A7-Sperrung in Hamburg : Brückenabriss bei sengender Hitze – Schwerstarbeit für Bauarbeiter

Schuften bei 35 Grad: Der Brückenabriss auf der A7 wurde Samstag zur echten Herausforderung für Bauarbeiter und Autofahrer.

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04. Juli 2015, 17:17 Uhr

Hamburg | Samstagmittag, 12 Uhr: Das Thermometer ist längst auf 35 Grad geklettert. In der Senke der Autobahn 7 weht kein Lüftchen, die Hitze steht über der Baustelle. Die Brücke, die an dieser Stelle noch bis zum Vorabend über die A7 führte, liegt wie ein erlegtes Tier am Boden. Hydraulische Meißel und Scheren kämpfen sich durchs Gewebe. Die Hauptverkehrsader zwischen Hannover und Flensburg ist seit Freitagabend gesperrt. Nicht unbedingt der Arbeitsplatz, den man sich an dem bislang heißesten Tag des Jahres wünscht.

Rund 50 Bauarbeiter wuseln auf dem absperrten Gelände herum. Bis zum Abend soll der Brückenschutt - etwa 1200 bis 1500 Tonnen - abgetragen werden. Schubkarre und Schaufel sind dabei allerdings von gestern. „Der Großteil der Arbeit wird von Maschinen übernommen“, sagt Peter Caspar Hamel vom federführenden Baukonsortium Via Solutions Nord.

Erholsam ist es für die Arbeiter in der brütenden Hitze trotzdem nicht. „Wie soll man das beschreiben? Das ist heiß, das ist tropisch“, sagt Roger Deparade, Projektleiter eines niederländischen Unternehmens, das Sonntag die Behelfsbrücken für Autos und Fußgänger montieren soll.

Deparade sitzt mit seinem Team im Schatten des Bauwagens: Pause. Wassernachschub steht längst bereit. „Zehn Liter trinkt man an so einem Tag - ohne auf Klo zu gehen“, sagt er, bekleidet mit langer Cordhose, kurzem Shirt und Sicherheitsschuhen. Das T-Shirt ab und zu mal wechseln? Bringt nichts, sagt Kollege Frederik Grandia. „Nach zwei Minuten ist es wieder nass.“

Rainer Bartsch steht mit seinen drei Kindern - zwei, sieben und zehn Jahre alt - auf der anderen Seite des Bauzauns und wischt sich mit dem Polo-Shirt über die feuchte Stirn. Die Kleinste hält er auf dem Arm. Für die Kinder sei so eine Riesenbaustelle etwas Besonderes, sagt Bartsch. „Aber ich bedauere die Bauarbeiter. Wir gehen gleich zurück ins klimatisierte Auto.“ Dort verbrachten unzählige Menschen ihren Samstag - wenn auch unfreiwillig. Die A7-Sperrung und der Massenansturm an die Küsten machten aus der Anreise für viele Autofahrer eine Geduldsprobe.

Allein auf der A1 von Hamburg in Richtung Ostsee staute sich der Verkehr nach Angaben der Polizei zwischen Ahrensburg und Lübeck zeitweise auf rund 30 Kilometern. Nach einem Auffahrunfall auf der A1 Hamburg-Lübeck kurz vor der Anschlussstelle Bad Oldesloe wurde die Autobahn für knapp eine Stunde in Richtung Norden gesperrt. „Auf einmal wollen sie alle - das ist der normale Wahnsinn bei diesen Hochsommertemperaturen“, sagte ein Sprecher des Lagedienstes in Kiel.

Auf der A7 selbst stockte der Verkehr in Richtung Norden auf sechs Kilometern - weniger als die Polizei erwartet hatte. „Dort läuft es recht geschmeidig“, sagte eine Sprecherin der Hamburger Verkehrsleitstelle. Probleme gab es aber auf den innerstädtischen Umleitungen wie etwa auf der Kieler Straße. Dort gab es lange Staus.

Damit soll ab Montagmorgen (5 Uhr) wieder Schluss sein. Pünktlich zum Berufsverkehr ist die Autobahn 7 dann auch im Norden Hamburgs wieder frei. Der Bauschutt ist dann weg, zwei neue Brücken führen über die Autobahn - und die Temperaturen lassen bis dahin auch wieder etwas nach.

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