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Nach Übernahme durch Lürssen-Gruppe : Blohm+Voss in Hamburg – Eine Werft wird geschrumpft

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Stellenabbau, Verkleinerung der Fertigungsflächen: Für den traditionsreichen Schiffbaubetrieb brechen neue Zeiten an.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2017 | 16:59 Uhr

Hamburg | Viel dürfte nicht übrig bleiben von der einstmals größten Werft der Welt. In diesen Wochen beginnt nicht nur der Abbau von etwa 300 der verbliebenen knapp 1000 Stellen bei Blohm+Voss in Hamburg. Zugleich verfolgt der neue Eigentümer, die Bremer Lürssen Gruppe, offenbar auch Pläne, das Werftgelände im Herzen des Hafens deutlich zu verkleinern. Nach einer Betriebsversammlung Anfang der Woche berichteten Mitarbeiter und IG Metall-Vertreter, die Geschäftsführung wolle etwa zwei Drittel der Fertigungsflächen verpachten, weil sie für den abgespeckten Betrieb nicht benötigt würden. Der Betriebsratsvorsitzende Murat Acerüzümoglu sagte: „Von den rund 45.000 Quadratmetern der für die Fertigung benötigten Flächen in den Hallen sollen erst einmal nur noch 15.000 produktiv genutzt werden."

Freiwerdende Teile des Geländes sollen laut IG Metall entweder an andere Industrieunternehmen vermietet oder stillgelegt werden. Die Unternehmensleitung bestätigte die Zahlen nicht, räumte aber Überlegungen zur Umnutzung von Flächen ein. Infolge effizienterer Arbeitsabläufe werde weniger Platz benötigt, so Blohm+Voss-Geschäftsführer Dieter Dehlke. Pläne zur Reduzierung der Gesamtfläche um zwei Drittel gebe es aber nicht. Einzelheiten zum Flächenkonzept - wie auch zum künftigen Geschäftsumfang - will die Werft derzeit öffentlich nicht nennen. Blohm+Voss hat das Gelände auf Steinwerder langfristig von der Stadt gepachtet. 

Dass der traditionsreiche, 1871 gegründete Schiffbaubetrieb in Zukunft mit erheblich weniger Platz auskommt, gilt in Hamburg schon länger als offenes Geheimnis. Mit der Übernahme durch Lürssen im vorigen Herbst wird sich der Arbeitsumfang weiter verringern, was Dehlke und Lürssen-Aufsichtsratschef Klaus Borgschulte während der Betriebsversammlung auch klargemacht haben. Wie Teilnehmer aus Gewerkschaftskreisen berichten, sollen den Hamburger Schiffbauern nach der Restrukturierung nur noch die Endmontage und Innenausbau von Marineschiffen sowie die Reparatur und der Umbau von Luxusyachten sowie Kreuzfahrern bleiben.

Lürssen rechnet sich gute Chancen für den Nachbau von fünf neuen Korvetten des Typs K130 für die Bundesmarine aus. Am Bau der ersten fünf Exemplare hatte Blohm+Voss bereits mitgewirkt. Allerdings: Im Falle eines Neuauftrags, so die Pläne der Unternehmensführungen in Bremen und Hamburg, sollen die Rumpfsegmente an anderen Lürssen-Standorten vorgefertigt und zur Endmontage nach Hamburg gebracht werden. Dort erfolgt zudem der Innenausbau.

Vom Neubau von Superyachten muss sich Blohm+Voss dagegen endgültig verabschieden. Lürssen ist in dem Bereich selbst Weltmarktführer. Blohm+Voss wollen die Bremer nur für Reparaturen und die Wartung von Yachten sowie weiterhin auch von Kreuzfahrtschiffen nutzen.

Etwa ein Drittel der Belegschaft wird die Schrumpfkur nicht überstehen; 300 Jobs fallen weg. Und das möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen, zum Großteil sollen die Mitarbeiter mit Abfindungen zum Gehen bewegt werden. Die ersten 150 Arbeitsverträge werden zum 1. Juli aufgelöst, 2018 nochmals 150. Die Einrichtung einer Transfergesellschaft ist angekündigt.

Auch wer bleiben darf, muss Einschnitte hinnehmen. Eine Mehrheit der Mitarbeiter hat Verhandlungen über Gehaltskürzungen zugestimmt. In Frage kommen dafür laut IG Metall aber im Wesentlichen nur Weihnachts- und Urlaubsgeld.

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