Idee zur Verkehrswende : CDU will Hamburger Straßen durch Leih-Boote auf der Alster entlasten

<p>So stellt sich die CDU die Stadtboote vor.</p>

So stellt sich die CDU die Stadtboote vor.

Ein Verleihsystem wie bei Fahrrädern soll es geben. Die Boote haben einen Elektromotor, gespeist von Solarzellen.

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10. Oktober 2018, 20:58 Uhr

Hamburg | So wie man Fahrräder im gesamten Stadtgebiet ausleihen kann, soll man künftig auch Boote auf der Binnen- und Außenalster ausleihen können, um vergleichsweise stressfrei und ohne Staugefahr von A nach B zu kommen. Das zumindest schlägt die CDU-Fraktion vor, die einen entsprechenden Antrag  schon bald in die Bürgerschaft einbringen möchte.

Verkehrsexperte Dennis Thering (CDU) möchte das Leihsystem für Boote − kurz „Stadtboot Hamburg“ − analog zum Ausleihsystem „Stadtrad Hamburg“ einführen, das eine echte Erfolgsgeschichte sei. Aktuell gebe es 2450 Leihräder, 200 Stationen und mehr als 450.000 Kunden. Mobilität müsse aber weitergedacht werden. Thering: „Wir wollen Hamburgs Rolle als Wasserstadt stärker in den Fokus verkehrspolitischer Überlegungen rücken. Das gibt‘s in dieser Form in keiner anderen deutschen Stadt“.

Ohne Führerschein aufs Wasser

Durch eine ausreichend große Flotte und ein bedarfsorientiertes Angebot an Anlegestellen rund um Binnen- und Außenalster sowie den angrenzenden Fleeten und Kanälen könnten Interessierte von A nach B gelangen. An bis zu acht Anlegern könnten die Hamburger jeweils zehn Boote ausleihen. Bei einer Motorisierung von 15 PS wäre kein Führerschein erforderlich.

Die Registrierung und Bezahlung soll online erfolgen. „Wie bei ‚Stadtrad‘ könnte die erste halbe Stunde kostenlos sein, anschließend würde per Kilometer oder Zeit abgerechnet.“ Alle Boote sollten nach Vorstellungen der CDU mit elektrischem Antrieb ausgestattet werden und ihre Energie über Solarzellen auf den Minidächern beziehen. Thering: „Die Hamburger sind stolz auf ihre Alster. Wir wollen sie jetzt für alle noch erlebbarer machen. Jeder Weg wäre ein Erlebnis und die völlig überfüllten Busse und Straßen ein Stück weit entlastet“. Dank Elektroantrieb würde „das wegweisende Projekt auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und die Luft in unserer Stadt sauberer machen“, so Thering.

Kommentar: Charmant, aber unrealistisch

Die Idee der CDU ist witzig und hat Charme. Sie ist aber wenig realistisch. Denn zum einen müsste erst einmal ein Betreiber gefunden werden, der die Idee verwirklichen möchte und sich vorstellen kann, damit Geld zu verdienen. Zum anderen aber ist die Idee nicht geeignet, den Verkehr auf der Straße zu entlasten. Dafür reicht die geplante Zahl von Booten bei weitem nicht aus. Vor allem aber ist der Streckenradius auf Binnen- und Außenalster viel zu gering. Mehr als ein Freizeitvergnügen für Hamburger und Touristen würden die Stadtboote deshalb wahrscheinlich nie werden können. Die größte Hürde aber ist der rot-grüne Senat. Er wird die Idee ablehnen, schon weil sie nicht von ihm ist. So geht Parteipolitik.

Barbara Glosemeyer

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