Beschwerde gegen den Airport : BUND sammelt 15.000 Unterschriften gegen Nachtflüge in Hamburg

Wenn es dunkel wird über Hamburg, ist mit dem Fluglärm noch lange nicht Schluss.
Wenn es dunkel wird über Hamburg, ist mit dem Fluglärm noch lange nicht Schluss.

Der Umweltverband kritisiert, dass der Fluglärm in der Nacht zugenommen hat und fordert ein Flugverbot ab 22 Uhr.

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19. September 2017, 17:31 Uhr

Hamburg | Dauerthema Fluglärm – gestern ist der Druck auf Senat und Flughafen nochmals deutlich gestiegen. Der Umweltverband BUND hat der Bürgerschaft fast 15.000 Unterschriften für ein absolutes Nachflugverbot ab 22 Uhr überreicht. „Es gibt kein Recht auf Fliegen zu jeder Tages- und Nachtzeit“, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch bei der Übergabe der fünf Leitz-Ordner mit den Namenszügen der Unterstützer. „Aber es gibt ein Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit.“ Airport und Senat hätten außer „vollmundigen Ankündigungen“ zur Lärmreduzierung zu später Stunde nichts geliefert, kritisierte Martin Mosel, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Luftverkehr und der Fluglärm-Initiative Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW). „Im Gegenteil, die Nachtflüge sind in den letzten Jahren noch häufiger geworden.

Per Volkspetition fordert der BUND eine drastische Einschränkung der Betriebszeiten am Schmidt-Airport. Dort darf bislang zwischen 6 und 23 Uhr regulär geflogen werden; bis 24 Uhr gilt zudem eine Verspätungsregelung, die Starts und Landungen in aller Regel auch dann zulässt. Die Lärmgegner wollen die Flugzeiten auf 6 bis 22 Uhr begrenzen, an Sonn- und Feiertagen ab 8 Uhr. Für verspätete Jets nach 22 Uhr soll es so gut wie keine Ausnahmen mehr geben. Der Flughafen lehnt jede Veränderung der Betriebszeiten ebenso ab wie der rot-grüne Senat. Die Verspätungsregelung bis 24 Uhr sei notwendig, um das Angebot aufrechterhalten zu können, sagt Airport-Geschäftsführer Michael Eggenschwiler.

Immerhin übten Spitzenvertreter der Senatskoalition gestern dennoch Kritik am Status Quo. „Wir sind mit der Verspätungssituation in diesem Sommer absolut unzufrieden“, gestand SPD-Fraktionschef Andreas Dressel. Sein Grünen-Kollege Anjes Tjarks sagte: „Die Bürgerschaft erwartet die Einhaltung des Versprechens, dass die Zahl der Spätflüge zurückgeht.“ Allerdings lehnten beide einen Betriebsschluss um 22 Uhr ab. Dressel: „Statt dessen wollen wir dafür sorgen, dass die bestehenden Regeln eingehalten werden.“ Der SPD-Mann drohte notorischen Zuspätkommern mit Sanktionen. Die Entgeltordnung, die Flüge nach 23 Uhr mit Gebührenaufschlägen bestraft, werde „so lange verschärft, bis sie wirkt“.

Die Bürgerschaft prüft nun, wie viele der eingereichten 15.000 Unterschriften gültig sind. Erreicht die Volkspetition die erforderliche Zahl von 10.000 Unterstützern, müssen sich der Umweltausschuss und die Bürgerschaft mit der Forderung befassen.

Interview mit Martin Mosel

„Fliegen Sie selbst gar nicht, Herr Mosel?“

Martin Mosel ist Hamburgs bekanntester Fluglärm-Gegner und vertritt auch die Interessen von Airport-Anrainern im Umland. Er ist Sprecher der Bürgerinitiative Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) sowie des BUND-Arbeitskreises Luftverkehr. 

SPD und Grüne lehnen ein Nachtflugverbot ab 22 Uhr ab. Ihre Petition ist also zum Scheitern verurteilt…?

Martin Mosel: Das sehe ich nicht so. Immerhin steht die 22-Uhr-Nachtruhe in den Programmen von SPD und Grünen zur Bundestagswahl. 

War es schwer, 15.000 Unterschriften für die Petition zu sammeln?

Ja. 15.000 Unterschriften gegen einen Flughafen zu sammeln, den 80 Prozent der Bürger regelmäßig nutzen, ist nicht einfach. 

Was ist so schlimm an späten Flügen?

Flüge nach 22 Uhr stören die Nachtruhe der Menschen erheblich. Niemand kann den Tag entspannt ausklingen lassen, wenn er spätabends im Zwei-Minuten-Takt mit Fluglärm belastet wird. 

Wie viele Menschen sind betroffen?

Etwa 200.000. Mindestens 100.000 auf Hamburger Gebiet und noch mal 100.000 im Umland.

Fliegen Sie selbst gar nicht?

Doch. Aber mein letzter Flug ist schon 20 Jahre her. Ich bin gar nicht gegen das Fliegen als solches. Auch Hamburg braucht selbstverständlich einen Flughafen. Aber ein Flughafen mitten in der Stadt muss die Belastungsgrenzen der Bevölkerung achten.

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