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Bundestagswahl 2017 : CDU Hamburg zieht ohne Spitzenfrauen in den Wahlkampf

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Die CDU Hamburg hat die viele Frauen unter den Mitgliedern - aber keine bekommt einen sicheren Listenplatz.

Hamburg | Die CDU Hamburg zieht ohne eine einzige Frau auf einem aussichtsreichen Listenplatz in den Bundestagswahlkampf. Obwohl die Partei in der Hansestadt nach Angaben ihres Vorsitzenden Roland Heintze mit 38,5 Prozent den bundesweit höchsten Frauenanteil hat, gingen am Donnerstag alle als sicher geltenden Plätze für die Wahl 2017 an Männer. Proteste aus der Frauen- und Senioren-Union sowie von weiblichen Bürgerschaftsabgeordneten und auch einigen Männern nützten ebenso wenig wie eine Kampfkandidatur.

„Es kann nicht sein, dass wir im 21. Jahrhundert Frauen ausschließen“, hatte die Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver noch gewarnt - und ihre Kollegin Karin Prien betonte: „Wir unterbieten mit diesem Listenvorschlag den absoluten Mindeststandard bei der Gleichstellung.“ Die Landesvertreterversammlung trotzte dennoch den Vorgaben der CDU-Bundessatzung, alle drei Plätze mindestens eine Frau zu nominieren. Die Delegierten hielten sich stattdessen an den Vorschlag des sogenannten 17er-Wahlausschusses, einem erweiterten Parteivorstand - was die Vorsitzende der Frauen-Union Hamburg, Marita Meyer-Kainer, einen „klaren Verstoß gegen die Statuten“ nannte.

Auf Listenplatz eins setzten die Delegierten erwartungsgemäß den familienpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg (Altona). Der 49 Jahre alte frühere Hamburger Parteichef erhielt ohne Gegenkandidat 109 von 138 gültigen Stimmen. 27 votierten gegen ihn, 2 enthielten sich. Das entspricht einer Zustimmung von rund 79 Prozent. Auch Platz zwei ging ohne Gegenkandidat an den Mann: Der Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse (Eimsbüttel) kam auf 102 von 136 gültigen Stimmen, was einer Zustimmung von 75 Prozent entspricht.

Das Gerangel um ein sicheres Ticket nach Berlin kumulierte bei der Wahl von Listenplatz drei: Entgegen dem vom 17-er Wahlausschuss verabschiedeten Listenvorschlag trat die nicht mehr mit einem sicheren Platz bedachte Bundestagsabgeordnete Herlind Gundelach in einer Kampfkandidatur gegen Parteivize Christoph de Vries an - und verlor. Die 67-jährige frühere Wissenschaftssenatorin, die 2013 über Platz drei noch problemlos den Einzug in den Bundestag schaffte, bekam im Bürgerhaus Wilhelmsburg nur 54 Stimmen - während der 25 Jahre jüngere Ex-Bürgerschaftsabgeordnete de Vries 85 Stimmen erhielt.

Die einzige weibliche Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete Gundelach kann nun aller Voraussicht nach ihre Hoffnungen auf einen Wiedereinzug in den Bundestag begraben, da sie als Direktkandidatin in ihrem Wahlkreis Harburg-Bergedorf gegen den SPD-Kandidaten Metin Hakverdi als chancenlos gilt. Gundelach verzichtete im Anschluss auf eine weitere Kandidatur für einen sicheren Listenplatz. Der letzte aussichtsreiche Platz vier ging ohne Gegenkandidat an den CDU-Vize und Bezirksabgeordneten Christoph Ploß. Der 31-Jährige erhielt 92 von 134 gültigen Stimmen, was einer Zustimmung von knapp 69 Prozent entspricht.

Die CDU Hamburg mit ihren rund 7000 Mitgliedern ist derzeit mit fünf Abgeordneten im Bundestag vertreten. Gundelach, Weinberg, Kruse und Jürgen Klimke kamen 2013 über die Landesliste nach Berlin. Ein Abgeordneter, Dirk Fischer, konnte ein Direktmandat erringen. Er und Klimke treten 2017 nicht mehr an. Ein neues Direktmandat gilt in der SPD-Hochburg Hamburg ebenso unwahrscheinlich wie laut bisherigen Wahlumfragen ein fünftes Mandat über die Landesliste. 2013 kam die CDU in Hamburg bei den Zweitstimmen auf 32,1 Prozent.

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erstellt am 09.Dez.2016 | 13:06 Uhr

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