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Bergung von Rostfässern im Meiler Brunsbüttel läuft nach Plan

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Bergung von teils stark verrosteten Fässern mit schwach- bis mittelradioaktivem Abfall aus unterirdischen Lagerräumen im abgeschalteten Atomkraftwerk Brunsbüttel ist ohne Zwischenfälle angelaufen. „Die Bergung schreitet kontinuierlich voran. Das ist gut“, sagte Energiewendeminister Robert Habeck der Deutschen Presse-Agentur in Kiel. „Es ist ein elendes Kapitel der Atomgeschichte, das jetzt beendet wird. Die Lehren daraus sind gezogen.“ Seit Beginn der Fassbergung am 29. Februar werden im Durchschnitt ein bis zwei Fässer pro Werktag aus den unterirdische Lagerräumen, den sogenannten Kavernen geholt. Aus zwei Kavernen seien mit einem eigens dafür entwickelten Spezialgreifer per Fernbedienung bislang 24 von 188 Fässern geborgen worden. Grob geschätzt sind laut Ministerium die Kavernen II und IV wahrscheinlich bis Ende 2016 geräumt.

Insgesamt lagen in sechs mit Betondeckeln abgeschirmten Kavernen 632 Fässer – zum Teil seit vielen Jahren. Von denen sind mindestens 150 zum Teil schwer beschädigt. Vor vier Jahren wurde das erste Rostfass entdeckt. Die Bergungsaktion im Kontrollbereich des Kraftwerks soll etwa drei Jahre dauern. Bis zu einem späteren Abtransport in ein Endlager sollen die Behälter in Brunsbüttel oberirdisch sicher und endlagerfähig verwahrt werden.

Die Fässer enthalten im Wesentlichen Abfälle aus der Abwasseraufbereitung und aus den Prozesskreisläufen des Kraftwerks, das seit 2007 nach diversen technischen Pannen keinen Strom mehr liefert. Es handelt sich um Filterharze (FKZ), mit denen das Wasser in den Kreisläufen so rein wie möglich gehalten wird, und um Verdampferkonzentrate (VKZ), getrocknete Rückstände aus der Abwasseraufbereitung.

Bisher gibt es nach Angaben des Energiewendeministeriums keine neuen Auffälligkeiten. Die bisher geborgenen Fässer entsprachen demnach alle der Schadenskategorie, in die sie nach der Kamerainspektion eingestuft worden waren. Dabei handelt es sich um 18 Fässer mit Filterkonzentrat und sechs Fässer mit Verdampferkonzentrat. Die Fässer mit Filterkonzentrat werden über einen in einem speziellen Schutzraum stehenden Portalkran zu einer Pulverharz-Umsauganlage gebracht, wo der Inhalt aus den Fässern in endlagerfähige Container gesaugt wird. Die Fässer mit Verdampferkonzentrat werden in einer Trocknungsanlage nachgetrocknet und samt Fass in endlagerfähige Container gestellt.

Die Kavernen und Fässer waren ursprünglich nicht für eine längerfristige Aufbewahrung vorgesehen. Die Behälter sollten eigentlich längst nach Schacht Konrad (Niedersachsen) in ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden, dessen Inbetriebnahme bis Ende der 90er Jahre vorgesehen war. Dieses Lager steht immer noch nicht zur Verfügung: Derzeit rechnet das Bundesumweltministerium mit einem Start zwischen 2021 und 2025.

Die Atomaufsicht in Kiel geht davon aus, dass in den vergangenen Jahrzehnten besonders die Verdampferkonzentrate nicht ausreichend getrocknet worden waren und deshalb die starken Rostschäden entstanden. Das damalige Kraftwerkspersonal habe mit einem zügigen Abtransport der Fässer in ein Endlager gerechnet. Vermutlich aus diesem Grund sei die hohe Restfeuchte nicht als Problem gesehen worden.  

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