Altonaer Fernbahnhof : Blutiger Protest gegen neuen Bahnhof

Geschmacklos? Mit diesem Blutfleck-Plakat macht die Initiative „Prellbock Front“ gegen die geplante Verlegung des Altonaer Bahnhofs nach Diebsteich.

Geschmacklos? Mit diesem Blutfleck-Plakat macht die Initiative „Prellbock“ Front gegen die geplante Verlegung des Altonaer Bahnhofs nach Diebsteich.

Die Bürgerinitiative „Prellbock“ kämpft für den Erhalt des Fernbahnhofs im Zentrum Altonas. Mit blutigem Plakat.

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28. Juni 2018, 13:53 Uhr

Hamburg | Mancher irritierte Passant muss zweimal hingucken: Mit einem drastischen Bildmotiv protestiert die Bürgerinitiative „Prellbock“ seit kurzem gegen die geplante Verlegung des Altonaer Fernbahnhofs. Auf Plakaten ist unter der Überschrift „Stoppt den Irrsinn“ eine Schiene mit einem großen, triefenden Blutfleck zu sehen. Fürchtet „Prellbock“ Gewalt im Laufe der Auseinandersetzung? Stehen beim Streit um den Bahnhof gar Menschenleben auf dem Spiel?

Initiativenmitglied Andreas Müller-Goldenstedt begründet die martialische Darstellung so: Senat, Bahn und der Privatinvestor Procom gingen über fast alles hinweg, vor allem über Argumente und Bürgerwillen, um ihre „Gier nach Immobilien und Betonwahn-Irrsinn“ zu realisieren, sagt Müller-Goldenstedt. „Das ist ganz schöne Gewalt und es gibt viele Menschen, die fast ohnmächtig trauern oder eben bluten.“

Für das Plakat hätten zwei Motive zur Auswahl gestanden, außer der Blutspur eines mit einer Rose auf der Schiene. 99 Prozent aller Mitglieder hätten sich für den Blutfleck entschieden. Auch auf dem Stadtteilfest Altonale sei das Plakat kürzlich „super“ angekommen.

Die Bürgerinitiative „Prellbock“ kämpft für den Erhalt des Fernbahnhofs am Standort im Zentrum Altonas. Den Neubau in Diebsteich halten die Projektgegner für horrende Geldverschwendung, gerade für Pendler aus Schleswig-Holstein verschlechtere sich das Zugangebot. Die Kritiker mutmaßen, den Verantwortlichen gehe es ausschließlich um Profitinteressen. In diesem Zusammenhang kritisiert Prellbock auch den am Mittwoch entschiedenen Architektenwettbewerb für den neuen Bahnhof.

Hamburg, Deutsche Bahn und der Investor hätten mit dem Verzicht auf eine öffentliche Ausschreibung gegen EU-Vergaberegeln verstoßen, sagte Initiativensprecher Michael Jung: „Selbst wenn der Senat behaupten wird, das gewählte Verfahren sei rechtlich in Ordnung, muss er sich die Frage gefallen lassen, warum man es für besonders vorteilhaft hält, keinen offenen Wettbewerb zuzulassen.“

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