersatzdroge bekommen haben.

Seit Dezember vergangenen Jahres müssen sich der 54-jährige Mann und die 50 Jahre alte Frau vor Gericht verantworten. Im Prozess kam es immer wieder zu widersprüchlichen Zeugenaussagen: Bekannte der Familie erzählten, dass Chantal in einfachen, aber tadellosen Verhältnissen gelebt haben soll. Polizisten beschrieben hingegen „extreme Zustände“ in der Wohnung.

Laut Anklage hatte sich der Pflegevater am Morgen nach der Drogeneinnahme nicht um das im Sterben liegende Mädchen gekümmert. Das Kind hätte nach Ansicht eines Rechtsmediziners überlebt, wenn der Mann Chantal wachgehalten oder den Arzt gerufen hätte.

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