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Reeperbahn auf St. Pauli : Bodycams: Polizei in HH startet Pilotprojekt am Freitag

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Für Polizisten sind Streifengänge auf St. Pauli nicht immer ungefährlich. Ab diesem Wochenende sollen Kameras brenzlige Situationen aufzeichnen.

shz.de von
erstellt am 18.Jun.2015 | 17:29 Uhr

Hamburg | Die Hamburger Polizei setzt an diesem Wochenende erstmals sogenannte Bodycams ein. Zwei Beamte mit einer kleinen Kamera auf der Schulter werden von Freitagabend an ihre Streifenkollegen rund um die Reeperbahn begleiten, wie Polizeisprecher Timo Zill am Donnerstag vor der Davidwache ankündigte. Der Einsatz der insgesamt vier Schulterkameras findet im Rahmen eines Pilotprojektes statt, das bis Ende 2016 gehen soll. Die Videoteams sollen nur an Wochenenden unterwegs sein.

Die Bodycams sollen Polizisten im Einsatz vor Gewalt schützen. Als erstes Bundesland hat Hessen die Kameras getestet - sie werden seit 2013 in Frankfurt am Main eingesetzt. Dort ist die Zahl der Angriffe auf Beamte bei Überprüfungen laut den Behörden um mehr als ein Fünftel zurückgegangen, seit die Kamera mitläuft. In Rheinland-Pfalz starten Pilotversuche in Koblenz und Mainz am 1. Juli 2015 - mit insgesamt 15 Bodycams und 50 eigens geschulten Polizisten. Auch Baden-Würrtemberg plant einen Test der Mini-Kameras.

Die Polizisten mit Bodycams sind deutlich als Videoteam gekennzeichnet. Sie dürfen ihre Kameras nur bei drohender Gefahr einschalten. Die Bild- und Tonaufnahme wird den Umstehenden zuvor angekündigt. Die Polizei verspricht sich davon eine abschreckende Wirkung auf mögliche Gewalttäter.

Die Aufzeichnungen können die Videobeamten hinterher ansehen, aber nicht löschen oder verändern. In der IT-Abteilung der Polizei werden sie gespeichert. Laut Gesetz dürfen sie bei einem möglichen Strafverfahren verwendet werden. Sonst müssen sie grundsätzlich nach einem Monat gelöscht werden. Die Bürgerschaft hatte dem Pilotprojekt im Januar zugestimmt, die Einsatzregeln sind mit dem Landesdatenschutzbeauftragten abgesprochen. Die Hamburger Polizei zählte im vergangenen Jahr 799 Widerstandshandlungen gegen ihre Beamten, davon 159 auf St. Pauli.

Vor mehreren Jahren hatte die Polizei im Bereich des Reviers an der Reeperbahn stationäre Videokameras installiert. Aus Datenschutzgründen durften diese aber keine privaten Bereiche wie Hauseingänge erfassen. Die Bilder brachten die Ermittler in den seltensten Fällen weiter. Die Überwachung wurde daraufhin eingestellt.

Die Bodycams seien dagegen sehr zielgerichtet, erklärte Fachlehrer Thorsten Pahl von der Polizeiakademie. Sie nähmen nur Personen und Ereignisse auf, die wirklich relevant seien.

Seit etwa zehn Jahren sind bereits die Hamburger Streifenwagen mit Videokameras ausgestattet. Schaltet der Fahrer die Anzeige „Stop Polizei“ ein, beginnt automatisch eine Aufzeichnung. Auch diese Aufnahmen unterliegen nach Angaben der Polizei strengen Datenschutzrichtlinien.

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