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Hamburg : Bryan Adams: Angestaubtes 80er-Jahre-Gefühl begeistert die Massen

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Ein Rock-Kassiker nach dem anderen: 12.000 Fans tanzen und singen beim Auftritt von Bryan Adams in der Barclaycard Arena.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2016 | 07:00 Uhr

Hamburg | Bryans Adams ist ein Effektivitätskünstler. „Get Up“, das gleichnamige Album zu seiner neuen Tour, ist durch und durch Mainstream. Reproduzierbar und risikolos. Aber am Sonnabend in der fast ausverkauften Barclaycard Arena mit 12.000 Zuschauern kam es gar nicht auf die neuen Songs an. Es ging um die zahllosen Welthits des kanadischen Schmusebarden.

In Hamburg reihte Bryan Adams die Klassiker aus zwölf Alben nahtlos aneinander, als wären sie eine einzige große Selbstverständlichkeit. Zugegeben: Die meisten davon haben inzwischen einige Jahre oder gar Jahrzehnte auf dem Buckel. Macht aber nichts. Es ist gerade dieses leicht angestaubte 80er-Jahre-Gefühl aus der großen Zeit des Stadionrocks, das sich in der Halle in einer frenetischen Tanz- und Jubelorgie entlud.

Fulminant wurde es bei seinen grundsoliden Rockhymnen. „18 till I die“ zum Beispiel oder „Cuts like a Knife“. Als Adams seinen Gassenhauer „Summer of 69“ mit der unverwechselbaren und kehligen Heiserkeit schmetterte, flammte naturgemäß Volksfeststimmung auf. Auf den Rängen war zu spüren: Für 87 Euro teure Sitzplatztickets wollten die Menschen ihren Helden gehörig abfeiern. Und das taten sie.

Was dann zur Mitte des Auftritts passierte, muss man live erlebt haben. Noch bevor er den ersten Akkord mit der Gitarre angestimmt hatte, drehte der Musiker das Mikrofon Richtung Innenraum der rappelvollen Arena. Inbrünstig und textsicher grölte Adams Anhängerschaft „Heaven“ mit. Ein Meer aus Smartphone-LEDs wurde als Feuerzeuglicht zweckentfremdet. Pärchen umschlangen sich in ihrem Tour-Shirt-Partnerlook. „Ich liebe es, wenn ihr singt“, rief der Zeremonienmeister dem ekstatischen Auditorium entgegen, nachdem er die größte Schmalznummer seiner Karriere performt hatte.

Adams ist ein Zweiweltenwandler. Er hat die sanften Töne genauso in petto wie die richtig rockigen Sounds mit seiner angenehm kratzigen Stimme. Der Kanadier lieferte vom allerfeinsten ab und klang mit der leicht erzwungenen Raubeinstimme exakt wie auf Platte.

Seine vierköpfige, sichtbar verjüngte Entourage brillierte an den Instrumenten. Die Bühne arrangiert ohne Pipapo. Auf einer Megaleinwand im Hintergrund waren im Wechsel Musikvideos und Konzertbilder zu sehen. Das war’s auch schon.

Äußerlich hat sich der Frauenschwarm, inzwischen 56 Jahre alt, so blendend gehalten, dass manch männlicher Gast neidisch werden konnte. Mit dem fein säuberlich frisierten Undercut, Hemd und Sakko hätte er optisch auch locker als Banker im Londoner Finanzdistrikt durchgehen können. Die Hörerschaft, weiblich dominiert sowie Vierzig plus, geriet ins Schmachten. Das hat sie immer schon getan.

Über 100 Millionen Tonträger hat der kanadische Nationalheld bislang verkauft. „Get Up“ prangt über seinem neuen Album und der Tour. Hits wie „You belong to me“ oder „Go down rockin’“ verkamen während des Auftritts aber eher zu den Schlafpillen des Abends.

Nach über zwei Stunden makelloser Unterhaltung, 24 Songs und sage und schreibe acht Zugaben, darunter das Elvis-Presley-Cover „All Shook Up“, gingen die Lichter am Sonnabend aus. Ohne jeden Zweifel eine überwältigende Show. Vor allem wegen der vielen Klassiker.

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