Ausblick auf die „Cruise Days“ 2019 : Boom beim Kreuzfahrttourismus in Hamburg

Der Erfolg hat eine Schattenseite: die Luftverschmutzung im Hafen. Landstrom oder LNG sind noch Stiefkinder.
Der Kreuzfahrttourismus bringt seit Jahren immer mehr Passagiere nach Hamburg.

Der Erfolg hat eine Schattenseite: die Luftverschmutzung im Hafen. Landstrom oder LNG sind noch Stiefkinder.

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24. Oktober 2018, 16:24 Uhr

Hamburg | Der Kreuzfahrtboom in Hamburg ist ungebrochen. In diesem Jahr brachten die Luxusliner 915.000 Passagiere in die Hansestadt – so viele wie nie zuvor und 102.000 mehr als 2017. Seit 2015 beträgt Deals Plus satte 76 Prozent. Auch bei den Schiffsanläufen ging’s 2018 kräftig bergauf, von 198 auf 220. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Sacha Rougier, Geschäftsführerin des Cruise Gate Hamburg (CGH), Betreiberin der drei Cruise Center. Hamburg liege damit oberhalb der durchschnittlichen Marktentwicklung in Europa und gehöre inzwischen zu den Top 20 der Kreuzfahrthäfen weltweit.

Zugleich warnte die Kreuzfahrt-Chefin vor Selbstzufriedenheit. Weiteres Wachstum sei kein Selbstläufer. Rougier: „Wir brauchen weiterhin in Hamburg optimale Rahmenbedingungen und den Zuspruch der Reedereien, um diese Erfolgsstory weiter entwickeln zu können.“ Für das kommende Jahr erwarten die Verantwortlichen eine leichte Zunahme. Ob Hamburg dann die Millionenmarke knackt, ließ Rougier offen.

Rabatte bei Landstrom-Nutzung

Neben dem boomenden Geschäft ging die CGH-Chefin auch auf seine Kehrseite bei der Umweltbilanz ein. Der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) sei in der Kreuzfahrtsaison 2017 im Hafen um rund 200 Tonnen, in 2018 um 458 Tonnen reduziert worden. „Ich sehe bei den Reedern eine Fokussierung auf Landstrom“, berichtete Rougier. „Der öffentliche Druck ist gewachsen.“

Damit Schiffe zu ihren Liegezeiten den Betrieb ihres Hotels leisten können, wird Strom zumeist noch durch Dieselmotoren erzeugt, es entstehen Abgase. In Altona kann eine Landstromanlage genutzt werden, wenn Schiffe hierfür ausgerüstet sind. Dieses werde für Reeder interessant, wenn sie auf ihren nordeuropäischen Routen in allen Häfen Landstrom vorfinden, erläuterte Rougier. Er ist deutlich teurer als selbst erzeugter Strom, in Hamburg erhalten Reeder einen Rabatt beim Hafengeld. „Ich wünsche mir die Abschaffung der EEG-Umlage, aber das ist Aufgabe der Politik“, ergänzte Rougier.

In Altona wird bislang ein Schiff regelmäßig mit Landstrom versorgt, ein weiteres hat es getestet. Neben dem geplanten Landstromanschluss am Terminal Hafencity wünscht sich die CGH-Chefin auch einen für Steinwerder, wo derzeit eine Stromversorgung durch verflüssigtes Erdgas (LNG) möglich ist.

Nabu kritisiert zu langsame Umsetzungen

Dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Hamburg gehen die Umsetzungen nicht schnell genug. „Es gibt eine mangelnde Bereitschaft der Reeder, Verantwortung zu übernehmen“, kritisierte der Leiter der Nabu-Umweltpolitik, Malte Siegert. Zwar seien deutsche Reeder bei alternativer Energietechnik vorn, aber international operierende Wettbewerber „hinken hinterher“. Aus Siegerts Sicht sollten an der „Cruise Days“-Parade nur solche Schiffe teilnehmen dürfen, „die über mehr als nur das Mindestmaß an Abgastechnik verfügen“.

„Cruise Days 2019“ werfen Schatten voraus

Für die Saison 2019 kündigen die Verantwortlichen etliche neue Höhepunkte an. An den Kaikanten können sich Schaulustige neben dem traditionellen Hafengeburtstag (10. bis 12. Mai) auf eine weitere Großveranstaltung einstellen: Zum siebten Mal werden die „Cruise Days“ vom 13. bis 15. September im Hafen ausgerichtet. Dann sollen rund ein Dutzend Kreuzfahrtschiffe die Hansestadt anlaufen, darunter zwei Flusskreuzfahrer. Die „Europa 2“ wird aus dem Reparaturdock grüßen. Fünf Schiffe nehmen an der traditionellen Parade am Samstagabend teil, aufgereiht wie an einer 1,8 Kilometer langen Perlenschnur. „Länger geht es nicht“, sagte Organisator Uwe Bergmann.

Sieben Ozeanriesen werden zu Erstanläufen in der Elbmetropole erwartet, darunter die neue Mein Schiff 2 (319 Meter lang, 2900 Passagiere) und die Costa Smeralda (337 Meter, 5200 Passagiere). Feierlich getauft werden soll auf der Elbe am 2. November 2019 die MSC Grandiosa (331 Meter, 6300 Passagiere), als Taufpatin ist die italienische Filmdiva Sophia Loren angekündigt.

Licht- und Laserinszenierung an den Landungsbrücken

Zur „Begleitmusik“ gehört der wieder von Lichtkünstler Michael Batz in Blau getauchte Hafen. Erstmals ist um die Landungsbrücken eine Licht- und Laserinszenierung mit sphärischer Soundkulisse vorgesehen.„Das wird etwas Experimentelles“, kündigte Bergmann an. An Land ist zwischen dem Kreuzfahrtterminal Hafencity und dem in Altona ein Unterhaltungsprogramm vorgesehen. Für Experten der Branche gibt es einen begleitende Workshop und Foren.

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