zur Navigation springen

Bürgerschaftswahl in Hamburg 2015 : CDU verliert Stimmen an alle Parteien

vom

Die CDU verliert, die AfD zieht vorallem Nichtwähler an. Die SPD muss sich einen Koalitionspartner suchen und liebäugelt mit den Grünen.

Hamburg | Die CDU hat bei ihrer Wahlniederlage in Hamburg an fast alle anderen Parteien Stimmen verloren. Mit 9000 Wählern wechselte die größte Gruppe im Vergleich zur Wahl 2011 zur FDP, wie eine Statistik des Wahlforschungsinstituts Infratest dimap zeigt.

Mit jeweils 8000 Wählern profitierten auch die regierende SPD und die neu in die Bürgerschaft eingezogene AfD vom Einbruch der CDU. Die Partei um Spitzenkandidat Dietrich Wersich hatte am Sonntag mit 15,9 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Auch die SPD musste trotz ihres Wahlerfolgs Verluste hinnehmen.

Der Zuwachs von der CDU konnte das Minus gegenüber den anderen Parteien nicht ausgleichen. Allein 7000 SPD-Wähler von 2011 machten ihre Kreuzchen diesmal bei der AfD und trugen so dazu bei, dass die Sozialdemokraten diesmal auf einen Koalitionspartner angewiesen sind.

Die SPD habe bei der Bürgerschaftswahl nur knapp eine erneute absolute Mehrheit verpasst, sagte Scholz am Montag in Berlin. „Damit ist auch eine inhaltliche Botschaft verbunden, wie die Stadt sich weiter entwickeln soll.“ Er sei optimistisch, dass die Verhandlungen über Rot-Grün zum Erfolg führten.

Auf die Frage, ob er aus seinem erneuten klaren Wahlsieg eine stärkere Rolle in der Bundes-SPD ableite, sagte der 56-Jährige lapidar: „Ich bin stellvertretender SPD-Vorsitzender.“ Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel betonte bei der Übergabe des obligatorischen Blumenstraußes: „Ihr habt wenig versprochen, alles gehalten und vor allem gezeigt, dass wirtschaftliche Kompetenz und soziale Kompetenz keine Gegensätze sind, sondern zusammengehören.“ Mit Blick auf die Umfragewerte von rund 25 Prozent im Bund betonte Gabriel, zwar sei die SPD im Norden stark, aber im Süden und Osten noch zu schwach.

Die rechtskonservative AfD, die erstmals in Hamburg antrat, mobilisierte zudem 8000 Nichtwähler sowie 9000 Wähler, die 2011 für Parteien gestimmt hatten, die nicht ins Parlament kamen. Geringer fiel ihr Zuwachs von FDP (4000), Grünen und Linken (je 1000) aus.

Trotzdem hängt bei der AfD nach der Hamburg-Wahl der Haussegen schief. Während der Vize-Vorsitzende Hans-Olaf Henkel das Wahlergebnis von 6,1 Prozent am Montag als Bestätigung für seinen wirtschaftsliberalen Kurs wertete, übte der rechtskonservative Flügel Kritik. Mit Blick auf die noch weit erfolgreicheren Wahlen im Spätsommer in Ostdeutschland sagte der Co-Parteichef Konrad Adam im Interview der Yahoo-Nachrichten: „Man sollte den im Osten erfolgreichen nationalkonservativen Flügel nicht weiter abtöten.“ Die Co-Vorsitzende Frauke Petry sagte der „Welt“ (Montag), die AfD hätte in Hamburg besser abgeschnitten, wenn sie stärker auf „originäre AfD-Inhalte wie innere Sicherheit, Islam und Zuwanderung gesetzt hätte“. Henkel erklärte dagegen, ohne die in der öffentlichen Wahrnehmung zu große Nähe der AfD zur islamkritischen Dresdner Pegida-Bewegung hätte die Partei mehr Sitze in der Hamburger Bürgerschaft errungen.

Die FDP profitierte am stärksten von ehemaligen CDU-Wählern. Nachdem der Wiedereinzug der Liberalen in die Bürgerschaft lange auf der Kippe gestanden hatte, wechselten 9000 CDU-Wähler zur FDP.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Feb.2015 | 11:54 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen