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Zuwachs in Kitas : Betreuungsschlüssel eins zu vier: Hamburger Krippen müssen noch warten

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Eigentlich sollte der Betreuungsschlüssel bis zum 1. August 2019 verbessert sein. Es gibt allerdings einen Ausgleich.

Hamburg | Eltern von Krippenkindern müssen in Hamburg ein Jahr und vier Monate länger als geplant auf einen Betreuungsschlüssel von eins zu vier in den Kitas warten. Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) begründete dies am Dienstag mit erheblichen Zuwächsen in den Kindertagesstätten, „unter anderem dadurch, dass wir mehr als 1000 Flüchtlingskinder zusätzlich in Hamburgs Kitas haben (...) und darüber hinaus ein erhebliches Stadtwachstum hatten“. Ursprünglich hatten Senat und Kita-Verbände 2014 vereinbart, dass der momentan noch bei eins zu 5,6 liegende Schlüssel zum 1. August 2019 auf das angestrebte Maß verbessert wird.

Dies sei jedoch kaum zu schaffen, da dann auf einen Schlag mehr als 2000 zusätzliche Erzieher nötig wären, sagte Leonhard. Es gebe jedoch einen Ausgleich: So würden bereits vorzeitig zum 1. Januar 2018 und noch einmal zum 1. Januar 2019 jeweils 500 Erzieher zur Betreuung von Kindern bis zu drei Jahren eingestellt. Noch einmal die gleiche Menge folge dann Anfang 2020 und 2021. „Für die Eltern bedeutet das, dass es früher zu spürbaren Verbesserungen kommt, für die Erzieherinnen und Erzieher bedeutet das, dass sie früher neue Kolleginnen und Kollegen bekommen“, sagte Leonhard.

Die Kosten des Personalaufbaus bezifferte die Senatorin in der Spitze auf rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Finanziert werden könnte dies über die erwarteten zusätzlichen Einnahmen aus dem 2020 in Kraft tretenden neuen Länderfinanzausgleich. Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte: „Wenn immer darüber geredet wird, was man mit dem Geld aus dem Länderfinanzausgleich alles machen könnte, will ich darauf hinweisen, dass die Zahlen relativ ähnlich sind: das, was hier für die Kitas nötig ist, und das, was wir dort mehr gewinnen.“ An der geplanten Verbesserung des Betreuungsschlüssels für Kinder zwischen drei und sechs Jahren ändere sich nichts, sagte Leonhard.

Dieser soll bis 2025 von derzeit eins zu 10,7 auf eins zu 10 verbessert werden. Nach Angaben des Statistikamts Nord wurden in Hamburg im vergangenen Jahr knapp 79.000 Kinder bis zu sechs Jahren betreut, knapp 24.000 davon waren maximal drei Jahre alt.

Um die hohe Zahl zusätzlicher Erzieher überhaupt erreichen zu können, will Hamburgs Schulbehörde neue Wege in der Ausbildung gehen. „Wir wollen gezielt Abiturienten ansprechen“, sagte Senator Rabe. Um sie für den Beruf zu gewinnen, sollen sie statt ein ganzes Jahr nur eine viermonatige Praktikumszeit nachweisen müssen. Auch könne die Ausbildung durch das sogenannte Meister-Bafög finanziell unterfüttert und das Praktikum durch die sogenannte berufsbegleitende Ausbildung auch bezahlt werden. Zudem würden Schüler mit einem erweiterten Hauptschulabschluss in den Blick genommen, denen ebenfalls eine Ausbildung im Erzieherbereich ermöglicht werden soll.

Die rot-grüne Regierungskoalition begrüßte die vorgestellten Pläne, sprach von einer guten Nachricht für Kinder, Eltern und Erzieher. Auch die Linken stellten sich hinter das Vorhaben, das allerdings sehr spät komme. Außerdem springe der Senat zu kurz. So seien die 2015 von den Beschäftigten erkämpften Tariferhöhungen in Hamburg immer noch nicht umgesetzt, gut zwei Drittel aller Kita-Beschäftigten seien nur in Teilzeit angestellt. Hinzu komme die generell unzulängliche Entlohnung von Erziehern.

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erstellt am 06.Jun.2017 | 15:53 Uhr

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