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Bald zwei Millionen Einwohner : Boomtown Hamburg – es geht nur mit dem Umland

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Chance statt Bedrohung: Das Wachstum verlangt nach neuen Schulen und Kindergärten, neuen Wohnungen und Jobs.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 09:41 Uhr

Hamburg | Schafft Hamburg das? Nachdem laut aktuellen Zahlen ein Anstieg der Bevölkerungszahl auf zwei Millionen in Reichweite kommt, hat die Diskussion darüber begonnen, ob die Hansestadt dem Boom gewachsen ist. „Hamburg ist grundsätzlich in der Lage, ein solches Wachstum zu bewältigen“, sagte der Stadtentwicklungs-Forscher Jörg Knieling auf Anfrage. Die Elbmetropole verfüge über Flächenreserven, etwa im Hafen sowie durch weitere Nachverdichtungen. Zugleich hält Knieling aber eine enge Abstimmung mit den Nachbarländern für unabdingbar, um die Bevölkerungszunahme stadtverträglich abzuwickeln. „Die Stadt-Umland-Zusammenarbeit ist langfristig der Schlüssel.“

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft wächst Hamburg von 1,79 Millionen Einwohnern (2015) bis 2035 um 162.000 auf 1,95 Millionen. Das entspricht einer Zunahme um 9,1 Prozent – und das, nachdem die Einwohnerzahl schon im laufenden Jahrzehnt um fast 150.000 angewachsen ist. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat das Erreichen der Zwei-Millionen-Marke bereits vor vier Jahren avisiert.

Nach damaligen Berechnungen hätte der Sprung über die zweite Millionengrenze erhebliche Folgen: Die Zahl der sozialversicherten Arbeitsplätze müsste von damals 900.000 auf mindestens eine Million ansteigen, zu den 900.000 Wohnungen müssten weitere 100.000 gebaut werden. Die Stadt bräuchte 120 neue Kindergärten mit 12.000 Plätzen und 2000 zusätzlichen Erzieherinnen, 38 neue Schulen mit 800 zusätzlichen Lehrern für 19.000 zusätzliche Schüler. Und an den Hochschulen würden 10.000 zusätzliche Studenten ihren Abschluss anstreben. Scholz hielt und hält das innerhalb der Stadtgrenzen für machbar. Sein Credo: „Das erwartete Bevölkerungswachstum ist keine Bedrohung, sondern eine Chance.“

SPD-Fraktionschef Andreas Dressel sagte zur aktuellen Studie: „Wir buhlen nicht um Einwohner, Hamburg wächst ohnehin.“ Es gehe darum, dieses Wachstum sozial verträglich zu gestalten. Dressel verweist auf das Wohnungsprogramm des rot-grünen Senats zur Schaffung von jährlich 10.000 zusätzlichen Wohneinheiten.

Verkraftet Hamburg das starke Wachstum?

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Die rege Bautätigkeit stößt allerdings auf Widerstand bei Umweltschützern. Der Nabu Hamburg will im Dezember die Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“ starten, um die Vernichtung von Grünflächen für Großwohnsiedlungen zu stoppen. Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim Nabu, fordert: „Die Studie belegt einmal mehr, dass Hamburg eine vorausschauende Stadtentwicklung benötigt, die auch die Metropolregion einbeziehen muss.“ Im Klartext: Der Verband will einen Teil der Flächenbedarfe für Wohnen und für Gewerbe im Speckgürtel decken.

In diese Richtung denkt auch Stadtentwicklungswissenschaftler Knieling. „Hamburg muss stärker den regionalen Zusammenhang betrachten.“ Ein derartiger Boom sei kaum allein auf dem Gebiet des Stadtstaates zu bewältigen - es sei denn um den Preis der Vernichtung von Freiräumen: „Hamburg darf nicht Landschaftsschutzgebiete oder zu viele Kleingärten bebauen. Das wäre kurzsichtige Politik.“ Für entscheidend hält der Forscher auch eine einwohner- und umweltverträgliche Mobilität in der wachsenden Region. Knieling plädiert in dem Zusammenhang dafür, eine zu den Akten gelegte Idee zu entstauben. „Hamburg braucht jetzt den Mut, die Pläne für eine Stadtbahn wieder aufzunehmen.“

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