Hamburger Landgericht : Betrug mit Enkeltrick: Zwölfeinhalb Jahre Haft für Hintermann

Hinter dem Angeklagten habe ein ganzes Netzwerk von Betrügern gestanden.

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29. Januar 2018, 15:42 Uhr

Hamburg | Am Montag hat das Hamburger Landgericht einen Hintermann von Enkeltrickbetrügern zu zwölfeinhalb Jahren verurteilt. Dem 30-Jährigen seien 40 Betrugstaten nachgewiesen worden, sagte der Vorsitzende der Strafkammer, Bernd Steinmetz. Hinter dem Angeklagten habe ein ganzes Netzwerk von Betrügern gestanden.

„Bei Ihnen liefen die Fäden des Netzwerks zusammen“, sagte Steinmetz. Der 30-Jährige habe von Polen aus agiert und sein luxuriöses Leben mit der Beute finanziert. Er habe mindestens 300.000 Euro Profit gemacht. Laut Urteil muss der Angeklagte drei geschädigten Frauen rund 47.000 Euro zurückzahlen.

Der 30-Jährige sei in den meisten Fällen als sogenannter Keiler tätig gewesen, stellte die Strafkammer fest. Er habe Menschen mit altmodisch klingenden Vornamen wie Ingeborg, Gerda, Heinrich oder Oswald in Deutschland angerufen und sich als Enkel oder Verwandter in einer Notsituation ausgegeben. Erklärten sich die Senioren bereit, ihrem vermeintlichen Enkel zu helfen, schickte ein Logistiker vor Ort einen Abholer für das Geld los.

Erst im November hatte der Angeklagte ein fast vollständiges Geständnis abgelegt, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Der 30-Jährige war im Juli 2016 in Ungarn festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden.

In dem Prozess gegen mehrere mutmaßliche Enkeltrickbetrüger vor dem Hamburger Landgericht stehen insgesamt vier Männer und eine Frau – seit 46 Verhandlungstagen vor Gericht. Das Verfahren gegen eine andere Frau wurde abgetrennt.

Der Verteidiger eines 42-Jährigen hatte am Montag für seinen Mandanten zudem eine Strafe von vier Jahren und neun Monaten gefordert. Seine Forderung sei Teil eines Deals, sagte der Anwalt. Dem Angeklagten werden mehr als ein Dutzend Betrugsfälle vorgeworfen.

Der Angeklagte und dessen Mittäter gingen dabei laut Anklage so vor: Sie riefen von Polen aus ältere Leute in Deutschland und Luxemburg an und gaben sich als nahe Angehörige aus, die unvorhergesehen in finanzieller Not geraten seien. Die Anrufer baten die Senioren um Geld. In zwei Fällen hatte die Masche Erfolg. Eine Frau übergab den Betrügern 15.000 Euro, eine andere 10.000 Euro. Die übrigen Betrugsversuche seien gescheitert oder sein Mandant habe aufgegeben, sagte der Anwalt. Die Taten sollen zwischen November 2011 und Mai 2014 verübt worden sein. Die Staatsanwaltschaft hat auf eine Strafe von fünf Jahren und drei Monaten plädiert.

Die Polizei hatte den 42-Jährigen am 9. November 2016 in Hamburg-Schnelsen festgenommen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

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