Landgericht Hamburg : Berufungsprozess gegen härteste G20-Strafe beginnt

Der zum Tatzeitpunkt 28-Jährige soll nach der „Welcome to Hell“-Demo eine Flasche auf einen Polizisten geworfen haben.

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09. August 2018, 08:03 Uhr

Hamburg | Am Landgericht Hamburg beginnt am Donnerstag der Berufungsprozess gegen die im Zuge der G20-Verfahren bisher höchste verhängte Strafe. Anfang Januar war der Hamburger Christian R. vom Schöffengericht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte in der Nacht zum 7. Juli 2017 nach der „Welcome to Hell“-Demo am Schulterblatt mit einer zerschlagenen Bierflasche auf einen Polizisten geworfen und diesen damit an der Hand verletzt hat.

Der zum Tatzeitpunkt 28-Jährige habe sich damit der gefährlichen Körperverletzung, des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und des schweren Landfriedensbruchs schuldig gemacht, urteilte das Gericht zu Jahresbeginn.

Richter Johann Krieten sagte bei der Urteilsverkündung zu Christian R.: „Das war ein überaus widerliches Verhalten, was Sie da gezeigt haben.“ Der Angeklagte stand bei dem Prozess unter laufender Bewährung.

Urteil übersteigt Forderung der Staatsanwaltschaft

Die verhängte Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten überstieg die Forderung der Staatsanwaltschaft deutlich, diese hatte zwei Jahre und zehn Monate gefordert. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch, nach der Urteilsverkündung kam es zu Unmutsbekundungen aus dem Zuschauerraum. Es war das zweite harte Urteil von Richter Krieten, nachdem dieser im August 2017 im ersten G20-Verfahren einen Mann für zwei Flaschenwürfe zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt hatte.

Matthias Wisbar, der Verteidiger von Christian R., hatte im Laufe des Verfahrens mehrere erfolglose Befangenheitsanträge gegen Krieten gestellt, weil dieser aus seiner Sicht „in seiner Entscheidung festgelegt“ sei.

Insgesamt wurden nach den schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg schon über 40 Urteile gesprochen.

 
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