Amtsgericht Hamburg : Bewährungsstrafe für Ex-Waffentechniker der Polizei

Der Angeklagte hatte illegale Waffenteile Zuhause gelagert.

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08. Februar 2018, 17:20 Uhr

Hamburg | Zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung wurde ein ehemaliger Waffentechniker der Hamburger Polizei verurteilt. Er soll illegale Waffenteile gelagert haben. Der Angeklagte habe unter anderem gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen, befand das Amtsgericht Hamburg-St. Georg am Donnerstag.

Ermittler hatten 2015 im Wohnhaus des gelernten Büchsenmachers unter anderem Teile eines Maschinengewehrs, ein Kleinkalibergewehr, mehrere Waffenläufe, gut 500 Schuss Munition und verbotene Sprengkörper entdeckt, heißt es laut Staatsanwaltschaft.

Auch in der Waffenwerkstatt der Polizei, wo der 31-Jährige gearbeitet hatte, und im Ferienhaus seiner Mutter wurden laut Staatsanwaltschaft Waffen sichergestellt. Ein neues Auto zahlte der Beschuldigte laut Anklage in einer Werkstatt mit zwei Signalwaffen an.

Der Mitarbeiter dieser Werkstatt sei bereits verurteilt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die zwei bei dem Mechaniker gefundenen Signalwaffen brachten die Polizei auf die Spur des Angeklagten, wie der Ermittlungsleiter berichtete. Nach der Durchsuchung von dessen Haus habe man einen Lastwagen benötigt, um die sichergestellten Gegenstände abzutransportieren.

Mit Waffenteilen „vollgestopft“

Wohnhaus und Werkstatt des Angeklagten seien mit Waffenteilen „vollgestopft“ gewesen. „Es lag alles durcheinander“, so der Landeskriminalbeamte. Kartons mit Munition seien „in allen erdenklichen Räumen“ verteilt gewesen. Auf einem Wohnzimmerschrank habe das Gehäuse eines Maschinengewehrs gestanden.

Der Beschuldigte räumte die Vorwürfe der Anklage ein. Er bestritt aber, aus den Teilen des Maschinengewehrs eine funktionstüchtige Kriegswaffe hätte bauen zu können. Es sei lediglich eine „Dekowaffe“ gewesen. Die Staatsanwaltschaft und ein Sachverständiger waren der Ansicht, dass alle Bestandteile vorhanden gewesen sind, um das Maschinengewehr zu montieren und damit zu schießen. Für zielgenaues Dauerfeuer hätten allerdings Teile gefehlt. „Wenn jemand ein Maschinengewehr auseinandernimmt und die einen Teile hier und die anderen Teile dahin legt, ist das für mich immer noch ein Maschinengewehr“, betonte der Sachverständige.

Angeklagter: Ich bin traurig, dass ich meine Zukunft kaputt gemacht habe

In seinem Schlusswort erklärte der Beschuldigte, es habe sich durch seinen Beruf als Waffentechniker eine Routine im Umgang mit Waffen und Kriegswaffen eingestellt. In seinen eigenen vier Wänden habe er nicht mehr darüber nachgedacht, was er da zu Hause habe. Er sei traurig, dass er sich seine Zukunft als Büchsenmacher kaputt gemacht habe. Nachdem die Vorwürfe bekannt geworden waren, hatte er seinen Job verloren.

Das Gericht erkannte die Kooperation und das frühe Geständnis des Angeklagten an. Angesichts der sichergestellten Menge an Waffenteilen habe man aber nicht mehr von einem minderschweren Fall ausgehen können, betonte der Richter in der Urteilsbegründung.

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